Krieg in der Ukraine: Wie lange kann Russland seine Abhängigkeit von China tolerieren?

Der wirtschaftliche Handlungsspielraum Russlands schrumpft weiter, da das Land immer stärker vom Export von Energieressourcen und Metallen abhängig wird – Rohstoffe, die heute vor allem an China verkauft werden.
China ist offenbar kein so guter Partner, wie sie dachten
Nach einer aktuellen Einschätzung des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes macht diese wachsende Abhängigkeit Moskau immer anfälliger für Verschiebungen in der chinesischen Marktnachfrage.
In dem Bericht, der auf der offiziellen Website der Agentur veröffentlicht wurde, heißt es, dass der bilaterale Handel zwischen Russland und China in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 deutlich zurückgegangen ist. Das gesamte Handelsvolumen sank auf 163,6 Milliarden USD, was einem Rückgang von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Der Rückgang betraf beide Richtungen des Handels: Die chinesischen Exporte nach Russland fielen um 11,3 Prozent auf 73,6 Mrd. USD, während die russischen Lieferungen nach China um 7,7 Prozent auf 90 Mrd. USD zurückgingen.
Niemand will mehr russische Energie kaufen
Die Hauptursache für diesen Abschwung war der starke Rückgang der weltweiten Energiepreise. Der Wert der russischen Energieexporte brach um fast 19 Prozent ein – ein Verlust von rund 14 Milliarden USD zwischen Januar und September.
Da der Staatshaushalt des Kremls nach wie vor stark von den Einnahmen aus Öl und Gas abhängt, lässt ein solcher Rückgang wenig Spielraum, um ihn durch andere Sektoren auszugleichen.
Ein weiterer Faktor war der abrupte Einbruch der Nachfrage nach Autos aus chinesischer Produktion auf dem russischen Markt. Nach Rekordimporten im Jahr 2024 sind die Verkäufe in diesem Jahr um 56 Prozent eingebrochen, was sowohl die Übersättigung des Marktes als auch die schwindende Kaufkraft der russischen Verbraucher unterstreicht.
Es gibt auch noch andere Schwierigkeiten
Logistische Schwierigkeiten haben die Situation weiter verkompliziert. In den Herbstmonaten haben sich entlang der chinesisch-kasachischen Grenze erhebliche Staus gebildet, die den Warenverkehr verlangsamen.
Auch die Transportkosten sind in die Höhe geschnellt: Die Bahnfracht wurde um 25 Prozent teurer, und die Kosten für den Straßentransport stiegen um 35 Prozent. Mehrere Schifffahrtsunternehmen – darunter die chinesische CStar Line und STF Shipping – haben ihre Routen zu russischen Häfen aufgrund finanzieller Beschränkungen ebenfalls reduziert, wodurch die Lieferwege noch enger wurden.
Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes ist Moskau durch diese Kombination von wirtschaftlichem Druck nur noch durch eine “Nabelschnur” mit China verbunden. Mit einer so starken Exportabhängigkeit von Peking ist Moskau zunehmend den Nachfrageschwankungen in China ausgesetzt – eine Anfälligkeit, die Moskaus langfristige wirtschaftliche Abhängigkeit von seinem mächtigen Nachbarn noch verstärken könnte.

