Die Fidesz-Fraktion hat nach dem Rücktritt ihres bisherigen Vorsitzenden einen neuen Vorsitzenden gewählt

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Die regierende ungarische Partei Fidesz hat János Bóka zum neuen Vorsitzenden ihrer Fraktion gewählt; er tritt die Nachfolge von Gergely Gulyás an, der Anfang dieses Monats zurückgetreten war.

Die Entscheidung fiel am Dienstag auf der Sitzung der Fraktion einstimmig auf Vorschlag des ehemaligen Ministerpräsidenten und Fidesz-Vorsitzenden Viktor Orbán, der sich zuvor mit der nationalen Parteiführung beraten hatte, bevor er Bóka vorschlug. Orbán bestätigte die Ernennung später in einem Facebook-Beitrag, während Bóka seine neue Funktion ebenfalls in den sozialen Medien bekanntgab.

Nachfolger von Gergely Gulyás

Fidesz sah sich gezwungen, einen neuen Fraktionsvorsitzenden zu ernennen, nachdem Gergely Gulyás am 13. Juli angekündigt hatte, von diesem Amt zurückzutreten. Er erklärte, sein Rücktritt stehe im Zusammenhang mit Änderungen des ungarischen Grundgesetzes, aufgrund derer er in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr als Abgeordneter wählbar sei.

Bis zu seiner Ernennung war Bóka als einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden tätig gewesen, was ihn zu einem der am häufigsten genannten Kandidaten für die Nachfolge von Gulyás machte. Ungarische Medien hatten bereits seit Wochen berichtet, dass Orbán ihn für diese Position favorisierte.

Obwohl der Fidesz-Abgeordnete János Pócs kurz vor der Sitzung am Dienstag andeutete, dass das Ergebnis noch nicht feststehe, war Bókas Ernennung weithin erwartet worden.

Politische Angriffe vor der Bekanntgabe

Die Aussicht, dass Bóka die Fraktionsführung übernehmen würde, war bereits zu einem Thema der politischen Debatte geworden. Ministerpräsident Péter Magyar kritisierte den designierten Fraktionsvorsitzenden wiederholt im Parlament und bezeichnete ihn am Dienstag bereits vor der offiziellen Bekanntgabe als den „künftigen Fraktionsvorsitzenden“.

In seiner Rede bezeichnete Ministerpräsident Magyar Bóka als „ehemaligen SZDSZ-Politiker, der zum Fidesz-Krisenmanager wurde“ und warf ihm vor, dazu beigetragen zu haben, dass Ungarn keine EU-Fördermittel erhalten habe. Magyar stellte Bóka zudem seinem Vorgänger gegenüber und erklärte, dass Gulyás im Vergleich zu Bókas „sinnloser Rede“ „ein regelrechter Wirbelsturm“ gewesen sei.

Von der Wissenschaft in die Regierung

Bóka schloss 2001 sein Jurastudium an der Universität Szeged ab und promovierte dort im Jahr 2013. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn war er von 2003 bis 2004 beim ungarischen Informationsamt tätig. Später arbeitete er bis 2009 als Assistent des ehemaligen SZDSZ-Mitglieds des Europäischen Parlaments, István Szent-Iványi, und kandidierte im selben Jahr als SZDSZ-Kandidat bei den Wahlen zum Europäischen Parlament.

Neben seiner politischen Laufbahn bekleidete Bóka verschiedene akademische Positionen, unter anderem als Lehrassistent, Dozent, außerordentlicher Professor und Vizedekan, und war gleichzeitig als leitender Berater in der Zivilkammer der ungarischen Curia, dem Obersten Gerichtshof des Landes, tätig.

Er trat 2018 als Staatssekretär im Justizministerium in die Regierung ein, bevor er 2021 ins Amt des Ministerpräsidenten wechselte. Im Jahr 2022 wurde er zum Ministerialbeauftragten ernannt und war von 2023 bis 2026 als ungarischer Minister für EU-Angelegenheiten tätig.

Während seiner Zeit als Zuständiger für EU-Angelegenheiten sah sich Bóka Kritik seitens der Opposition hinsichtlich des Zugangs Ungarns zu eingefrorenen EU-Mitteln ausgesetzt. Nach der diesjährigen Umbesetzung in der Parteiführung wurde er zudem einer der Vizepräsidenten der Fidesz.

Eine Schlüsselrolle im Vorfeld der nächsten Wahl

Als Fraktionsvorsitzender wird Bóka für die Koordinierung der legislativen Agenda von Fidesz sowie für die Leitung der Abgeordneten der Regierungspartei in der Nationalversammlung verantwortlich sein. Mit dieser Ernennung übernimmt er eine der einflussreichsten parlamentarischen Positionen der Partei, während Ungarn auf die nächsten Parlamentswahlen zusteuert.

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