Polnischer Präsident Nawrocki besucht Budapest, während Orbán Verbündete sucht

Der polnische Präsident Karol Nawrocki wird voraussichtlich am Montag, den 23. März, nach Budapest reisen. Der Besuch ist sowohl diplomatisch als auch politisch von Bedeutung. Die Reise wurde vom Außenministerium des Präsidenten bestätigt, nachdem der Enthüllungsjournalist Szabolcs Panyi zuvor darüber berichtet hatte.
Von Przemyśl nach Budapest
Nach den vorliegenden Informationen wird Nawrocki zunächst an einer offiziellen Zeremonie zum Tag der polnisch-ungarischen Freundschaft in Przemyśl teilnehmen, an der Seite des ungarischen Präsidenten Tamás Sulyok. Im Anschluss an diese Veranstaltung soll er zu Gesprächen mit Ministerpräsident Viktor Orbán nach Budapest reisen, schreibt Panyi in seinem Facebook-Post.
Es wird erwartet, dass das Treffen über die formale Diplomatie hinausgeht. Berichten zufolge könnte Nawrocki im laufenden Wahlkampf in Ungarn seine politische Unterstützung für Orbán zum Ausdruck bringen.
Angespannte Beziehungen reparieren
Der Besuch könnte auch dazu dienen, die zuvor angespannten Beziehungen zwischen den beiden Führern zu verbessern. Nawrocki hatte eine geplante Reise nach Budapest im Dezember nach Orbáns umstrittenem Besuch in Moskau und dem Treffen mit Wladimir Putin abgesagt. Damals betonten polnische Beamte, dass Russland die alleinige Verantwortung für den Krieg in der Ukraine trage, was deutliche Unterschiede in der Haltung zeigt.
Die Reise am Montag scheint ein Versuch zu sein, diese Beziehung wiederherzustellen, wobei beide Seiten versuchen, den Dialog wieder aufzunehmen.
Umstrittener Zeitpunkt und politische Gegenreaktion
Der Zeitpunkt des Besuchs hat Kritik hervorgerufen, insbesondere vom polnischen Premierminister Donald Tusk, der Nawrocki offen kritisiert hat. Tusk warnte kürzlich, dass die Teilnahme an Versammlungen euroskeptischer und prorussischer Politiker in Budapest das verstärken könnte, was er als “gefährliche Strategie” bezeichnete, die die Europäische Union schwäche und Moskau begünstige.
Es wird vermutet, dass sich seine Äußerungen auf eine politische Kundgebung im Zusammenhang mit dem CPAC Hungary und einer parallelen Veranstaltung “Patrioten für Europa” beziehen, die am selben Tag in Budapest stattfindet und zu der mehrere hochrangige Persönlichkeiten des rechten Spektrums erwartet werden.
Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó reagierte, indem er Tusk einlud, ebenfalls Budapest zu besuchen, und schlug vor, der polnische Premierminister solle sich direkt einbringen, bevor er die Veranstaltung kritisiert.
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Ein diplomatischer Moment mit hohen Einsätzen
Nawrockis Besuch kommt zu einem heiklen Zeitpunkt, da Berichte über eine angebliche ausländische Einmischung in den ungarischen Wahlkampf vorliegen und die Spaltung sowohl in Polen als auch in der EU wächst. Für den polnischen Präsidenten könnte der Auftritt an der Seite von Persönlichkeiten, die als Moskau-nah gelten, politische Risiken im eigenen Land mit sich bringen.

