Demontiert Premierminister Orbán Bosnien-Herzegowina? Eröffnung eines Büros der ungarischen Elitetruppen sorgt für Angst und Empörung

Das ungarische Zentrum für Terrorismusbekämpfung (TEK) hat Ende Januar ein Büro in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska, eröffnet. Die Einrichtung wurde vom bosnisch-serbischen Innenminister und dem Direktor des TEK feierlich eingeweiht. Dieser Schritt könnte jedoch verfassungswidrig sein – eine Tatsache, der sich die Beamten in Budapest zweifellos bewusst sind. Orbán ist seit langem ein überzeugter Anhänger von Milorad Dodik, dem ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten, der sich seit Jahren für die Sezession einsetzt. Gibt es da eine Verbindung?

Dodiks großer Plan: alle Serben zu vereinen

Dodiks Plan ist einfach: die serbische Entität aus Bosnien-Herzegowina herauslösen und sich dann seinem Verbündeten, dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić, anschließen, indem er sich mit Serbien zusammenschließt. Ungarn scheint in diesem Komplott ein gutes Händchen zu haben, auch wenn die viel gepriesene serbisch-ungarische Freundschaft mit der brutalen Dezimierung der ungarischen Minderheit in der Vojvodina (Serbiens Region Délvidék) zusammenfällt.

Bosnien-Herzegowina ist nach wie vor ein einzigartiges und zerbrechliches Gebilde auf der europäischen Landkarte, das gerade deshalb so gut funktioniert, weil es nach dem verheerenden jugoslawischen Bürgerkrieg in Dayton geschmiedet wurde. Der Schlüssel dazu ist, dass jeder Teil – die serbische Republik und die bosniakisch-kroatische Föderation sowie der Distrikt Brčko – sein eigenes Parlament und seine eigene Präsidentschaft hat, ebenso wie das Land als Ganzes. Über allem wacht der Hohe Repräsentant der Vereinten Nationen, der über nahezu absolute Macht verfügt. Diese Rolle wird derzeit von Christian Schmidt ausgefüllt, einem weniger bekannten deutschen CSU-Politiker. Er übt diese Autorität nur dann aus, wenn die Ordnung nach 1995 bedroht ist – zum Beispiel, wenn seine Anordnungen absichtlich ignoriert werden, wie es Dodik tat, als er Präsident der serbischen Entität war.

Bosnien-Herzegowina: der fragile Staat

Von Anfang an hat Dodik für mehr Autonomie gekämpft und Gesetze durchgesetzt, die der Hohe Repräsentant dann blockierte und deren Aufhebung anordnete. Dodik weigerte sich, dem nachzukommen, und verlor schließlich in dem darauf folgenden Rechtsstreit die Macht.

Sein Geist ist jedoch in den bosnisch-serbischen Gebieten ungebrochen. Er bleibt Vorsitzender der Regierungspartei und führt in dieser Funktion regelmäßig Gespräche mit Orbán oder dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu.

Gerüchten zufolge tauchten TEK-Agenten erstmals im Februar letzten Jahres in Banja Luka auf, um Dodik, der damals auf ein Gerichtsurteil wartete, herauszuholen. Dazu kam es zwar nicht, aber die Episode hat das Vertrauen erschüttert: Die EUFOR-Friedenstruppen signalisierten, dass sie keine ungarischen Truppen wollten, da Budapest auf der Seite der einen Seite steht.

TEK-Büro in Banja Luka

Die TEK hat nun die bosnische Öffentlichkeit verblüfft, indem sie Ende Januar ihr Büro in Banja Luka eröffnet hat. Offiziell soll es der Terrorismusbekämpfung dienen. In Wirklichkeit verstößt die Stationierung von Polizeikräften eines ausländischen Staates in der serbischen Entität – ohne deren Zustimmung – gegen die Verfassung.

Orbán bei einer Übung 2016 mit Vertretern der TEK:

Kemal Ademović, der Vorsitzende des bosnisch-herzegowinischen Oberhauses, hält dies für verfassungswidrig und fordert eine Klärung. Der Schritt schafft einen Präzedenzfall, da die TEK anderswo keine solchen Büros hat, berichtet Telex.

Bosnia new TEK office
Die Eröffnungszeremonie. Foto: FB/Ministarstvo unutrаšnjih poslova Republike Srpske (MUP RS)

Sind die ungarischen Antiterroristen bei der Wiederholung der Wahlen dabei?

Der Zeitpunkt könnte mit der Wiederholung der Präsidentschaftswahlen am 8. Februar in mehreren Gemeinden zusammenhängen. Siniša Karan, ein Verbündeter von Dodik, hatte bei den Wahlen knapp mit 3 Prozent gewonnen. Er konnte sich erneut durchsetzen, dieses Mal mit 2,5 Prozent. Der Sieg ist flüchtig: Im Oktober stehen allgemeine Wahlen an.

Die Beziehungen zwischen Budapest und der Zentralregierung von Sarajevo sind bereits jetzt miserabel: Weder Außenminister Péter Szijjártó noch sein Stellvertreter Levente Magyar durften dort Militärflugzeuge landen.

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