Unerwartetes: Ungarn wird stolzer Produzent von NATO-Maschinengewehrmunition

Die ungarische Rüstungsindustrie hat sich in den letzten Jahren dramatisch entwickelt. Jetzt will das in der Schweiz ansässige und jetzt in tschechischem Besitz befindliche Unternehmen Saltech die Produktion von großkalibriger Munition in Ungarn aufnehmen.

Die Produktionslinien des Unternehmens sind bereits nach Ungarn verschifft worden, die Produktion soll 2025 beginnen. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, hat die NATO Schweizer Lieferanten von mehreren Ausschreibungen ausgeschlossen, weil sie nicht in der Lage waren, rechtzeitig zu liefern.

Zuvor hatte Saltech großkalibrige Patronen in militärischer Qualität in der Schweiz hergestellt, aber strenge Exportbeschränkungen behinderten zunehmend den internationalen Verkauf. Aus diesem Grund hat die Muttergesellschaft von Saltech, die tschechische Colt CZ Group, beschlossen, die Produktion von Maschinengewehrmunition nach NATO-Standard in Ungarn fortzusetzen. Der genaue Standort der neuen Anlage wurde noch nicht bekannt gegeben, aber die Investition könnte Hunderte von Arbeitsplätzen schaffen und Ungarns Rolle in der regionalen Waffen- und Munitionsindustrie stärken.

Warum kommt Saltech nach Ungarn?

Die Schweiz ist für ihre strengen Waffenexportkontrollen bekannt, die es schwierig machen, Ausfuhrgenehmigungen zu erhalten, insbesondere für Produkte, die in Konfliktgebiete gelangen könnten. Daher haben mehrere Hersteller in letzter Zeit ihre Produktion nach Mittel- und Osteuropa verlagert, wo die Vorschriften flexibler, die Arbeitskosten niedriger und die Logistik günstiger sind.

Ungarn ist in diesem Bereich besonders aktiv: Der Staat betrachtet den Verteidigungssektor als strategisch und hat in den letzten Jahren zahlreiche ausländische Investoren unterstützt. Die Entscheidung von Saltech ist ein Ergebnis dieser Politik.

Die wichtigsten Unternehmen der ungarischen Verteidigungsindustrie

In den letzten Jahren hat Ungarn seine Verteidigungsindustrie erheblich ausgebaut. Von Kleinwaffen und Munition bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen und Hubschrauberteilen deckt die einheimische Produktion nun fast jedes Segment ab. Die staatliche N7 Holding und ihre Partner, darunter Rheinmetall, Airbus und die tschechische Colt CZ Group, schaffen eine immer breitere technologische Basis.

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Das Sturmgewehr CZ BREN 2 – ein Produkt der tschechischen Colt CZ Group, von dem einige Modelle in Ungarn in Lizenz hergestellt werden. Foto: Wikimedia Commons

Die größten Investitionen kamen von der deutschen Rheinmetall, die in Zalaegerszeg Lynx-Schützenpanzer entwickelt und montiert und in Várpalota eine neue Munitions- und Sprengstofffabrik gebaut hat. Das Werk in Várpalota beliefert in erster Linie die ungarischen Verteidigungskräfte, könnte aber in Zukunft auch in NATO-Länder exportieren.

Wichtige inländische Verteidigungsunternehmen:

  • Rheinmetall Hungary Munitions Zrt. (Várpalota) – eine Munitionsfabrik mit Hunderten von Mitarbeitern, die nach NATO-Standards produziert.
  • Arzenál Fegyvergyár Zrt. (Kiskunfélegyháza) – ein in ungarischem Besitz befindliches Unternehmen, das Kleinwaffen, Waffenkomponenten und spezielle Militärausrüstung herstellt, hauptsächlich für die ungarischen Streitkräfte und die Strafverfolgungsbehörden.
  • HM Arzenál Zrt. (Nyírtelek) – ein Unternehmen im Besitz des Verteidigungsministeriums, das für die Wartung, Modernisierung und Komponentenproduktion zuständig ist und die Einsatzbereitschaft der militärischen Ausrüstung sicherstellt.
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Rheinmetall HX3 10×10 Militär-LKW mit der neuen Artillerie-LKW-Schnittstelle. Foto: Wikimedia Commons

Wer benutzt Waffen aus ungarischer Produktion?

Der größte Teil der inländischen Rüstungsproduktion ist für die ungarischen Verteidigungskräfte bestimmt, aber die Fabriken bedienen auch einen breiteren Markt. So sind beispielsweise die Investitionen von Rheinmetall eng mit dem Modernisierungsprogramm Zrínyi 2026 verbunden und die Werke in Várpalota und Zalaegerszeg könnten in Zukunft auch andere NATO-Länder beliefern.

Dabei geht es nicht um direkte NATO-Aufträge. Vielmehr folgt die ungarische Produktion den Standards der Allianz, so dass Waffen und Munition auch von anderen Streitkräften verwendet werden können.

Das ungarische Werk von Saltech wird 12,7-mm-Maschinengewehrmunition nach NATO-Standards herstellen, die mit den Waffensystemen der Alliierten kompatibel ist.

Kleinere, in ungarischem Besitz befindliche Unternehmen beliefern in erster Linie Strafverfolgungsbehörden, Sicherheitsfirmen oder zivile Nutzer wie Sportschützen und Jäger. Dank dieser Vielfalt kann die einheimische Verteidigungsindustrie neben großen internationalen Konzernen flexibel auf spezielle Bedürfnisse reagieren.

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