Die Regierung von Premierminister Viktor Orbán könnte vor den Wahlen Milliarden an EU-Mitteln erhalten

Wenn die Europäische Kommission den Darlehensantrag Ungarns genehmigt, könnte die Regierung von Premierminister Viktor Orbán Anfang 2026 eine vorzeitige Tranche von bis zu 2,43 Milliarden Euro (ca. 950 Milliarden Forint) an EU-Mitteln erhalten – eine Entwicklung, die ihr in der Endphase des Wahlkampfs zugute kommen könnte.
Gemeinsame europäische Aufrüstung durch Kredite finanziert
Die EU hat das SAFE-Programm im Frühjahr 2025 als Reaktion auf die sich verschlechternde globale Sicherheitslage und die Schwächung der US-Garantien aufgelegt. Aus einem Gesamtkreditrahmen von bis zu 150 Milliarden Euro können die EU-Mitgliedsstaaten langfristige, zinsgünstige Darlehen aufnehmen, um die Entwicklung der Verteidigung, die Beschaffung von Waffen und Investitionen in die Militärindustrie zu finanzieren.
Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Zuschuss, sondern um ein günstiges EU-Darlehen, ähnlich der Finanzierung, die im Rahmen des Konjunkturpakets für die wirtschaftliche Erholung nach einer Pandemie zur Verfügung steht.

Die Europäische Kommission agiert als Vermittler auf den Finanzmärkten und ermöglicht es den Mitgliedstaaten, dank der EU-Garantie Kredite zu viel niedrigeren Kosten aufzunehmen, als sie es selbst könnten.
Nach Angaben der Kommission haben bisher 18 Mitgliedstaaten SAFE-Mittel in Höhe von insgesamt mehr als 127 Milliarden Euro beantragt.
Das Programm ist für Ungarn besonders wertvoll, da es in den kommenden Jahren erhebliche zinsgünstige finanzielle Flexibilität für die Verteidigung und die industrielle Entwicklung bietet. Obwohl die Darlehen für militärische Investitionen bestimmt sind, könnten sie sich indirekt auf den Staatshaushalt im Allgemeinen auswirken – ein politisch relevanter Faktor angesichts der bevorstehenden Wahlen 2026.
Ungarn könnte sich für 16,2 Milliarden qualifizieren
Im Juli hatte die ungarische Regierung ihre Absicht bekundet, sich zu beteiligen, und Ende Oktober hatte die Europäische Kommission ihren nationalen Investitionsplan für die Verteidigung zur Prüfung angenommen. In dem Dokument wird detailliert dargelegt, wie Ungarn das beantragte Darlehen zu verwenden gedenkt, obwohl die Einzelheiten noch nicht veröffentlicht wurden.
Auf der Grundlage der eingereichten Pläne könnte sich Ungarn für ein Darlehen von bis zu 16,2 Mrd. EUR (ca. 950 Mrd. HUF) qualifizieren. Der Betrag ist zwar noch nicht endgültig – die Prüfung durch die Kommission wird noch bis Anfang 2026 andauern -, aber wenn er genehmigt wird, könnte die erste Vorfinanzierungstranche im ersten Quartal 2026 zur Verfügung stehen.

Polen hat mit einem Antrag von über 43 Milliarden Euro das größte Interesse gezeigt, während Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien ebenfalls zweistellige Milliardenbeträge beantragen und Ungarn damit zu den mittelgroßen Antragstellern gehört – aber der Betrag ist im Verhältnis zu seiner Wirtschaft immer noch erheblich.
Orbáns Regierung stellt sich Brüssel
Obwohl das SAFE-Programm in erster Linie wirtschafts- und sicherheitspolitischen Zielen dient, haben die Spannungen um die Brüsseler Gelder dazu geführt, dass Ungarns Teilnahme eine politische Dimension hat. Die Beziehungen zu Brüssel sind alles andere als reibungslos, aber Ungarn hat wenig Grund, sich zu verweigern, da Sicherheitsrisiken und NATO-Verpflichtungen gemeinsame Interessen schaffen.
Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán hat betont, dass die ungarische Verteidigungsindustrie zu einem strategischen Sektor wird, und die SAFE-Mittel könnten eine stabile, von der EU unterstützte Lösung darstellen. Wenn der Prozess reibungslos verläuft, könnte Ungarn Anfang 2026 erhebliche EU-Mittel erhalten, genau dann, wenn der Wahlkampf seine intensivste Phase erreicht.
Die Sicherung dieser Gelder könnte auch politisch vorteilhaft für die Regierungspartei sein, indem sie den Druck auf den Haushalt vorübergehend mildert und in den Monaten vor der Wahl öffentlichkeitswirksame Projekte oder Förderprogramme ermöglicht.
Abgebildetes Bild: Szecsődi Balázs / Miniszterelnöki Sajtóiroda

