Tödliche Straßen in Ungarn? So sicher sind wir wirklich unterwegs

Neue Zahlen von Eurostat zeichnen ein ernüchterndes Bild der Verkehrssicherheit in ganz Europa. 2023 werden mehr als 20.000 Menschen auf den Straßen der EU ihr Leben verlieren, und Ungarn liegt in der unteren Hälfte der Tabelle.
Obwohl der Kontinent in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen zur Verkehrssicherheit gestartet hat, gibt es nach wie vor große regionale Ungleichgewichte. Mittel-, Ost- und Südosteuropa verzeichnen weiterhin die höchsten Todesraten – und Ungarn liegt zwar im statistischen Mittelfeld, schneidet aber immer noch schlechter ab als der EU-Durchschnitt.
Eine neue Analyse von CHART by Pénzcentrum zeigt sowohl seit langem bestehende strukturelle Probleme als auch neue Unfallmuster im ungarischen Straßennetz auf. Dem Bericht zufolge spielen Geschwindigkeitsüberschreitungen, der sich verschlechternde Zustand ländlicher Straßen, überlastete Nationalstraßen und unzureichender Fußgängerschutz weiterhin eine große Rolle bei tödlichen Zusammenstößen. Darüber hinaus tragen die sich ändernden Mobilitätsgewohnheiten zu neuen Unfalltypen bei, die gezielte Maßnahmen erfordern.
Europas gefährliche Hotspots

In ganz Europa sterben jeden Tag durchschnittlich sechzig Menschen im Straßenverkehr. Die Daten aus dem Jahr 2023 zeigen, dass die alarmierendsten Statistiken im südöstlichen Teil des Kontinents zu finden sind. Die bulgarische Region Severozapaden verzeichnete eine erschütternde Zahl von 166 Verkehrstoten pro Million Einwohner – die höchste Rate in der Europäischen Union. Die nahe gelegenen Regionen in Rumänien und Griechenland meldeten ebenfalls weit über 100 Todesfälle pro Million.
Am anderen Ende der Skala hat die Verkehrssicherheit in einigen Teilen der EU ein vorbildliches Niveau erreicht. Die finnischen Åland-Inseln und die spanische autonome Stadt Melilla meldeten beide null Verkehrstote im Jahr 2023, während große städtische Regionen ebenfalls gut abschnitten. Brüssel verzeichnete nur fünf, Wien sechs und Berlin neun Verkehrstote pro Million Einwohner, was bestätigt, dass eine gut ausgebaute städtische Infrastruktur die Zahl der Verkehrstoten erheblich senken kann.
Ungarn im europäischen Kontext
Ungarn verzeichnete im Jahr 2023 472 Verkehrstote, was 49 Todesopfern pro Million Einwohner entspricht und damit leicht über dem EU-Durchschnitt von 46 liegt. Obwohl Ungarn bei weitem nicht zu den schlechtesten Regionen in Europa gehört, bleiben die internen Disparitäten des Landes erheblich.
Budapest und das Komitat Pest sind weiterhin die sichersten Gebiete. Die Hauptstadt verzeichnete 44 Todesfälle (26 pro Million), während das Komitat Pest 64 (48 pro Million) registrierte, was in beiden Fällen eine leichte Verbesserung gegenüber den Vorjahren darstellt. Westungarn – einschließlich Zentral-, West- und Südtransdanubien – meldete mäßige Zahlen, mit etwa 50-60 Todesopfern in jeder Region.
Die höchsten Risikogebiete befanden sich in Ost- und Südungarn. Insgesamt starben 204 Menschen bei Unfällen in der Großen Tiefebene und in Nordungarn. Während die Pro-Kopf-Zahl in Nordungarn (46) die regionale Rate nach unten zog, lagen sowohl die Nördliche Tiefebene (52) als auch insbesondere die Südliche Tiefebene (68) über dem nationalen Durchschnitt. Die südliche Tiefebene verzeichnete mit 81 Todesopfern auch die höchste Zahl an Todesopfern insgesamt.
Druck auf die Infrastruktur und stark befahrene Korridore
Die verkehrsreichsten Verkehrsknotenpunkte Europas – wie Norditalien, Frankreich, Belgien und Süddeutschland – verzeichnen aufgrund des schieren Verkehrsaufkommens nach wie vor die höchste absolute Zahl von Unfällen. In Ungarn zeigen sich ähnliche Muster: wichtige nationale Routen und stark befahrene Korridore gehören immer wieder zu den gefährlichsten Abschnitten des Straßennetzes des Landes.
Längere Reaktionszeiten bei Notfällen in ländlichen Gebieten, unzureichende Investitionen in die Infrastruktur und häufige Geschwindigkeitsüberschreitungen tragen zu Ungarns erhöhtem Risikoprofil bei. Laut CHART von Pénzcentrum verdeutlichen diese Probleme in Verbindung mit zunehmend komplexen Mobilitätsmustern die Notwendigkeit neuer Strategien für die Verkehrssicherheit.
Wie steht Ungarn im Vergleich zu seinen regionalen Nachbarn da?
Innerhalb Mittel- und Osteuropas liegt Ungarn im Mittelfeld. Österreich (44 Verkehrstote pro Million) und die Tschechische Republik (46) schnitten besser ab, während die slowakische Rate (49) fast identisch mit der ungarischen war. Polen meldete mit 52 eine höhere Zahl, aber Rumänien bleibt mit einem alarmierenden nationalen Durchschnitt von 81 Todesfällen pro Million – und mehr als 100 pro Million in einigen seiner Regionen – der Ausreißer in der Region.
Langsame Fortschritte, ungleiche Gewinne
Insgesamt hat sich die Verkehrssicherheit in Ungarn in den letzten Jahren verbessert, insbesondere in den großen städtischen Gebieten und den wirtschaftlich stärkeren westlichen Regionen. Die hohe Zahl der Verkehrstoten im Osten und Süden unterstreicht jedoch die Notwendigkeit gezielter Investitionen: bessere ländliche Infrastruktur, sicherere Kreuzungen, effektivere Geschwindigkeitskontrollen und verbesserte Notfallkapazitäten.
Da die europäischen Daten weiterhin tiefe Kontraste zwischen den Regionen aufzeigen, bleibt Ungarns Herausforderung klar: die Sicherheit auf seinen verkehrsreichsten und gefährlichsten Strecken zu verbessern und gleichzeitig die strukturellen Ungleichheiten zu beseitigen, die dazu führen, dass Teile des Landes zu den risikoreichsten Gebieten des EU-Straßennetzes gehören.

