Ausstellung mit außergewöhnlichen Zeichnungen des ‘Erfinders’ des japanischen Manga in Budapest eröffnet – Fotos

Die Ausstellung nähert sich den Hokusai-Manga von Katsushika Hokusai (1760-1849), dem Meister des Ukiyo-e, aus der Perspektive der zeitgenössischen japanischen Manga (Comics).

Sie versucht nicht zu beweisen, dass Hokusai der “Erfinder” des Manga im modernen Sinne war, sondern untersucht vielmehr, wie sich das Konzept, die Verwendung und die Bedeutung von “Manga” in den letzten zweihundert Jahren entwickelt und verändert haben.

Obwohl es sich bei der Ausstellung um eine Wanderausstellung handelt, die in Form von Schautafeln organisiert ist, werden die Besucher mehr als nur Reproduktionen sehen: Das ausgestellte Material wird durch authentische Kunstwerke bereichert. Zu sehen sind unter anderem Original-Holzschnitte aus Utagawa Hiroshiges Serie Dreiundfünfzig Stationen des Tōkaidō (4 Stück) sowie original japanische Comics aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Originalzeichnungen und -drucke von 7 Mangaka.

Manga exhibition Budapest
Foto von: László Incze/ Museum für Völkerkunde

Der Hokusai Manga ist keine Serie von Erzählungen, sondern eine einzigartige visuelle Enzyklopädie. Auf seinen Seiten werden Szenen des täglichen Lebens, menschliche Gesten und Gesichtsausdrücke, Arbeitsprozesse, Tiere, Pflanzen, Naturphänomene, mythische Figuren und humorvolle Beobachtungen nebeneinander dargestellt. Der ursprüngliche Zweck der Zeichnungssammlung war es, Inspiration zu bieten und das Lernen zu fördern: Hokusais Schüler und Anhänger nutzten sie als Musterbuch, kopierten und bearbeiteten ihre Motive. In diesem Sinne kann der Hokusai-Manga auch als ein früher Vorläufer der heutigen “How to draw …”-Handbücher betrachtet werden.

Manga exhibition Budapest
Foto: Facebook/Néprajzi Múzeum

Eines der wichtigsten Merkmale der Ausstellung ist ihr ungewöhnlicher Ansatz. Anstatt auf eine historiografische Überprüfung der Einflüsse abzuzielen, lädt die Ausstellung den Betrachter dazu ein, seine eigenen Vorstellungen von Manga zu überdenken, indem er Werke aus verschiedenen Epochen vergleicht und dabei die darin enthaltene Vielfalt erkundet. Der Vergleich von Zeichnungen aus Hokusais Zeit mit Manga-Seiten aus dem zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert macht deutlich, dass Manga kein einheitlicher Stil oder eine geschlossene Tradition ist, sondern eine sich ständig weiterentwickelnde visuelle Praxis.

Ein separater Teil der Ausstellung ist dem Auftreten von Hokusai selbst im zeitgenössischen Manga gewidmet. Der Künstler erscheint als historische Figur, als fiktiver Charakter und als popkulturelle Ikone in Geschichten, die sich an unterschiedliche Altersgruppen und Genres richten. Die Ausstellung präsentiert auch Werke zeitgenössischer japanischer Manga-Künstler, die eigens für diesen Anlass geschaffen wurden und die Motive der Hokusai-Manga aus neuen Perspektiven neu interpretieren und so zeigen, dass dieses Erbe auch heute noch lebendig und inspirierend ist.

Manga exhibition Budapest
Foto: Facebook/Néprajzi Múzeum

Ein zentraler Gedanke der Ausstellung ist, dass Manga – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart – ein partizipatives Medium ist. Es basiert auf dem Kopieren, Teilen und Neuinterpretieren und ermutigt gleichzeitig zur aktiven Rezeption und Kreation. Die Bilder bilden nicht nur ab, sondern vermitteln Ideen und Erfahrungen und beziehen den Betrachter in den Prozess der Bedeutungsfindung ein.

Die Ausstellung Manga – Hokusai – Manga schlägt somit eine Brücke zwischen der japanischen Bildkultur des neunzehnten Jahrhunderts und der weltweit bekannten Welt der zeitgenössischen Manga. Sie bietet keine vorgefertigten Antworten, sondern stellt Fragen darüber, wie wir Bilder lesen, wie visuelle Formen vererbt und transformiert werden und was Manga heute als kulturelle Praxis bedeutet.

Manga exhibition Budapest
Foto: Facebook/Néprajzi Múzeum

Im Zusammenhang mit der Ausstellung findet am 9. Mai 2026 der Manga-Tag statt, an dem die Besucher einen ganzen Tag lang die Vielfalt der japanischen visuellen Kultur erkunden können: Neben von Kuratoren geleiteten Führungen, Vorträgen, Workshops und Familienprogrammen wird es an diesem Tag auch Musik- und Performance-Kunstveranstaltungen im Museum für Völkerkunde geben. Das Programm umfasst Bastelworkshops (Origami, Sashiko, Mizuhiki), Aktivitäten für Kinder, Vorträge über Manga und Popkultur sowie besondere Erlebnisse wie eine japanische Teezeremonie, ein Taiko-Trommelkonzert und eine Kampfkunstvorführung.

Die Ausstellung ist eine internationale Wanderausstellung von The Japan Foundation, die japanische Kunst und Kultur weltweit fördert. Sie wurde im Rahmen des Kunst- und Kulturaustauschprogramms der Organisation realisiert.

Mehr von unseren Artikeln über Japan:

Umstrittene Entscheidung des ungarischen Kinderschutzes, wer die Kinder der ermordeten japanischen Mutter Megumi aufziehen darf

NOBU Budapest: Der besondere Ort für Sashimi-Meisterschaft und japanische Kochkunst

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *