100 Jahre nach der Entdeckung des Grabes von Pharao Tutanchamun – Mit brutalen Methoden

Es ist genau ein Jahrhundert her, dass das Team von Howard Carter im November 1925 die Überreste des legendären Pharaos Tutanchamun entdeckte. Jahrzehntelang wurde das Ereignis als Triumph der Archäologie gefeiert – doch heute ist die Erinnerung daran weitaus düsterer, vor allem wegen des Umgangs mit den Überresten des Pharaos während der Ausgrabung.

Der Beginn der “Tutmania”

Im November 1922 entdeckte ein Team unter der Leitung von Howard Carter, das größtenteils aus ägyptischen Arbeitern bestand, erfolgreich das Grab von Tutanchamun im Tal der Könige. Die Entdeckung wurde sofort zu einer weltweiten Sensation und entfachte die Faszination der westlichen Welt für das alte Ägypten neu. Zeitgenössische Zeitungen und die breite Öffentlichkeit bezeichneten das immense Interesse an den Schätzen des Grabes und dem Geheimnis des jungen Pharaos schlicht als “Tutmania”.

Die Ausgrabung des Grabes erwies sich jedoch als äußerst langwieriger Prozess. Aufgrund der akribischen Dokumentation der Artefakte und der Spannungen, die sich zwischen Carter und der ägyptischen Regierung entwickelten, vergingen Jahre, bevor die Forscher den wichtigsten Fund – die Leiche des Pharaos selbst – fanden. Erst im November 1925 wurde schließlich der innerste Sarg des Tutanchamun geöffnet. Nur wenige Menschen wissen jedoch, dass dieser Moment den Beginn eines der dunkelsten Kapitel der Archäologie markierte, wie The Conversation berichtet.

Eine brutale Ausgrabung

Das Team war verblüfft, als es feststellte, dass Tutanchamuns Körper durch eine dicke, schwarze, gehärtete harzähnliche Substanz mit dem Sarg verschmolzen war – eine Art Teer, der während der Bestattung auf die Bandagen aufgetragen wurde, um den Körper vor dem Verfall zu schützen.

Anstatt nach einer geeigneten Methode zu suchen, versuchte das Team von Carter zunächst, das Harz mit Hilfe von Sonnenwärme aufzuweichen. Als dies nicht gelang, griffen sie zu drastischen Maßnahmen: Die Mumie wurde mit heißen Messern in Stücke geschnitten. Der Kopf und die Totenmaske des Pharaos wurden einfach vom Körper abgetrennt. Nach den Untersuchungen versuchte das Team, die Teile wieder zusammenzufügen, um den Eindruck zu erwecken, die Mumie sei unversehrt geblieben.

Die wahren Umstände könnten vertuscht worden sein

Die Ägyptologin Joyce Tyldesley wies später darauf hin, dass Carter nie öffentlich über diese Schrecken berichtet hat. Die Details der Sezierung fehlen sowohl in seinen veröffentlichten Berichten als auch in seinen privaten Notizen, die heute im Griffith Institute der Universität Oxford aufbewahrt werden.

Carters Schweigen wurde lange Zeit nicht hinterfragt, doch Tyldesley zufolge könnte es sich um eine absichtliche Vertuschung gehandelt haben. Der archäologische Fotograf Harry Burton dokumentierte jedoch jeden fragwürdigen Moment und seine Bilder sind schockierend offen: Auf einigen Fotos ist zu sehen, wie der Schädel des Pharaos mit einem einfachen Metallstab abgestützt wird, um sicherzustellen, dass er für ein Foto, das für die Öffentlichkeit bestimmt war, aufrecht erscheint.

Diese Fotos stehen in krassem Gegensatz zu dem Bild, das Carter in seinem eigenen Buch The Tomb of Tut-Ankh-Amen (1927) veröffentlicht hat und auf dem der Kopf des Pharaos sorgfältig eingewickelt ist, so dass der Eindruck entsteht, dass er sorgfältig behandelt wurde.

Ernsthafte ethische Fragen tauchen auf

Der Fall wirft ernste ethische Fragen für die moderne Archäologie auf: Wie weit darf ein Wissenschaftler bei seinem Streben nach Wissen gehen? Was bedeutet eine Entdeckung wirklich, wenn dabei der Respekt vor menschlichen Überresten verloren geht?

Die Ausgrabung des Grabes von Tutanchamun war zweifelsohne ein Meilenstein für die Ägyptologie und hatte zahlreiche kulturelle Vorteile. Doch das hundertjährige Jubiläum dient auch als Erinnerung daran, dass trotz aller wissenschaftlichen Neugier der Respekt und der Schutz der ausgegrabenen Überreste von größter Bedeutung ist.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *