Strategiewechsel? Ungarische Wizz Air nimmt Flüge nach Amerika ins Visier

Die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air träumte einst von der Eroberung Asiens, aber jetzt hat sie den Atlantik im Visier. Sie hat die Erlaubnis für die Aufnahme von Strecken in die Vereinigten Staaten beantragt. In früheren Interviews betonte CEO József Váradi, dass die Aufnahme amerikanischer Flugrouten nicht auf der Tagesordnung stehe. Es scheint jedoch, dass das Unternehmen seine Strategie geschickt anpasst – was angesichts des sich ständig wandelnden Luftfahrtmarktes kaum überrascht.
Direkte US-Routen starten endlich von Ungarn aus
Die Bemühungen um die Wiederherstellung von Direktverbindungen von Budapest in die USA nach der Coronavirus-Pandemie sind auf Hindernisse gestoßen. Die Politik mag dabei eine Rolle gespielt haben, denn die bekanntlich frostigen Beziehungen zwischen der Regierung Orbán und der Regierung Biden warfen einen Schatten voraus. Wie dem auch sei, für 2026 wurden mindestens zwei Direktflüge von Budapest auf den amerikanischen Kontinent angekündigt: Passagiere können an Bord von Flugzeugen der American Airlines nach Philadelphia fliegen, während Air Canada ab Mai bzw. Juni Reisende in die kanadische Stadt Toronto bringen wird.
Und es gibt noch mehr! Die usbekische Fluggesellschaft Qanot Sharq möchte in diesem Sommer Direktflüge zwischen der ungarischen Hauptstadt Taschkent und New York anbieten. Dabei wird Budapest als Zwischenstopp genutzt, so dass die Passagiere auch in der ungarischen Hauptstadt zusteigen können – so wird die lang ersehnte Direktverbindung zwischen Budapest und New York geschaffen.
Wizz Air rüstet sich für den US-Himmel
Zumindest hat die in Großbritannien ansässige Tochtergesellschaft Wizz Air UK laut Budflyer bereits einen Genehmigungsantrag für Linien- und Charterflüge in die Vereinigten Staaten eingereicht. Mit dem Antrag wird die Genehmigung für den Betrieb von Flügen zwischen Städten im Vereinigten Königreich und einem oder mehreren Orten in den USA beantragt.

Dem Antrag zufolge will das Unternehmen zunächst nur Charterflüge durchführen. Unter Berufung auf das Open-Skies-Abkommen zwischen den beiden Nationen beantragen sie jedoch bereits den vollen Zugang zu allen damit verbundenen Rechten. Dies würde es ihnen ermöglichen, in Zukunft flexibel Linienflüge anzubieten und sich an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen, ohne neue Anträge stellen zu müssen. Sie begründen dies damit, dass sie die wertvolle Zeit und die Ressourcen des US-Verkehrsministeriums nicht mit wiederholten Anträgen belasten wollen.
Frühere asiatische Ambitionen haben eine Bruchlandung erlitten
Wizz Air hegte früher kühne Expansionspläne in Asien und wollte mit seinem neu erworbenen Langstreckenflugzeug Airbus A321XLR Flüge nach Indien, Südostasien und sogar Zentralasien anbieten. Das Unternehmen machte die instabile Sicherheitslage und die extreme Hitze in der Region dafür verantwortlich, dass diese Ideen Mitte bis Ende 2025 aufgegeben wurden. Experten weisen darauf hin, dass auch das Scheitern bei der Erschließung dieser Märkte eine Rolle gespielt hat. Andere verweisen auf Probleme mit den Triebwerken von Pratt & Whitney, die Dutzende von Flugzeugen der Fluggesellschaft zum Stillstand brachten.

Dennoch werden die Pläne zur Eröffnung von Basen in Tel Aviv und Eilat in Israel im März vorangetrieben.
Vor der Pandemie zählte CEO József Váradi US-Routen zu seinen Zielen. Nach der Pandemie – und insbesondere nach der Kehrtwende im Jahr 2025 – betonte er wiederholt den Aufbau einer auf Mittel- und Osteuropa ausgerichteten Fluggesellschaft. In seinem letzten Interview mit G7 Anfang Januar erwähnte er die Transatlantikflüge mit keinem Wort.
Diese jüngste Bewerbung deutet jedoch darauf hin, dass Wizz Air in den kommenden Jahren vielleicht doch auf diesen Strecken fliegen wird.

