Der geheime Plan des Kabinetts Orbán zur Reform des Gesundheitswesens

Jahrelang versuchten Journalisten und Experten, den Plan zu erhalten, während die Regierung das Dokument bis 2030 geheim hielt. Jetzt aber sind Details aus einem mehrere hundert Seiten umfassenden Plan zur Gesundheitsreform aufgetaucht, der radikale Änderungen vorschlägt und das ungarische Gesundheitssystem grundlegend umgestaltet haben könnte.

Radikaler Vorschlag: weniger Krankenhäuser, völlig neue Struktur

Eine im Jahr 2020 im Auftrag des ungarischen Innenministeriums erstellte Studie skizzierte eine umfassende Reform des ungarischen Gesundheitssystems. Das Dokument wurde von einer internationalen Beratungsfirma im Rahmen eines Auftrags im Wert von mehreren hundert Millionen Forint erstellt.

Eines der auffälligsten Elemente des Vorschlags war eine umfassende Umstrukturierung der Gesundheitseinrichtungen. Den Berechnungen zufolge würde die Zahl der 2019 betriebenen Krankenhäuser – insgesamt 108 – bis 2035 auf etwa 70 reduziert werden.

Die Zahl der ambulanten Pflegeeinrichtungen wäre sogar noch dramatischer zurückgegangen, nämlich von mehr als 500 auf knapp 200.

Das Ziel, so der Plan, war nicht einfach die Schließung, sondern die Konzentration der Gesundheitsdienste. Die Logik war einfach: weniger Einrichtungen, aber solche, die besser ausgestattet sind und mit einem höheren professionellen Standard arbeiten.

Ein neuer Patientenpfad: Polikliniken im Zentrum des Systems

Ein Schlüsselelement der Reform wäre ein zweistufiges ambulantes Versorgungsmodell gewesen. Die erste Ebene hätte aus so genannten Polikliniken bestanden, die für die Behandlung der häufigsten Krankheiten konzipiert und innerhalb einer 15-30-minütigen Fahrt erreichbar sind.

Die zweite Ebene wären größere, komplexere ambulante Zentren gewesen, die diagnostische Leistungen und ein breiteres Spektrum an Behandlungen anbieten. Diese Einrichtungen wären für den größten Teil der Bevölkerung innerhalb von etwa einer Stunde zu erreichen gewesen.

Auch das Krankenhaussystem wäre neu organisiert worden: In jedem Bezirk hätte es ein regionales Krankenhaus gegeben, das durch kleinere lokale Krankenhäuser ergänzt worden wäre, die die umliegenden Gebiete versorgen.

Keine Schließungen, sondern Umstrukturierungen?

Laut HVG wären die Krankenhäuser, die in ihrer bisherigen Form nicht mehr betrieben werden, nicht unbedingt ganz verschwunden. Viele Einrichtungen wären in Zentren für chronische Erkrankungen, Rehabilitationseinrichtungen oder soziale Einrichtungen umgewandelt worden.

Geplant war die Schaffung von Pflegeheimen für ältere Menschen, Tageszentren für Demenzkranke und andere spezialisierte soziale Pflegedienste. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Betten in den Akutkrankenhäusern nicht von Patienten belegt wurden, die in erster Linie Langzeitpflege benötigten.

Gleichzeitig hätte die Reform die häuslichen Pflegedienste und die gemeindenahe Gesundheitsversorgung gestärkt.

Hausärzte, Telemedizin und höhere Gehälter

Der Vorschlag hätte auch die Primärversorgung deutlich gestärkt. Laut der ungarischen Nachrichtenagentur HVG wurde eine deutliche Erhöhung der Einkommen der Allgemeinmediziner empfohlen – möglicherweise um 30 bis 40 Prozent – um den Beruf attraktiver zu machen und den Ärztemangel zu verringern.

Um den Zugang zur Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern, schlug der Plan vor, den Einsatz der Telemedizin auszuweiten. Dies hätte es den Patienten ermöglicht, bestimmte Untersuchungen oder Konsultationen online durchzuführen.

Die Rolle des Netzes der Gesundheitsbesucher – ein besonderer Teil des ungarischen Gesundheitssystems, der sich auf die Gesundheit von Müttern und Kindern konzentriert – wäre ebenfalls neu organisiert worden, mit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Gesundheitsbesuchern.

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Illustration. Foto: Daily News Hungary

Warum wurde es geheim gehalten?

Experten sagen, dass viele Elemente der Gesundheitsreform fachlich gut begründet waren, auch wenn einige Vorschläge umstritten blieben. Allerdings wären die vorgeschlagenen Änderungen wahrscheinlich mit erheblichen politischen Risiken verbunden gewesen, insbesondere wegen der geplanten Reduzierung der Zahl der Krankenhäuser.

Das Dokument wurde letztlich nie öffentlich diskutiert und die Regierung hat die Gesundheitsreform nicht vollständig umgesetzt.

Nach Ansicht der Autoren der Studie hätten diese Änderungen jedoch langfristig die Zahl der vermeidbaren Todesfälle verringern und den Gesundheitszustand der ungarischen Bevölkerung insgesamt verbessern können.

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