Karte enthüllt bisher unbekannte Straßen des Römischen Reiches

Ein internationales Forscherteam hat zum ersten Mal eine digitale Karte fast des gesamten Straßennetzes des Römischen Reiches erstellt und damit die bisher bekannten Routen um mehr als 100.000 Kilometer erweitert. Die neue Studie deckt nicht nur die Hauptstraßen ab, sondern auch die Nebenstrecken, die der Wissenschaft bisher weitgehend entgangen waren.
Das Sprichwort “Alle Wege führen nach Rom” ist im Falle des Römischen Reiches keine Übertreibung. Die Städte und Provinzen des riesigen Reiches waren durch ein erstaunlich umfangreiches Straßensystem verbunden, das wirtschaftlich, militärisch und kulturell eine entscheidende Rolle spielte. Jetzt hat sich herausgestellt, dass das römische Straßennetz viel weiter verbreitet war als bisher angenommen, berichtet Live Science.
Bislang unbekannte Straßen des Römischen Reiches wurden entdeckt
Die Forschung wurde von Tom Brughmans, einem Archäologen an der Universität Aarhus in Dänemark, geleitet, der zusammen mit seinen Kollegen einen neuen digitalen Atlas namens Itiner-e erstellt hat. Ziel des Projekts war es, die römische Welt zu rekonstruieren, wie sie um 150 n. Chr., auf dem Höhepunkt der Expansion des Reiches, aussah. Die Forscher kombinierten historische Quellen, archäologische Daten, topographische Karten und moderne Fernerkundungstechnologien, um eine groß angelegte, frei zugängliche Datenbank zu erstellen.
Die Itiner-e Karte enthält etwa 300.000 Kilometer römischer Straßen – mehr als das Doppelte früherer Schätzungen. Laut Brughmans verändert diese Entdeckung unser Verständnis des römischen Verkehrs und der sozialen Netzwerke grundlegend.
Konnektivität brachte sowohl Vorteile als auch Nachteile
Römische Straßen erleichterten nicht nur die Bewegung der Armee, sondern sicherten auch den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhalt des Reiches. Händler, Soldaten, Beamte und Pilger reisten alle auf denselben Routen, von denen viele noch heute in Teilen Europas, des Nahen Ostens und Nordafrikas nachverfolgt werden können.
Die Forscher argumentieren, dass die Größe und die Vernetzung des Netzwerks verdeutlichen, wie das Römische Reich über Hunderte von Jahren so effizient funktionieren konnte.
Gleichzeitig machte diese Einheit das Reich aber auch verwundbar: Brughmans verweist auf die Antoninische Pest, die sich ab 165 n. Chr. über das Reich ausbreitete und die Bevölkerung dezimierte.
Weitere Straßen könnten noch entdeckt werden
Jeffrey Becker, ein Archäologe an der Binghamton University in New York, der nicht an der Studie beteiligt war, ist der Ansicht, dass Itiner-e einen großen Schritt vorwärts im Verständnis der Welt des Römischen Reiches darstellt. Er weist jedoch darauf hin, dass die Karte noch Lücken aufweist – zum Teil aufgrund unzugänglicher Daten und zum Teil, weil die Identifizierung von Straßenresten eine Herausforderung bleibt.
Brughmans und sein Team räumen ein, dass die aktuelle Version erst der Anfang ist. Die Gesamtlänge der von ihnen identifizierten Nebenstraßen beläuft sich auf fast 200.000 Kilometer, aber diese Zahl könnte in Zukunft noch erheblich steigen.
Die Plattform Itiner-e ist sowohl für Forscher als auch für die breite Öffentlichkeit frei zugänglich und bietet umfangreiche Daten zu allen bekannten Straßen des Römischen Reiches, von den großen Militärstraßen bis zu kleineren ländlichen Wegen. Das Projekt soll auch andere Forscher dazu inspirieren, die fehlenden Abschnitte zu kartieren.

