Orbán wirbt mit KI-Video: Von der Leyen “gibt Befehle” auf Ungarisch an Péter Magyar in einer fiktiven Szene

Der ungarische Premierminister Viktor Orbán hat ein neues, von einer KI generiertes Wahlkampfvideo veröffentlicht, in dem er Oppositionsführer Péter Magyar so darstellt, als würde er vor den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April Anweisungen aus Brüssel entgegennehmen.
Das Video, das Orbán auf Facebook geteilt hat, zeigt ganz offen ein fiktives Szenario, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Darin wird Ursula von der Leyen gezeigt, wie sie Ungarisch spricht und Magyar über ein rotes Festnetztelefon anruft und ihn anweist, der Ukraine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Die Szene ist mit starkem Regen und Blitzen stilisiert und erinnert an eine dunkle, filmische Atmosphäre, die an Sin City erinnert.
Orbáns Botschaft an die Wähler
In dem KI-generierten Clip antwortet die digital erstellte Version von Magyar, dass “zuerst die Wahl gewonnen werden muss, dann ist alles möglich”. Der Erzähler schließt das Video mit der Zeile ab: “Péter kann nicht nein zu ihnen sagen.”
Orbán fügte dem Beitrag seine eigene politische Botschaft hinzu und schrieb:
“Im Moment ist dies nur das Werk einer künstlichen Intelligenz, aber nach dem 12. April, nach einer schlechten Entscheidung, könnte es Realität werden.”
Der Kommentar stellt eine klare Verbindung zwischen dem fiktiven Szenario und den bevorstehenden Wahlen her und versteht das Video als Warnung an die Wähler vor den möglichen Folgen eines Regierungswechsels.
Nicht der erste Einsatz von KI im Negativ-Wahlkampf
Dies ist nicht das erste Mal, dass Orbán und die regierende Fidesz KI-generierte Inhalte für politische Botschaften nutzen. In den letzten Monaten ist künstliche Intelligenz zunehmend in negativem Wahlkampfmaterial aufgetaucht, das darauf abzielt, politische Gegner zu diskreditieren.
Im Gegensatz zu verdeckten Deepfake-Inhalten verbirgt das Video nicht die Tatsache, dass es mit KI erstellt wurde. Stattdessen wird die Technologie bewusst als politisches Kommunikationsmittel eingesetzt, das Satire, Warnung und Angriff vermischt.
Fragen über politische Werbung auf Meta-Plattformen
Das Video erscheint in einer Zeit, in der die Art und Weise, wie regierungsnahe Akteure auf Meta-Plattformen wie Facebook und Instagram werben, zunehmend in Frage gestellt wird.
Mehrere Medienberichte haben Fälle dokumentiert, in denen Fidesz-nahe Werbetreibende, darunter die Fidesz-Parlamentsfraktion, Inhalte platziert haben, die oberflächlich betrachtet unpolitisch erschienen, aber tatsächlich als politische Werbung fungierten. Diese Praxis könnte sowohl mit den internen Regeln von Meta als auch mit den Transparenzvorschriften der Europäischen Union in Konflikt geraten.
In den jüngsten Berichten werden unter anderem folgende Beispiele genannt:
- 17 von 85 Anzeigen, die mit der Fidesz-Parlamentsfraktion verlinkt waren, umgingen angeblich die Filter von Meta,
- umfangreiche Verwendung von Kurzvideos (Reels), die ursprünglich nicht als politische Inhalte gekennzeichnet waren,
- Anzeigen mit Bezug zur ungarischen Parlamentsverwaltung, die erst im Januar 2026 auftauchten und Orbán-Zitate enthielten.
EU-Vorschriften und Plattformverbote
Die Kontroverse wird durch die Tatsache verschärft, dass die Europäische Union ab Oktober 2025 strengere Transparenzregeln für politische Werbung eingeführt hat. Als Reaktion darauf haben sich sowohl Meta als auch Google dafür entschieden, politische Werbung innerhalb der EU vollständig zu verbieten, anstatt sich an die neuen Regeln zu halten.
Für Fidesz – das zuvor große Summen für politische Online-Werbung ausgegeben hat – hat diese Verschiebung die traditionellen Kampagnenoptionen erheblich eingeschränkt und die politische Botschaft in alternative und rechtlich umstrittene Formate gedrängt.
Kritiker argumentieren, dass diese Praktiken sowohl die EU-Vorschriften als auch die Regeln der Plattformen untergraben, während die ungarischen Behörden bisher nicht entschieden gegen mögliche Verstöße vorgegangen sind.
Eine breitere Kampagne gegen Brüssel
Das AI-Video ist Teil einer breiteren Negativkampagne, die die ungarische Regierung gegen die Europäische Kommission und innenpolitische Gegner führt. Beobachter stellen fest, dass solche staatlich unterstützten Kampagnen nach internationalen Standards ungewöhnlich sind.

Im Vergleich dazu finanzieren Regierungen selbst in stark polarisierten Ländern wie den Vereinigten Staaten in der Regel keine milliardenschweren Plakat- und Medienkampagnen gegen den amtierenden Präsidenten Trump, ausländische Politiker oder Institutionen.
Wie wir bereits geschrieben haben, bedeutet das Gerichtsurteil einen weiteren Schlag für die Fidesz-Kampagne, behauptet Theiß-Chef Magyar.
Péter Magyar’s Antwort
Péter Magyar, Vorsitzender der Theiß-Partei, hat scharf auf das Video reagiert.
In einem Beitrag in den sozialen Medien beschuldigte er Orbán, die Wähler mit “gefälschten Videos” in die Irre zu führen, und behauptete, der Premierminister verstoße einmal mehr gegen die gesetzlichen Vorschriften und die Regeln der Plattform. Magyar bezeichnete Orbán als “kleinen Betrüger”, der, wie er sagte, “sofort von jedem fairen Wettbewerb ausgeschlossen werden würde.”
Magyar kündigte an, dass er rechtliche Schritte einleiten werde und forderte seine Anhänger auf, Orbáns Beitrag bei Meta zu melden. Er ermutigte die Nutzer, Anträge auf Löschung aus Gründen des Datenschutzes, der Diffamierung oder anderer Rechtsverstöße zu stellen.
In einer sarkastischen Bemerkung schlug Magyar vor, Orbán solle stattdessen eine “Originalversion” des Videos mit Wladimir Putin aufnehmen, da ein solches Szenario weitaus authentischer sei.
KI und die 2026-Kampagne
Während sich Ungarn immer weiter in den Wahlkampf hineinbewegt, wirft der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der politischen Kommunikation ernsthafte Fragen zu Ethik, Regulierung und demokratischen Standards auf.
Obwohl das Video offen fiktiv ist, unterstreichen seine emotionale Wirkung und sein visueller Realismus, wie KI zu einem zunehmend mächtigen – und umstrittenen – Werkzeug in der modernen politischen Kommunikation wird.
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