Eine neue Studie könnte beweisen, dass der Homo erectus sprechen konnte

Nach Ansicht von Forschern war eine menschliche Spezies, die vor etwa zwei Millionen Jahren lebte, möglicherweise zur Sprache fähig. Während der Sprachgebrauch der Neandertaler gut dokumentiert ist, wirft die Möglichkeit, dass der Homo erectus sprechen konnte, ein neues Licht auf die Ursprünge der menschlichen Kommunikation und darauf, wie sich die Sprache bei den frühen menschlichen Arten entwickelt haben könnte.
Die Sprache ist eine der bedeutendsten Errungenschaften der menschlichen Evolution. Sie dient als primäres Mittel zur Übermittlung von Informationen und bildet eine wesentliche Grundlage für soziale Zusammenarbeit und Kultur. Obwohl sich die meisten Forscher darin einig sind, dass die Kommunikation der Neandertaler auf einer Art primitiver Sprache beruhte, galten die diesbezüglichen Fähigkeiten früherer menschlicher Spezies, wie z.B. des Homo erectus, lange Zeit als weitaus unsicherer.
Wie IFL Science jedoch feststellt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Homo erectus sprechen konnte, viel höher als bisher angenommen. Dies könnte neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Sprache und der menschlichen Kultur liefern.
Der Homo erectus, der vor etwa zwei Millionen Jahren auftrat, war eine äußerst anpassungsfähige Spezies, die den Forschern zufolge alle anatomischen und genetischen Merkmale besaß, die für die Sprache notwendig gewesen sein könnten. Die Studie hebt hervor, dass der Homo erectus der erste menschliche Vorfahre war, der eine signifikante Gehirnerweiterung erfuhr, wobei Schlüsselregionen – wie der Frontal- und der Parietallappen – morphologisch denen des modernen Menschen ähneln.
Mögliche Beweise für die Sprachfähigkeit des Homo erectus
Obwohl anatomische Merkmale allein die Fähigkeit zu sprechen nicht beweisen können, vermuten Forscher, dass die kognitiven Fähigkeiten des Homo erectus für den Sprachgebrauch ausreichend gewesen sein könnten.
Früher hatte man Bedenken geäußert, dass die engen Wirbelsäulenkanäle der frühen Menschen die für das Sprechen erforderliche fortgeschrittene Atemkontrolle verhindert haben könnten. Einige Exemplare des Homo erectus weisen jedoch eine Rückenmarkgröße auf, die mit der des Homo sapiens vergleichbar ist, was eine komplexe Atemkontrolle ermöglicht haben könnte.
Auch die Struktur des Innenohrs könnte zur Sprache beigetragen haben: Einige Populationen des Homo erectus hatten möglicherweise ein Gehör, das für die Wahrnehmung gesprochener Laute optimiert war.
Die genetische Forschung liefert weitere Anhaltspunkte für die Möglichkeit, dass Homo erectus sprechen konnte. Mehrere Mutationen, die mit der Entwicklung des Gehirns und der Sprache zusammenhängen, lassen sich bis in die Zeit des Homo erectus zurückverfolgen. Das FOXP2-Gen zum Beispiel wird mit der Entwicklung der stimmlichen Kommunikation in Verbindung gebracht und spielt auch eine Rolle bei der zweibeinigen Fortbewegung. Da der Homo erectus aufrecht gehen konnte, ist es plausibel, dass er die für die Sprache notwendigen genetischen Merkmale in sich trug.
Archäologische Beweise sprechen ebenfalls für die mögliche Existenz von Sprache. Der Homo erectus war in der Lage, Werkzeuge herzustellen und zu benutzen, die abstraktes Denken und symbolische Kommunikation erforderten, was die Hypothese untermauert, dass er möglicherweise über Sprachfähigkeiten verfügte.

Sprache und soziale Interaktion
Das Sozial- und Fortpflanzungsverhalten des Homo erectus könnte auch auf sprachliche Fähigkeiten hindeuten. Genomische Daten deuten darauf hin, dass sie komplexe soziale Interaktionen mit anderen zeitgleichen menschlichen Spezies pflegten, die wahrscheinlich den Gebrauch von Sprache erforderten.
Obwohl es derzeit keinen Konsens darüber gibt, welche menschliche Spezies zuerst gesprochen hat, deuten die Beweise – genetische, anatomische und archäologische – darauf hin, dass Homo erectus sprechen konnte – oder zumindest bereits zu einer Form von Sprache fähig gewesen sein könnte. Wenn die Sprache des Neandertalers nachgewiesen werden kann, ist es logisch anzunehmen, dass der Homo erectus angesichts seiner kognitiven und anatomischen Fähigkeiten ebenfalls kommunikative Fähigkeiten besaß.
Die Forscher argumentieren, dass die Frage der Sprachfähigkeit des Homo erectus zwar weiterhin umstritten ist, dass aber die vorliegenden Beweise eindeutig darauf hindeuten, dass die Evolution der menschlichen Sprache viel früher begonnen haben könnte als bisher angenommen, und dass der Homo erectus in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte.

