Überraschende Allianz: 3 ungarische Parteien stimmen in der EU gleich

Am Donnerstag kam es im Europäischen Parlament zu einer überraschenden politischen Allianz: Drei ideologisch unterschiedliche ungarische Rechtsparteien – Fidesz-KDNP, die Theiß-Partei und Mi Hazánk – stimmten in Bezug auf die umstrittene EU-Rückführungsverordnung übereinstimmend ab.

Was ist die Rückführungsverordnung?

Die Rückführungsregelung ist ein wichtiger Teil des EU-Asylpakets, das derzeit sowohl im Europäischen Parlament als auch im Rat, der die Mitgliedstaaten vertritt, diskutiert wird. Ihr Ziel ist es, die Effizienz der Rückführung abgelehnter Asylbewerber zu verbessern und die gegenseitige Anerkennung von EU-Entscheidungen sicherzustellen.

Nach den neuen Regeln wäre das Verfahren zur Rückführung abgelehnter Asylbewerber einfacher, so dass die Mitgliedstaaten Entscheidungen koordiniert umsetzen könnten, ohne neue Verfahren einleiten zu müssen.

Die Maßnahmen würden insbesondere für diejenigen gelten, die nicht mit den Behörden kooperieren. In solchen Fällen könnten Zwangsmaßnahmen ergriffen werden – zum Beispiel könnten die Behörden Reisedokumente beschlagnahmen, wenn jemand die EU nicht freiwillig verlässt oder ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Die Verordnung würde es auch ermöglichen, abgewiesene Migranten im Rahmen bilateraler Abkommen mit Drittstaaten in externe EU-Zentren – sogenannte “Rückführungszentren” – zu schicken. Über diese Maßnahme hat die EU am Donnerstag abgestimmt.

Strengere Regeln und neue Optionen

Der ursprüngliche Vorschlag der Europäischen Kommission von 2018 wurde 2025 zurückgezogen und durch eine strengere Version ersetzt. Die neue Regelung könnte die legale Haftzeit auf bis zu zwei Jahre verlängern und würde effektiv unbegrenzte Einreiseverbote für abgelehnte Bewerber ermöglichen.

Der Vorschlag erlaubt es auch anderen Ländern, Migranten in Drittländer zurückzuschicken, die nicht ihr Herkunftsland sind, vorausgesetzt, es bestehen bilaterale Abkommen mit den zuständigen Behörden. Dies gibt den Mitgliedstaaten zwar mehr Möglichkeiten, wirft aber auch Menschenrechtsfragen auf, da die Rückführung nicht immer in demokratische Staaten erfolgt.

EU migration migrants
Quelle: depositphotos.com

Politische Allianz und Abstimmungsergebnis

Bei der Abstimmung im Plenum sprachen sich 389 Abgeordnete dafür aus, den Vorschlag in die nächste Phase zu bringen, 206 stimmten dagegen und 32 enthielten sich. Von den ungarischen Parteien stimmten die Fidesz-KDNP, die Theiß-Partei und Mi Hazánk für den Vorschlag – eine bemerkenswerte Übereinstimmung angesichts ihrer ideologischen Unterschiede, wie Telex berichtet.

Bereits im März hatte eine rechtsgerichtete Mehrheit – bestehend aus der Europäischen Volkspartei, den Patrioten für Europa und den Europäischen Souveränen Nationen – die Migrationsvorschläge unterstützt.

Der Fidesz-Abgeordnete betonte in einer Erklärung, dass der Vorschlag den Schutz der Außengrenzen nicht ersetzt und die Grundprinzipien des EU-Asylpakets nicht verändert.

Kritik und Bedenken

Die Fraktionen der Linken, der Grünen und der extremen Linken haben drei separate Anträge eingereicht, die die Entscheidung anfechten und sich dabei vor allem auf menschenrechtliche Bedenken berufen. Kritiker warnen, dass die neuen Regeln es ihnen ermöglichen könnten, Menschen fast überall hin zurückzuschicken, auch in Länder, die die Personen nie gekannt haben, oder in Länder, in denen es keine demokratischen Systeme gibt.

Obwohl die Version des Parlaments in einigen Bereichen weniger streng ist als die des Rates – zum Beispiel beträgt die maximale Haftdauer 24 Monate – wird erwartet, dass die Gesetzgebung erhebliche Auswirkungen auf die Asylpraxis der EU haben wird, insbesondere im Hinblick auf die Erhöhung der Rückführungsraten und die Verbesserung der Koordination zwischen den Mitgliedstaaten.

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