Trumps Ambitionen bezüglich Grönland könnten die Klimaforschung gefährden – und die Zukunft der Erde

Grönland, eine der rauesten und isoliertesten Regionen der Erde, ist heute zu einem der wichtigsten Beobachtungspunkte für den globalen Klimawandel geworden. Die Klimaforschung in Grönland enthüllt Prozesse tief im Inneren des Eisschildes, die die Zukunft des Meeresspiegels und des gesamten Klimas der Erde bestimmen könnten – doch all dies wird nun durch politische Interessen und Großmachtambitionen bedroht.
Vor mehr als tausend Jahren erreichten Seefahrer der Wikinger die Küsten Grönlands. Erik der Rote und seine Gefährten ließen sich in den zerklüfteten Fjorden nieder, wo das Überleben nur möglich war, wenn man sich an die unerbittlichen Gesetze der Natur anpasste. Eis, Wind und lange, dunkle Winter prägten das Leben hier – aber schon damals war klar: Wer diese Insel kontrolliert, besitzt ein strategisch wichtiges Gebiet. Heute jedoch geht die Bedeutung des autonomen Gebiets weit über die Geschichtsbücher hinaus, wie The Conversation ebenfalls feststellt: Die Klimaforschung in Grönland könnte die Zukunft des gesamten Planeten beeinflussen.
Die Bedeutung der Klimaforschung in Grönland
Rund 80 Prozent von Grönland sind von einem riesigen Eisschild bedeckt. Würde er vollständig schmelzen, würde der globale Meeresspiegel um etwa sieben Meter ansteigen – das entspricht in etwa der Höhe eines zweistöckigen Hauses. Das Schmelzen des Eises hat sich bereits beschleunigt und setzt enorme Mengen an Süßwasser in den Nordatlantik frei, was wiederum die Meeresströmungen bedroht, die das Klima der nördlichen Hemisphäre regulieren.
Aus diesem Grund ist die Klimaforschung in Grönland nicht nur eine wissenschaftliche Frage, sondern eine Frage der globalen Sicherheit. Hunderte von Gletschern fließen aus dem Inneren der Insel in Richtung Meer und formen die Küstenlinie ständig neu. Forscher bohren tief in die Eisschichten, um die jahrtausendealten Zusammenhänge zwischen Kohlendioxidspiegel und Temperatur aufzudecken.
Seit Jahrzehnten gibt es auf der Insel eine internationale Zusammenarbeit. Amerikanische Forscher, die NASA und europäische Wissenschaftler arbeiten zusammen, um die realen Gefahren des Klimawandels zu verstehen. In diesem Sinne ist die Klimaforschung in Grönland zu einem beispiellosen Beispiel für ein offenes, gemeinschaftliches wissenschaftliches Projekt geworden.
Politische Gewitterwolken über der Zukunft der Insel
Die jüngsten Äußerungen von Donald Trump – und seine immer konkreter werdenden Ambitionen, dass die Vereinigten Staaten sogar die Kontrolle über Grönland gewaltsam an sich reißen könnten – haben ernsthafte Sorgen ausgelöst. Obwohl Grönland Teil des Königreichs Dänemark ist, ist es politisch autonom und agiert als NATO-Mitglied. Der Zugang zu dem Gebiet ist streng geregelt. Es gibt genaue Vorschriften darüber, welche Art von Forschung wo durchgeführt werden darf.
Eine amerikanische Übernahme würde jedoch die Offenheit der Klimaforschung in Grönland bedrohen, da Wissenschaftler aus der ganzen Welt den Zugang zu einer der wichtigsten Klimaforschungsstätten des Planeten verlieren könnten. Dies ist besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass Trump die Vereinigten Staaten bereits aus dem Pariser Klimaabkommen und später aus dem IPCC, einer der wichtigsten Organisationen der globalen Klimaforschung, ausgetreten hat.
Bodenschätze und das Dilemma des grünen Übergangs
Die verbleibenden 20 Prozent Grönlands – die nicht von dickem Eis bedeckt sind – sind eine Fläche, die in etwa so groß ist wie Deutschland. Geologische Untersuchungen haben hier bedeutende Bodenschätze zutage gefördert, die als Schlüsselrohstoffe für den grünen Wandel gelten. Dazu gehören seltene Mineralien, die in Windturbinen, Batterien für Elektroautos und anderen erneuerbaren Technologien verwendet werden.
Es gibt zwar Kohlevorkommen, aber deren Abbau wäre derzeit nicht wirtschaftlich rentabel, und es wurden auch keine größeren Ölfelder entdeckt. Grönland ist also nicht der Schlüssel zu fossilen Brennstoffen, sondern zum Kampf gegen den Klimawandel – was einmal mehr die strategische Bedeutung der Klimaforschung auf der Insel unterstreicht.

Internationale Beispiele und ein fragiles Gleichgewicht
Ein Blick auf ähnliche internationale Fälle zeigt, dass die Antarktis seit mehr als 60 Jahren durch einen internationalen Vertrag geschützt ist, der sie zu einer friedlichen wissenschaftlichen Zone erklärt, in der Bergbau verboten ist. Ähnlich verhält es sich mit Svalbard, nördlich des europäischen Festlands, das unter norwegischer Souveränität steht, aber eine visafreie Regelung hat, die es Bürgern aus fast 50 Ländern erlaubt, dort zu leben und zu arbeiten.
Grönland hat jedoch kein solches internationales Schutzabkommen. Seine Offenheit hängt einzig und allein von seiner politischen Stabilität ab, die durch eine ausländische Übernahme ernsthaft bedroht sein könnte. Experten schlagen vor, dass Grönland ein eigenes Vertragssystem mit NATO-Partnern einrichten könnte, um die akademische Freiheit und den Zugang zur Forschung zu sichern.
Was auch immer in dieser derzeit angespannten Situation geschieht, das Schicksal Grönlands und seiner Klimaforschung betrifft die gesamte Menschheit. Wenn die Stabilität der Insel erschüttert wird, verlieren wir nicht nur Daten, sondern auch Zeit – und im Zeitalter des Klimawandels ist Zeit ein entscheidender Faktor.

