Der ungarische Oppositionsführer Péter Magyar fordert nach den Versäumnissen der Regierung im Bereich des Kinderschutzes Rechenschaft

Tausende versammelten sich am Nachmittag im Zentrum Budapests, als ein von der Opposition geführter Marsch vom Deák-Platz zum Sándor-Palast zog, wo der Vorsitzende der Tisza-Partei, Péter Magyar, eine kraftvolle Rede hielt, in der er die Versäumnisse des ungarischen Kinderschutzsystems ansprach.
In seiner Rede, die er nach 18 Uhr hielt, bezeichnete Magyar die Demonstration nicht als politische Kundgebung, sondern als moralischen Einsatz für missbrauchte und vernachlässigte Kinder, die in staatlicher Obhut leben.
Protest gegen die Misshandlung von Kindern
In seiner Ansprache dankte Péter Magyar denjenigen, die aus Solidarität mit gefährdeten Kindern gekommen waren, darunter auch Erwachsene, die selbst im Kinderschutzsystem aufgewachsen sind. Er betonte, dass es bei der Veranstaltung nicht um Parteipolitik oder Wahlkampf ging, sondern um die Konfrontation mit der Realität tausender Kinder, die dem ungarischen Staat anvertraut sind.
Magyar sprach in einem persönlichen Ton und stellte sich nicht als Politiker, sondern als 44-jähriger Vater von drei Kindern und ehemaliger Anhänger der Regierungspartei Fidesz vor. Er sagte, dass er die Machthaber gut kenne und ihr Schweigen über die jüngsten Enthüllungen besonders schmerzhaft sei. Laut Magyar hat es die Regierung versäumt, angemessen auf Berichte über weit verbreiteten Missbrauch in staatlichen Einrichtungen zu reagieren, schreibt 24.hu.
Oppositionsführer sagt, die Regierung lasse diese Dinge geschehen
Er beschuldigte Ungarns Führung, es zuzulassen, dass Kinder an Orten, die ihre Sicherheit garantieren sollten, geschlagen, gedemütigt, sexuell missbraucht, eingeschüchtert, weggesperrt und sogar ausgehungert werden. Unter Berufung auf bisher unveröffentlichte offizielle Dokumente stellte Péter Magyar die Frage, warum solche Taten offen, manchmal sogar vor Überwachungskameras, und ohne nennenswerte Konsequenzen geschehen durften.
Magyar erinnerte daran, dass er vor fast zwei Jahren, als ein umstrittener Fall von Begnadigung durch den Präsidenten auftauchte, das Gefühl hatte, nicht länger schweigen zu können. Er behauptete, die Regierung habe zwar zunächst Reformen versprochen, doch später sei klar geworden, dass die Machthaber stets auf der Seite der Täter und nicht der Opfer gestanden hätten. In seinen Worten: “Es hat sich nichts geändert” zwischen den bekannten Missbrauchsfällen und er erklärte, dass das derzeitige politische System sein Ende erreicht habe.
Er brachte einen offiziellen Bericht von vor 4 Jahren zur Sprache
Ein zentraler Punkt der Rede war ein 47-seitiger offizieller Bericht aus dem Jahr 2021, der laut Magyar den systematischen Missbrauch in Kinderschutzeinrichtungen dokumentiert. Dem Bericht zufolge waren den Vormündern mehr als 3.300 Fälle von physischem oder psychischem Missbrauch bekannt.
Magyar warf der Regierung vor, diese Erkenntnisse zu verheimlichen, während sie gleichzeitig während der Wahlperiode ein sogenanntes “Kinderschutz”-Referendum lancierte, das er als zynisches politisches Instrument bezeichnete, das einzig und allein dem Machterhalt diente. Er stellte fest, dass das Innenministerium die Echtheit des Berichts inzwischen anerkannt und bestätigt hat, dass die Regierung zum damaligen Zeitpunkt über den Inhalt des Berichts informiert war.
Péter Magyar kritisierte scharf die wiederholten Behauptungen von Premierminister Viktor Orbán, dass Kinder in staatlicher Obhut ordnungsgemäß behandelt und von ausgebildeten Fachkräften betreut würden. Er argumentierte, dass der Bericht selbst diesen Zusicherungen widerspricht, einschließlich Fällen, in denen Missbrauch als “disziplinarisch” und nicht als kriminell abgetan wurde, selbst bei Kleinkindern unter staatlicher Aufsicht.
Péter Magyar legt Umrisse eines Reformprogramms vor
Mit Blick auf die Zukunft skizzierte Magyar ein ehrgeiziges Reformprogramm, das nach den nächsten Wahlen umgesetzt werden soll. Zu seinen Vorschlägen gehören ein unbefristetes Budget für den Kinderschutz, eine umfassende Untersuchung vergangener Missbräuche, eine unabhängige parlamentarische Untersuchung, eine Sonderstaatsanwaltschaft, ein anonymisierter öffentlicher Zugang zu den Akten, jährliche Transparenzberichte, eine erweiterte psychologische Unterstützung, schnellere Meldesysteme und die Ernennung von Sozialarbeitern in jeder Schule. Außerdem versprach er eine sofortige Lohnerhöhung von 25 Prozent für Kinderschutzarbeiter, gefolgt von umfassenderen Lohnerhöhungen im gesamten sozialen Sektor.
Péter Magyar schloss mit der Forderung, dass Premierminister Orbán die rechtliche, politische und moralische Verantwortung für das, was er als eine Reihe von systemischen Verbrechen bezeichnete, übernehmen müsse. Indem er sich direkt an die betroffenen Kinder wandte, versprach er, sie nicht im Stich zu lassen. Er schloss seine Rede mit einem Bibelzitat und einer Botschaft der Hoffnung für die Adventszeit.

