Mehr als Science Fiction: Könnten sich außerirdische Zivilisationen erst am Rande der Zerstörung offenbaren?

Die Suche nach außerirdischen Zivilisationen gehört seit langem zu den spannendsten wissenschaftlichen Unternehmungen der Menschheit. Während Science-Fiction-Filme in der Regel hochentwickelte und aggressive außerirdische Spezies zeigen, deutet eine neue wissenschaftliche Idee darauf hin, dass der erste echte Kontakt auf eine ganz andere Art und Weise zustande kommen könnte: Außerirdische könnten für uns am ehesten dann erkennbar werden, wenn sie kurz vor dem Aussterben stehen.

Die Vorstellung von der Existenz außerirdischer Zivilisationen ist keineswegs ein Produkt der Neuzeit. Bereits im antiken Griechenland glaubte der Philosoph Epikur, dass die scheinbare Unendlichkeit des Universums zwangsläufig die Existenz unzähliger Welten impliziert und dass, wenn die Materie unendlich ist, die Möglichkeit von Leben nicht auf einen einzigen Planeten beschränkt sein kann. Dieser Gedanke begleitet die Menschheit seit mehr als zweitausend Jahren, doch eine systematische wissenschaftliche Erforschung ist erst im letzten Jahrhundert möglich geworden.

Das grundlegende Problem ist klar: Wir wissen mit Sicherheit von intelligentem Leben an nur einem Ort – der Erde. Alle unsere Vorstellungen über außerirdische Zivilisationen basieren daher auf diesem einen Beispiel, was unsere Erwartungen zwangsläufig verzerrt.

Warum können klassische Annahmen irreführend sein?

Die moderne Wissenschaft und Science Fiction gehen oft davon aus, dass außerirdische Zivilisationen Technologien mit enormem Energiebedarf entwickeln, die die Fähigkeiten der Erde um Tausende von Jahren übertreffen, aggressiv expandieren und immer größere Ressourcen unter ihre Kontrolle bringen. Ein solches Konzept ist die Dyson-Sphäre, die den gesamten Energieausstoß eines Sterns nutzen würde. Allerdings haben Beobachtungen des Himmels bisher nichts ergeben, was auf die Existenz solch monumentaler außerirdischer Gesellschaften in unserer kosmischen Nachbarschaft hindeutet.

Außerirdische Zivilisationen und die eschatologische Hypothese

Wie IFLScience berichtet, hat der Astronom David Kipping die so genannte eschatologische Hypothese aufgestellt, die eine völlig neue Sichtweise auf außerirdisches Leben bietet. Der Kerngedanke ist, dass es nicht stabile, ausgeglichene Gesellschaften sind, die am leichtesten zu entdecken sind, sondern solche, die in eine Phase des Zusammenbruchs eintreten.

Bestimmte astronomische Phänomene unterstützen diesen Gedankengang. Die ersten entdeckten Exoplaneten umkreisten zum Beispiel höchst ungewöhnliche Objekte – Pulsare – obwohl wir heute wissen, dass diese weit von typischen Planetensystemen entfernt sind. Auffällige, extreme Phänomene sind einfach viel leichter zu entdecken als das, was durchschnittlich oder gewöhnlich ist.

Das Gleiche könnte auch für außerirdische Zivilisationen gelten. Gesellschaften, die langfristig nachhaltig funktionieren, könnten sich fast nahtlos in den natürlichen kosmischen Hintergrund einfügen, während ökologische Ungleichgewichte und intensive technologische Aktivitäten starke, aber kurzlebige Signale hinterlassen könnten.

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Quelle: Pixabay

Das Paradoxon der “lauten” Zivilisationen

Nach der eschatologischen Hypothese könnten außerirdische Zivilisationen eine kurze “laute” Phase durchlaufen. In dieser Phase verbrauchen sie in kurzer Zeit einen erheblichen Teil der Energie, die sie während ihrer gesamten Existenz verbraucht haben, und machen sich so im kosmischen Maßstab bemerkbar, kurz bevor sie vollständig zusammenbrechen. Das Phänomen lässt sich vielleicht am besten mit einer Supernova vergleichen: für einen kurzen Moment außerordentlich hell, dann für immer verschwunden.

In dieser Interpretation wäre der erste Kontakt keine triumphale Begegnung, sondern eher eine Antwort auf eine Art Notsignal. Ein denkbares Szenario ist, dass eine Zivilisation, die auf den Untergang zusteuert, absichtlich versucht, andere intelligente Wesen zu kontaktieren, da sie nichts mehr zu verlieren hat.

Was bedeutet das für die Menschheit?

Wenn außerirdische Zivilisationen tatsächlich auf diese Weise aufgespürt werden können, dann müssen sich auch die Forschungsmethoden ändern. Es würde nicht ausreichen, den Himmel einmal abzuscannen. Die gleichen Regionen müssten wiederholt beobachtet werden, um flüchtige Signale zu erfassen, die in kurzen Zeiträumen auftauchen und wieder verschwinden.

Dieses Bild unterscheidet sich grundlegend von den Darstellungen von Außerirdischen, die in der Populärkultur üblich sind. Es sind vielleicht keine eindringenden Kriegsschiffe oder intergalaktischen Imperien, die uns erwarten, sondern die letzten Spuren einer untergehenden Zivilisation. Die Suche nach außerirdischem Leben wird damit nicht nur zu einem wissenschaftlichen Unterfangen, sondern auch zu einer zutiefst philosophischen Frage: Wie würde die Menschheit reagieren, wenn die ersten Anzeichen, die wir entdecken, die des Untergangs einer anderen Zivilisation wären?

Gekennzeichnetes Bild: depositphotos.com

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