Volánbusz-Skandal: Was wir darüber wissen, warum einer der reichsten Ungar festgenommen wurde

Ungarns lang andauernde Volánbusz-Ermittlungen haben eine wichtige neue Wendung genommen, nachdem die Behörden den milliardenschweren Geschäftsmann Dániel Jellinek und den ehemaligen staatlichen Vermögensverwalter Norbert Szivek zur Vernehmung vorladen ließen.
Die Zentrale Ermittlungsstaatsanwaltschaft (KNYF) teilte mit, dass Ermittler am Dienstag, dem 15. September, an mehreren Orten Durchsuchungen und Beschlagnahmungen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Bestechungsfall im Bereich Personenbeförderungsdienste und Busbeschaffung bei Volánbusz durchgeführt hätten, bei dem es um Beträge in Höhe von mehreren Milliarden HUF gehe. Vier Personen wurden als Verdächtige vernommen, drei wurden festgenommen. Im Mittelpunkt des Falls stehen Transaktionen aus den Jahren 2015 bis 2018, in denen angeblich mehr als 600 gebrauchte Busse zu überhöhten Preisen erworben wurden.
Vermuteter Schaden in Höhe von 10 Milliarden HUF
Nach Angaben des Nationalen Ermittlungsamtes (NNI) verursachten die mutmaßlichen Transaktionen einen finanziellen Schaden in Höhe von rund 10 Milliarden HUF (24,7 Millionen Euro) für die Volán-Unternehmen. Die Ermittler untersuchen zudem den Kauf des Firmensitzes eines Volán-Unternehmens in Kecskemét, der ihrer Ansicht nach überteuert war und einen finanziellen Schaden von mindestens 550 Millionen HUF (1,5 Millionen Euro) verursacht hat.
Die Behörden vermuten, dass Gelder aus den umstrittenen Transaktionen anschließend über Zwischenfirmen und angebliche Darlehensverträge weitergeleitet wurden. Das NNI erklärte, die Mittel seien möglicherweise für Immobilienprojekte, Bargeldabhebungen in Höhe von über 1 Milliarde HUF (2,74 Millionen Euro) sowie den Kauf eines hochwertigen Fahrzeugs verwendet worden.
Die Ermittlungen haben sich daher über die ursprünglichen Käufe von Volánbusz hinaus ausgeweitet. Die Ermittler versuchen, eine Transaktionskette zu rekonstruieren und festzustellen, wer bestimmte Geschäfte arrangiert, wer sie genehmigt und wer letztendlich davon profitiert hat. Frühere Verfahren befassten sich Berichten zufolge mit drei Hauptsträngen: einem Leasinggeschäft über 138 Busse, einem Wartungsvertrag im Zusammenhang mit 250 Bussen und der Immobilientransaktion in Kecskemét.
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Wer sind Jellinek und Szivek?
Dániel Jellinek, der Leiter der Indotek-Gruppe, ist Ungarns siebtreichster Unternehmer und verfügt über bedeutende Beteiligungen im Immobilienbereich. Er unterhielt zudem Geschäftsbeziehungen zu mehreren prominenten Persönlichkeiten der ungarischen Geschäftswelt. Ein mit Jellinek verbundenes Unternehmen, das in der Berichterstattung über den Fall erwähnt wurde, ist die Barwald Real Estate Ltd.
Laut Telex vermuten die Ermittler, dass das Unternehmen einen Kredit in Höhe von rund 1,25 Milliarden HUF (3,4 Millionen Euro) von einer Person erhalten hat, die mit den Ermittlungen gegen Volánbusz in Verbindung steht. Telex berichtete, dass das Geld anschließend verzinslich auf einem Treuhandkonto hinterlegt wurde, obwohl dies erst geschah, nachdem die polizeilichen Durchsuchungen und Vernehmungen bereits begonnen hatten.
Norbert Szivek ist ebenfalls eine wichtige Figur im Fall Volánbusz. Er war der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Ungarischen Nationalen Vermögensverwaltungsgesellschaft (MNV), die während des Untersuchungszeitraums die Eigentumsrechte an den Volán-Unternehmen ausübte. Seine mutmaßliche Rolle wird daher im Zusammenhang mit Entscheidungen innerhalb der staatlichen Vermögensverwaltungsstruktur untersucht.
Könnten die Ermittlungen noch weiter reichen?
Die Ermittlungen im Volánbusz-Skandal haben zudem Berichte über weitere prominente Persönlichkeiten ausgelöst, die geschäftliche oder institutionelle Verbindungen zu Personen hatten, die in diesem Fall bereits genannt wurden. HVG.hu berichtete, die Ermittlungen könnten möglicherweise auch Persönlichkeiten wie den Geschäftsmann István Tiborcz, den Schwiegersohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, sowie den ehemaligen Entwicklungsminister Miklós Seszták betreffen.
Tiborcz unterhielt geschäftliche Beziehungen sowohl zu Jellinek als auch zu Szivek, während Seszták während eines Teils des untersuchten Zeitraums als Minister für das Ministerium zuständig war, das die zuständige staatliche Vermögensverwaltungsstruktur beaufsichtigte.
Diese Berichte bedeuten nicht, dass gegen einen der beiden Männer im Fall „Volánbusz“ Anklage erhoben wurde. Ihre Namen tauchten im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das umfassendere Netzwerk rund um die Ermittlungen auf. HVG berichtete zudem, dass die Ermittler daran interessiert sind, ob die befragten Personen Informationen über weitere mögliche Beteiligte liefern werden.
Was könnte als Nächstes folgen?
Der Volánbusz-Bestechungsfall wird bereits seit Jahren untersucht, daher stellt diese Operation einen großen Schritt dar. Die Indotek-Gruppe von Jellinek hat die Vorwürfe gegen ihren Geschäftsführer zurückgewiesen und erklärt, er habe keine Straftat begangen und kooperiere uneingeschränkt mit den Behörden. Das Unternehmen erklärte, Jellinek sei am 10. September freiwillig einer Vorladung der NNI nachgekommen und stehe den Ermittlern weiterhin zur Verfügung.
Die Behörden stehen nun vor der Aufgabe zu klären, ob die komplexe Abfolge von Buskäufen, Immobilientransaktionen, Darlehen und anderen Finanztransaktionen ein strafbares Verhalten darstellt und, falls ja, wer dafür zur Verantwortung gezogen werden kann.
Es ist wichtig zu beachten, dass eine Vernehmung als Verdächtiger oder eine Festnahme nicht bedeutet, dass eine Person verurteilt wurde oder dass sich die Vorwürfe als bewiesen erwiesen haben. Die Ermittlungen dauern an, und die genauen Rollen der Beteiligten – sowie die Frage, ob weitere Personen zu Verdächtigen werden – müssen noch geklärt werden.
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