Eistresor in der Antarktis: Wie Forscher die Geheimnisse schmelzender Gletscher für die Zukunft bewahren

Ein einzigartiges Eisgewölbe in der Antarktis könnte künftigen Klimaforschern unschätzbare Hilfe leisten. Das auf der Concordia Station eingerichtete Ice Memory Sanctuary hat zum Ziel, die in den Gletschern eingeschlossenen Klimadaten für Jahrhunderte zu bewahren, bevor sie für immer verschwinden.

Während sich die Erde weiter erwärmt, schmelzen die Gletscher der Welt in einem noch nie dagewesenen Tempo. Jedes Jahr gehen rund 273 Milliarden Tonnen Eis verloren, zusammen mit Informationen von unschätzbarem Wert: Gletscher fungieren als natürliche Archive, denn die im Eis eingeschlossenen Luftblasen offenbaren Spuren der Klimageschichte der Erde, die Hunderttausende von Jahren zurückreichen. Um dieses Wissen zu bewahren, wurde in der Antarktis ein spezieller Eistresor eingerichtet, der die Vergangenheit unseres Planeten an einem der entlegensten Orte der Erde bewahrt.

Nach dem jüngsten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist es unwahrscheinlich, dass fast die Hälfte der Gletscher der Welt dieses Jahrhundert überleben wird. Dies hätte weitreichende Folgen, denn Gletscher versorgen Millionen von Menschen mit Frischwasser, sind von immenser kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung und spielen eine entscheidende Rolle für den Albedo-Effekt der Erde, indem sie das Sonnenlicht reflektieren und so den Planeten kühlen.

Das Eisgewölbe in der Antarktis als globales Klimaarchiv

Wie Popular Mechanics berichtet, versucht das Ice Memory Sanctuary, diesen Verlust zu mildern. Die Einrichtung befindet sich in der französisch-italienischen Concordia Station auf dem antarktischen Hochplateau. Der Bau wurde 2024 vom Antarktis-Vertragssystem genehmigt und wird von der Prince Albert II of Monaco Foundation finanziert, während der Betrieb von der Ice Memory Foundation überwacht wird.

Die extremen Bedingungen machen den Standort ideal für seinen Zweck: Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt -50°C und bietet einen natürlichen Schutz für die Eiskerne. Dadurch sind sie sicher vor menschlichem Versagen, Wirtschaftskrisen, Stromausfällen oder sogar bewaffneten Konflikten. Das Eisgewölbe selbst liegt etwa fünf Meter unter der Oberfläche und misst etwa fünf Meter in der Höhe, fünf Meter in der Breite und fünfunddreißig Meter in der Länge – ein sauberer, funktionaler Raum, der ausschließlich der Konservierung von Gletschereis dient.

Antarctica
Quelle: Pixabay

Das Gewölbe wurde dieses Jahr in Betrieb genommen

Im Januar 2026 trafen die ersten Eiskerne aus den europäischen Alpen ein, womit der Betrieb des Tresors offiziell aufgenommen wurde. Den Plänen zufolge sollen in Zukunft auch Proben aus den Anden, dem Kaukasus, Spitzbergen und dem Pamirgebirge dort gelagert werden. Die letztgenannte Region ist besonders erwähnenswert, da die Ausdehnung einiger Pamir-Gletscher bis vor kurzem entgegen dem globalen Trend weiter zunahm.

Im vergangenen Jahr wurden zwei Eiskerne aus der Eiskappe von Kon-Chukurbaši, einem der Gletscher im Pamirgebirge, entnommen. Einer wurde nach Japan an die Universität Hokkaido geschickt, während der andere in der Antarktis sein endgültiges Zuhause finden wird.

Nach Angaben der WMO sind in den letzten fünfzig Jahren 9.000 Milliarden Tonnen Gletschereis von der Erde verschwunden – das entspricht einem Eisblock von der Größe Deutschlands und einer Dicke von 25 Metern. Selbst wenn die Menschheit bis 2050 eine Netto-Null-Emissionen erreicht, ist das Schicksal vieler Gletscher längst besiegelt.

Der einzigartige Eisspeicher in der Antarktis stellt jedoch sicher, dass zumindest die dort aufbewahrten Daten diese kritische Zeit überdauern werden, da sie sich für künftige Wissenschaftler als unverzichtbar erweisen könnten, um zu verstehen, wie das Klima der Erde aussah, als riesige Eisflächen noch die Polarregionen beherrschten.

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