Künstliche Intelligenz wird in Ungarn zum Schulfach, aber alle sind besorgt

Ab der zweiten Hälfte des Schuljahres wird künstliche Intelligenz (KI) ein eigenständiges Fach für alle Schüler der neunten Klasse in Ungarns Berufsschulen.

Künstliche Intelligenz in den Schulen? Ab Februar?

Der Schritt ist ein großer Sprung in der langfristigen digitalen Bildungsstrategie der Regierung, aber er hat auch Kritik von Lehrergewerkschaften und Bildungsexperten ausgelöst, die davor warnen, dass Schulen und Pädagogen auf einen so schnellen Übergang nicht vorbereitet sein könnten.

Der Einsatz von KI in der Bildung ist nicht neu. Viele ungarische Lehrer berichten bereits, dass sich Schüler bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben oder beim Schreiben von Aufsätzen auf Tools wie ChatGPT verlassen. Infolgedessen geraten die traditionellen Bewertungsmethoden zunehmend unter Druck und zwingen die Pädagogen dazu, darüber nachzudenken, wie die Leistung der Schüler im Zeitalter der generativen KI fair gemessen werden kann.

Die Einführung von künstlicher Intelligenz als institutionalisiertes Fach wirft einige wichtige Fragen auf: Wie wird sich die formale KI-Ausbildung auf die Einstellung von Schülern und Lehrern gegenüber diesen Werkzeugen auswirken und wie bereit ist das ungarische Schulsystem für eine so große Veränderung?

Eine landesweite Einführung bis Ende 2026

IT Class ai artificial intelligence hungary hungarian schools
Illustration. Abgebildetes Bild: depositphotos.com

Wie Telex berichtete, gehen die Pläne der Regierung weit über die berufliche Bildung hinaus. Im Oktober letzten Jahres kündigte der Regierungsbeauftragte für künstliche Intelligenz, László Palkovics, an, dass die KI-Ausbildung ab Februar 2026 Teil des nationalen Standardlehrplans werden soll.

Anstatt neue Lehrmaterialien zu entwickeln, ist die Regierung eine Partnerschaft mit Logiscool eingegangen, einem ungarischen Bildungsunternehmen, das bereits KI-bezogene Kurse im In- und Ausland anbietet. Die Vereinbarung umfasst den Zugang zu Lehrplattformen und Lehrerausbildungsprogrammen.

Im letzten Herbst wurde ein Pilotprojekt an 60 ungarischen und drei ausländischen Berufsschulen gestartet, an dem etwa 1.700 Schüler und 100 speziell ausgebildete Lehrer teilnahmen. Das zehnstündige Fach mit dem Titel Grundlagen der künstlichen Intelligenz wurde über das ungarische digitale Bildungssystem KRÉTA in die beruflichen Programme der Schulen integriert. Nach Angaben des Energieministeriums wird der Kurs ab dem zweiten Semester landesweit allen Berufsschülern der neunten Klasse zur Verfügung stehen.

Ein im November veröffentlichter Regierungserlass bestätigt, dass dies erst der Anfang ist: Alle anderen ungarischen Schulen müssen bis zum 31. Dezember 2026 KI-Unterricht einführen. Das erklärte Ziel ist es, den Schülern zu helfen, zu verstehen, wie künstliche Intelligenz funktioniert, ihre Risiken zu erkennen und sie als Werkzeug zum Lernen und zur eigenständigen Problemlösung zu nutzen. Die Regierung argumentiert auch, dass KI-Bildung für die Entwicklung von Fähigkeiten zum kritischen Denken und zum Erkennen von manipulierten oder irreführenden Informationen unerlässlich ist.

Lehrer müssen noch Fuß fassen

Trotz dieser Ambitionen fühlen sich viele Pädagogen unsicher. Laut Balázs Koren, dem fachlichen Leiter des ProSuli-Programms und Teilnehmer des Pilotprojekts, hat KI bereits jetzt einen größeren Einfluss auf das Bildungswesen als jede andere technologische Innovation zuvor, einschließlich Laptops oder interaktiver Whiteboards.

