Ungarische reformierte Kirchen werden möglicherweise aus der Weltgemeinschaft austreten, weil sie einen “spöttischen” Ton anschlagen und ideologisch voreingenommen sind.

In einem gemeinsamen Brief protestieren zehn reformierte Kirchenkreise aus dem Karpatenbecken bei der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) gegen deren ideologische Einseitigkeit, das Fehlen eines echten theologischen Dialogs und den respektlosen und spöttischen Ton gegenüber den ungarischen reformierten Christen. In ihrem Brief kündigen sie an, dass sie ihre Mitgliedschaft in der globalen Organisation überprüfen werden.
Beleidigende Veröffentlichung und respektloser Ton
Die ungarische reformierte Gemeinschaft hat insbesondere eine Veröffentlichung zum 20. Jahrestag des Bekenntnisses von Accra beanstandet, die beleidigende Worte über ungarische reformierte Christen enthält.
“Wir lehnen den respektlosen und spöttischen Ton gegenüber den ungarischen reformierten Christen ab, der in der im letzten Herbst zum 20-jährigen Jubiläum veröffentlichten Publikation zum Ausdruck kommt. […] Wir fordern nachdrücklich, dass Veröffentlichungen und Dokumente, die im Namen unserer Gemeinschaft erstellt werden, auch denjenigen gegenüber Respekt zeigen, die andere Standpunkte vertreten.”
Einseitige Ideologie und Fehlen eines theologischen Dialogs
Ausgehend von Berichten ungarischer Delegierter, die an der Versammlung in Thailand teilgenommen haben, äußerten reformierte Führungspersönlichkeiten ernste Bedenken hinsichtlich der inhaltlichen Aspekte der Veranstaltung. Sie finden es besonders problematisch, dass politischer Aktivismus im Mittelpunkt stand und nicht eine biblische Grundlage.
“Wir haben mit Bedauern festgestellt, dass die Mehrzahl der Plenarerklärungen einen einseitigen ideologischen Standpunkt vertraten und ein echter theologischer Dialog fehlte. Besonders besorgniserregend fanden wir die Beratungen zu bioethischen und moralischen Fragen, die die Spaltungen unserer Gemeinschaft ignorierten und einen biblisch-konfessionellen Ansatz völlig vermissen ließen.”
Die Heilige Schrift als Ausgangspunkt
In dem Brief wird betont, dass das Eintreten für Gerechtigkeit zwar Teil des Auftrags der Kirche ist, ihre authentische Vertretung aber nur auf der Grundlage der Heiligen Schrift gewährleistet werden kann.
“Wir glauben, dass es zum Auftrag der Kirche gehört, für Gerechtigkeit einzutreten, aber wir sind überzeugt, dass wir als Gemeinschaft christlicher Kirchen deren authentische Vertretung nur gewährleisten können, wenn unser Ausgangspunkt die Heilige Schrift und der theologische Dialog darüber ist.”
Fragen der Transparenz
Die Briefschreiber haben auch organisatorische und verfahrenstechnische Bedenken geäußert, insbesondere hinsichtlich der mangelnden Transparenz.
“Wir halten es für unerlässlich, dass die Entscheidungsfindung und die Verfahren der Gemeinschaft sowie die Entscheidungen in Personalangelegenheiten auf transparente Weise erfolgen. Wir stellen mit Bedauern fest, dass die endgültigen Fassungen der von der Versammlung verabschiedeten Beschlüsse immer noch nicht veröffentlicht wurden, und das seit mehreren Monaten.”
Überprüfung der Mitgliedschaft
Der wichtigste Abschnitt des Briefes kündigt die Absicht der ungarischen reformierten Gemeinschaft an, ihre Mitgliedschaft zu überdenken.
“Was wir in der Zeit vor der Versammlung und auf der Versammlung selbst erlebt haben, zwingt uns nun dazu, unsere Mitgliedschaft in der Gemeinschaft und die grundlegenden Fragen unserer Teilnahme zu überprüfen. Vor mehr als hundert Jahren sind wir einer Gemeinschaft beigetreten, die theologische und ethische Positionen respektiert hat, die auf der Heiligen Schrift und unseren anerkannten Bekenntnissen beruhen.”
“Wir sehen, dass diese Organisation derzeit weder den biblischen Ansatz, noch unsere reformierten Bekenntnisse, noch unsere Kirche respektiert. Wir müssen eine ernsthafte Entscheidung über unsere Mitgliedschaft treffen. Bevor wir dies tun, nehmen wir daher den Dialog mit der globalen und regionalen Leitung der WGRK über theologische und organisatorische Fragen auf.”
Der Brief wurde von den zehn reformierten Kirchenbezirken des Karpatenbeckens gemeinsam unterzeichnet. Darin bringen sie ihre einheitliche Position zu den Bedenken gegenüber der WGRK und den Bedingungen für eine künftige Zusammenarbeit zum Ausdruck.
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Titelbild: Die reformierte Kirche in Debrecen, Foto: depositphotos.com

