Freudscher Versprecher? Premierminister Orbán behauptete fälschlicherweise, die EU habe 26 statt 27 Mitglieder

Ein kleiner verbaler Ausrutscher von Premierminister Viktor Orbán hat die Debatte über die zunehmend angespannte Beziehung Ungarns zur Europäischen Union neu entfacht. Während seines regelmäßigen Freitagmorgen-Interviews im Kossuth-Radio sprach Orbán von “26 EU-Mitgliedstaaten”, als es um die gemeinsame finanzielle Unterstützung für die Ukraine ging, obwohl der Block 27 Mitglieder hat.
Hat Viktor Orbán zu weit vorausgeplant?
Wie Népszava schreibt, kam die Bemerkung, als er die Entscheidung der EU kritisierte, Mittel für die Ukraine durch ein kollektives Darlehen in Höhe von rund 90 Milliarden Euro aufzubringen. Laut Orbán fehlt es der Union derzeit an Haushaltskapazitäten, um direkte Unterstützung zu leisten, so dass sich die meisten Mitgliedstaaten stattdessen an die Finanzmärkte wenden müssen. In seinen Ausführungen deutete er an, dass 23 der 26 teilnehmenden Länder die Kreditaufnahme übernehmen würden, wobei er wieder einmal eine falsche Gesamtzahl von EU-Mitgliedern nannte.
Die Finanzierungsentscheidung selbst war umstritten. Auf dem Gipfeltreffen des Europäischen Rates am 17. und 18. Dezember stritten die Staats- und Regierungschefs darüber, wie die weitere Unterstützung der Ukraine bei der Verteidigung gegen die russische Aggression finanziert werden soll. Letztendlich sprachen sich 24 EU-Länder für die gemeinsame Kreditaufnahme aus, während Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik sich dagegen aussprachen.
War das ein Versehen oder hat er es ernst gemeint?
Beobachter bemerkten, dass Orbáns wiederholte Verwendung der Zahl 26 möglicherweise nicht zufällig war. Ungarn hat oft alleine gemeinsame EU-Erklärungen blockiert oder verzögert, insbesondere in Bezug auf die Ukraine, was dazu führt, dass nur 26 Staats- und Regierungschefs gemeinsame Schlussfolgerungen unterzeichnen. Kritiker argumentieren, dass diese wiederkehrende Isolation die Rhetorik des Premierministers prägen könnte.
Das Radiointerview war nicht das einzige aktuelle Beispiel für numerische Verwirrung. Orbán, der sich nach fast 4 Jahren Krieg in unserem Nachbarland nicht sicher ist, wer wen angegriffen hat, hat in den letzten Wochen mehrere öffentlichkeitswirksame Ausrutscher begangen, darunter falsche Angaben zu Mindestlohnerhöhungen und eine falsche Berechnung der Anzahl der verbleibenden Tage bis zu einer Wahl. Aber war es wirklich ein Fehler? Der ehemalige ungarische Premierminister Gordon Bajnai ist der Meinung, dass Orbáns Plan ein möglicher Austritt aus der Europäischen Union sein könnte, auch wenn dies derzeit unmöglich ist.
Auch wenn solche Fehler trivial erscheinen mögen, warnen Analysten, dass die politischen Auswirkungen es nicht sind. Trotz jahrelanger regierungsgeführter Kritik an “Brüssel” ist die öffentliche Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft in Ungarn nach wie vor groß. Jede ernsthafte Andeutung eines Austritts könnte sich für die Fidesz als wahlentscheidend erweisen und möglicherweise wirtschaftliche Unsicherheit, verstärkte Auswanderung und weitere Marginalisierung innerhalb Europas auslösen.