Allerdings experimentieren die meisten Lehrer noch immer nur vorsichtig. Viele nutzen KI-Tools in erster Linie für die Unterrichtsplanung, die Erstellung von Tests oder die Ausarbeitung von Arbeitsblättern und nicht direkt im Klassenzimmer. Während einige wenige Pädagogen künstliche Intelligenz bereits umfassend in den Unterricht integrieren, befindet sich die Mehrheit noch in der Phase des “Kennenlernens”.

Die Erfahrung von ProSuli zeigt, dass die Schulung oft bei den Grundlagen beginnen muss. Einige Lehrer haben ChatGPT zwar geöffnet, wissen aber noch nicht, wie es ihre Arbeit sinnvoll unterstützen oder den Schülern nützen könnte. Laut Koren brauchen Pädagogen dringend praktische Anleitungen für den täglichen Einsatz im Unterricht, von der Gestaltung von Hausaufgaben bis zum Überdenken von Bewertungen in einer Welt, in der KI sofort Antworten generieren kann.

Bewertung im Zeitalter der KI

Eine der größten Herausforderungen ist die Bewertung. Online-Tests, insbesondere Multiple-Choice-Tests, werden zunehmend als ineffektiv angesehen, da KI-gesteuerte Browser sie problemlos ausfüllen können. Im Moment sehen sich viele Lehrer gezwungen, zu papierbasierten Bewertungen zurückzukehren, trotz des allgemeinen Trends zur Digitalisierung.

Gleichzeitig gewinnen innovative Lehrmethoden an Aufmerksamkeit. Das Modell des “umgedrehten Klassenzimmers”, bei dem die Schüler neuen Stoff zu Hause lernen und im Unterricht üben, wird von einigen Experten als vielversprechender Weg in die Zukunft angesehen. Bei diesem Ansatz wird die künstliche Intelligenz nicht verboten, sondern aktiv in das Lernen einbezogen, während die Lehrer im Unterricht beobachten können, wie effektiv die Schüler sie eingesetzt haben.

Internationale Beispiele zeigen, dass Ungarn mit diesem Dilemma nicht allein dasteht. In Ländern wie den Vereinigten Staaten ist die Nutzung intelligenter Geräte weitaus stärker in den täglichen Unterricht integriert, und die weit verbreiteten Englischkenntnisse verschaffen sowohl Lehrern als auch Schülern einen Vorteil bei der Arbeit mit KI-Tools, die immer noch am besten auf Englisch funktionieren.

Falls Sie es verpasst haben:

Gewerkschaftliche Bedenken und unbeantwortete Fragen

Die Lehrergewerkschaft (Pedagógusok Szakszervezete, PSZ) hat den Zeitpunkt und die Umsetzung der Reformen offen kritisiert. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Tamás Totyik, bezeichnete es als “unseriös”, neue Fächer mitten im Schuljahr einzuführen, insbesondere ohne eine umfassende Lehrerfortbildung. Nach Ansicht der Gewerkschaft wurden keine klaren Informationen über die Ergebnisse des Pilotprogramms weitergegeben, und die derzeitigen Fristen werden als nicht realistisch angesehen.

Die PSZ argumentiert, dass Pädagogen eine strukturierte Ausbildung benötigen, die grundlegende KI-Kenntnisse und Ethik, fachspezifische Anwendungen und Bewertungsmethoden umfasst. Die Gewerkschaft befürwortet nicht die Einführung von künstlicher Intelligenz als eigenständiges Fach oder die Erhöhung des ohnehin schon vollen Stundenplans der Schüler. Stattdessen schlägt sie vor, die KI-Ausbildung schrittweise in bestehende Fächer zu integrieren und sie in einen zukünftigen überarbeiteten nationalen Kernlehrplan einzubetten.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *