Könnten Wien und Budapest das olympische Feuer teilen?

Ein Experte hat jetzt laut ausgesprochen, was viele nur gedacht haben: Ungarn könnte realistischerweise eines Tages die Olympischen Spiele ausrichten – aber vielleicht nicht allein.
Mailand und Cortina ebneten den Weg
Die XXV. Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina sind am Sonntagabend im fast 2.000 Jahre alten Amphitheater von Verona zu Ende gegangen – und sie werden nicht nur wegen der sportlichen Leistungen in Erinnerung bleiben.
Die italienischen Spiele waren nicht nur in sportlicher Hinsicht ein Meilenstein. Zum ersten Mal in der olympischen Geschichte teilten sich offiziell zwei Orte – Mailand und Cortina d’Ampezzo – die Gastgeberrolle, anstatt einer einzigen Stadt. Nach Ansicht des Sportökonomen Gábor Szabados könnte dieses Modell zu einer Vorlage für künftige Olympische Spiele werden.

Warum die olympische Blase nicht weiter wachsen kann
Es gibt eine klare wirtschaftliche Logik hinter der Ausrichtung der Spiele an mehreren Orten. Das durchschnittliche Budget für eine Sommerolympiade liegt heute bei etwa 10 Milliarden Dollar, und es ist unwahrscheinlich, dass diese Zahl wesentlich sinkt. Die technologischen Anforderungen, die Medieninfrastruktur und ein immer dichteres Wettkampfprogramm treiben die Kosten weiter in die Höhe.
Gleichzeitig haben frühere Olympische Spiele fast ausnahmslos ihr geplantes Budget überschritten, oft sogar um ein Vielfaches.
Laut Szabados liegt die Lösung nicht unbedingt darin, weniger auszugeben, sondern intelligenter zu wirtschaften. Der Schlüssel liegt in der Begrenzung großer Infrastrukturinvestitionen und der Priorisierung von Einrichtungen, die die Städte tatsächlich benötigen – Veranstaltungsorte, die noch lange nach dem Erlöschen der olympischen Flamme genutzt werden können.
Budapest: Potenzial, aber noch einige Lücken
Ungarns olympische Ambitionen sind nicht neu. Im Jahr 2017 zog Budapest seine Bewerbung für die Spiele 2024 zurück, nachdem die Momentum-Bewegung mehr als 260.000 Unterschriften zur Unterstützung einer Referendumsinitiative gesammelt hatte.
Seitdem hat sich die Situation jedoch deutlich verändert. Die Puskás-Arena wurde gebaut, das Nationale Leichtathletikzentrum wurde eröffnet und der MVM Dome ist nun in Betrieb. Der Präsident des Ungarischen Olympischen Komitees, Zsolt Gyulay, hat wiederholt darauf hingewiesen, dass ein Großteil der zentralen Sportinfrastruktur bereits vorhanden ist.
Die wirklichen Defizite liegen woanders – insbesondere bei der Verkehrsinfrastruktur, den Hotelkapazitäten und der Flughafenlogistik.
2019 hat das Internationale Olympische Komitee das traditionelle, kostspielige Bewerbungsverfahren abgeschafft. Nach dem neuen System können interessierte Städte zunächst an einer unverbindlichen Dialogphase teilnehmen, die es ihnen ermöglicht, die Machbarkeit der Ausrichtung der Spiele zu erkunden, ohne sofortige Verpflichtungen einzugehen.
Das Ungarische Olympische Komitee hat die Stadt Budapest eingeladen, sich an diesem Konsultationsprozess zu beteiligen. Die derzeitige Stadtspitze hat jedoch bisher eine vorsichtige Haltung eingenommen und betont, dass ein breiter gesellschaftlicher Konsens erforderlich sei, bevor man vorankommt.
Budapest-Wien: zwei Hauptstädte, eine Olympiade?
Szabados skizzierte auch ein ehrgeizigeres Szenario: In den 2030er oder 2040er Jahren könnte eine gemeinsame Olympiabewerbung von Budapest und Wien zu einer realistischen Möglichkeit werden. Die guten Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Hauptstädten – insbesondere wenn die geplante Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindung realisiert wird – könnten eine solide logistische Grundlage für grenzüberschreitende Spiele bilden.
Auch Zsolt Gyulay hat diese Möglichkeit angedeutet. Tatsächlich hat der Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony bereits 2019 eine ähnliche Idee geäußert und eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Budapest, Wien und Bratislava vorgeschlagen.
Der internationale Wettbewerb wird jedoch immer härter. Polen hat kürzlich damit begonnen, eine mögliche Bewerbung Warschaus für die Olympischen Spiele 2040 vorzubereiten. Auch Indien zeigt starkes Interesse und das Internationale Olympische Komitee hat offen angedeutet, dass es die Ausrichtung der Spiele in Indien oder Afrika in Zukunft besonders begrüßen würde.
2036, 2040 oder 2044 – wann könnte der Moment für Budapest kommen?
Zwischen 2027 und 2029 wird das IOC voraussichtlich die Austragungsrechte für drei Olympische Sommerspiele auf einmal vergeben – die Spiele 2036, 2040 und 2044. Damit ergibt sich für Ungarn ein enges, aber realistisches Zeitfenster.
Damit Budapest zu einem ernsthaften Bewerber wird, sind jedoch drei wesentliche Voraussetzungen erforderlich: politisches Engagement, breite gesellschaftliche Unterstützung und ein umfassendes Programm zur Entwicklung der Infrastruktur – insbesondere im Bereich Verkehr.
Dennoch bleibt Szabados optimistisch. Wenn das IOC an seiner Nachhaltigkeitsagenda festhält, könnten kleinere Volkswirtschaften eine echte Chance auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele erhalten. In diesem Szenario könnte Budapest – entweder allein oder zusammen mit einer benachbarten Hauptstadt – sehr wohl eine Rolle spielen.
Quelle: Hang.hu; Infostart.hu
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