Ungarische Stadt steht vor Gesundheitsrisiko, nachdem asbesthaltiger Kies in österreichischen Steinbrüchen gefunden wurde

In Szombathely, Westungarn, wurde ein ernstes Risiko für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit festgestellt. Dort wurden möglicherweise fast 100.000 Tonnen asbestverseuchter Kies für den Straßenbau verwendet.
Auf einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung sagte der Bürgermeister der Stadt, Nemény András, dass mehrere österreichische Steinbrüche asbesthaltigen Kies mit offizieller Genehmigung freigegeben haben. Ihm zufolge gelangten große Mengen ohne jegliche Benachrichtigung nach Ungarn, und einer der Betreiber hat bereits die Verantwortung dafür übernommen.
Der Fall hat auch die Aufmerksamkeit von Greenpeace auf sich gezogen. Ihr österreichischer Zweig hat Strafanzeige gegen den Betreiber eines Steinbruchs in Pilgersdorf erstattet. Die Organisation behauptet, dass die Behörden seit Jahren von der Asbestverseuchung des Steinbruchs wussten. Dennoch wurde dort im Herbst 2025 eine Zivilschutzübung mit Hunderten von Teilnehmern ohne Schutzausrüstung abgehalten.
Greenpeace ist der Ansicht, dass die gleiche Quelle für das kontaminierte Material verantwortlich sein könnte, das an mehrere Orte in Westungarn gelangt ist.
In den letzten Jahren wurde der betroffene Kies an mehreren Stellen in Szombathely als Tragschicht auf unbefestigten Straßen verwendet. Unter solchen Bedingungen kann leicht Staub aufgewirbelt werden, wodurch Asbestfasern in die Luft gelangen können. Die Stadt hat zwar bereits vorübergehende Maßnahmen ergriffen, aber um die Situation zu lösen, ist wahrscheinlich ein Eingreifen der Regierung erforderlich.

Foto: Szombathely.hu Foto: Szombathely.hu
Asbest ist besonders gefährlich, weil seine mikroskopisch kleinen Fasern, einmal eingeatmet, in der Lunge verbleiben und noch Jahrzehnte später schwere Krankheiten verursachen können.
“Unter normalen Umständen würde dies ähnliche Maßnahmen wie bei der Rotschlammkatastrophe erfordern. Auch wenn es nicht so sichtbar ist – da es sich über die Luft verbreitet – könnten das Ausmaß des Schadens und die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit genauso schwerwiegend sein”, sagte der Bürgermeister.
Wohngebiete und Tausende von Menschen könnten betroffen sein
Die höchste Konzentration von Asbestfasern in der Luft wurde in der sogenannten Olad-Hochebene gemessen. Der Bürgermeister betonte jedoch, dass das Problem weit über diesen Ort hinausgeht: Etwa 12 Kilometer Straßen könnten betroffen sein, wodurch Tausende von Anwohnern, darunter auch Familien mit kleinen Kindern, gefährdet sein könnten.
Aufgrund der vorherrschenden Windverhältnisse können auch nahe gelegene Wohngebiete – und möglicherweise andere Teile der Stadt – gefährdet sein. An einigen Orten wurden Werte festgestellt, die bis zu hundertmal über dem zulässigen Grenzwert lagen.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch Privatpersonen das kontaminierte Material in den letzten Jahren gekauft und in Einfahrten und Gärten verwendet hatten. Viele Familien sind nun besorgt über mögliche gesundheitliche Folgen.
Wie Asbest schwere Krankheiten verursachen kann
Asbest besteht aus mikroskopisch kleinen, nadelförmigen Fasern, die leicht in die Luft gelangen und eingeatmet werden können. Wenn diese Fasern einmal in der Lunge sind, können sie nicht mehr abgebaut oder ausgestoßen werden. Im Laufe der Zeit können sie Entzündungen und schwere Krankheiten, einschließlich Asbestose, verursachen.
Einer der beunruhigendsten Aspekte ist die lange Latenzzeit: Symptome können erst 20 bis 50 Jahre nach der Exposition auftreten. Die derzeitigen Behandlungen können lediglich die Lebenserwartung verlängern, eine vollständige Heilung ist jedoch extrem selten.
Abdecken kontaminierter Straßen als praktikabelste Lösung
Nach Ansicht des Bürgermeisters ist die Beseitigung des kontaminierten Materials keine realistische Option. Der Aushub der betroffenen 12 Kilometer Straßen könnte bis zu einem Jahr dauern, erhebliche Mengen an gefährlichem Staub erzeugen und Milliarden Forint kosten.
Stattdessen erwägt die Stadt, die kontaminierten Flächen mit einem Schutzbelag zu versiegeln und die Straßen anschließend zu asphaltieren. Experten warnen jedoch, dass angemessene Eindämmungsmaßnahmen, einschließlich Einfassungen, erforderlich sind, um die Ausbreitung der Fasern zu verhindern.
Der Bürgermeister fügte hinzu, dass die Stadt bereits Hinweise darauf erhalten hat, dass die Regierung möglicherweise Mittel für die erforderlichen Maßnahmen zur Verfügung stellen wird.
In einer anderen Entwicklung, die den allgemeinen wirtschaftlichen Druck verdeutlicht, plant Electrolux, sein Kühlgerätewerk in Jászberény bis Ende 2026 zu schließen, wovon Hunderte von Mitarbeitern betroffen sind.
Das Titelbild dient der Veranschaulichung. Foto: depositphotos.com

