Ungarn und Österreich signalisieren stärkere Beziehungen, da die parlamentarischen Führer zusammenstehen

Ungarn und Österreich beabsichtigen, ihre engen bilateralen Beziehungen auf parlamentarischer Ebene weiter zu vertiefen, trotz wachsender politischer Spannungen innerhalb der Europäischen Union und eines zunehmend unsicheren globalen Umfelds. Dies wurde am Montag in Wien nach Gesprächen zwischen László Kövér (Fidesz), Präsident der ungarischen Nationalversammlung, und Walter Rosenkranz (FPÖ), Präsident des österreichischen Nationalrats, erklärt.
Die beiden Parlamentschefs trafen sich zu einem Arbeitstreffen im österreichischen Parlament, bevor sie vor der Presse sprachen. Dabei betonten sie sowohl die historischen Verbindungen als auch die gemeinsamen strategischen Interessen zwischen den Nachbarländern.
Kövér: Wirtschaftliche Interdependenz, Friedensbemühungen und Kritik an EU-Druck
Als Sprecher der ungarischen Seite betonte Kövér, dass die österreichisch-ungarischen Beziehungen auf einer gemeinsamen Geschichte und starken wirtschaftlichen Verbindungen beruhen. Er wies darauf hin, dass Österreich im Jahr 2023 mit Investitionen von mehr als 10 Milliarden Euro der zweitgrößte ausländische Investor in Ungarn sein wird und dass mehr als 2.200 österreichische Unternehmen in Ungarn tätig sind und rund 76.000 Menschen beschäftigen. Österreich ist auch der viertgrößte Handelspartner Ungarns.
Gleichzeitig räumte Kövér ein, dass der bilaterale Handel 2024 zurückging und 2025 stagnierte. Er führte dies auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine auf die gesamte mitteleuropäische Region zurück.
“Auch wenn wir uns unterschiedliche Wege zum Frieden vorstellen können, sind wir uns einig, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet werden muss”, sagte Kövér.
Er bekräftigte auch Ungarns Ablehnung des Handelsabkommens zwischen der EU und Mercosur und warnte davor, dass es sowohl für die ungarischen als auch für die österreichischen Landwirte ernsthafte Risiken bergen und die ländlichen Gemeinden untergraben würde, die, wie er sagte, “die am tiefsten verwurzelten Werte Europas tragen”.
Rosenkranz: Praktische Zusammenarbeit und eine stärkere mitteleuropäische Stimme
Aus österreichischer Sicht betonte Rosenkranz die Bedeutung einer pragmatischen Zusammenarbeit, insbesondere in Bereichen, die direkte Auswirkungen auf die Bürger haben. Er hob die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungswesen hervor, insbesondere die gemeinsamen Rettungsdienste in den Grenzregionen, die seit September letzten Jahres in Betrieb sind.
Laut OE24.at dankte Rosenkranz Ungarn auch für seine führende Rolle bei der Bekämpfung der illegalen Migration, die er als wichtigen Beitrag zur regionalen Sicherheit bezeichnete.
In Bezug auf die allgemeine Geopolitik sagte er, dass die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine zwar intensiver denn je seien, der Ausgang jedoch schwer vorhersehbar bleibe.
Gemeinsame Zurückweisung der Anschuldigungen von Karl Habsburg
Beide Parlamentschefs wiesen die jüngsten Äußerungen von Karl Habsburg scharf zurück, der die Patriotengruppe im Europäischen Parlament beschuldigte, eine “fünfte Kolonne Moskaus” zu sein.
“Karl Habsburg hat einfach Unrecht”, sagte Rosenkranz und fügte hinzu, dass die Patriots-Gruppe nicht mit russischen Interessen verbunden sei. Er betonte auch, dass Habsburg keine offizielle politische Funktion innehat, sondern eine Privatperson ist.
Kövér ging noch weiter und zog eine historische Parallele zu den kommunistischen Praktiken in Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg. Er sagte, dass die Versuche, die Patriotengruppe aus dem politischen Diskurs auszuschließen – oder sogar über ein Verbot ihrer Mitgliedsparteien zu diskutieren – stark an die Taktiken der kommunistischen Ära erinnern, als Gegner als Feinde der Demokratie bezeichnet wurden, um ihre Ausgrenzung zu rechtfertigen.
Hintergrund: Die Patriotenfraktion im Europäischen Parlament
Die Patriotische Fraktion wurde nach den Wahlen zum Europäischen Parlament 2024 gegründet, vor allem auf Initiative der ungarischen Fidesz und der österreichischen Freiheitlichen Partei (FPÖ). Seitdem ist sie zur drittgrößten politischen Kraft im Europäischen Parlament geworden.
Karl Habsburg hatte zuvor behauptet, die Fraktion bestehe aus “brutalen Nationalisten”, die gegen die europäische Integration arbeiten und Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin unterhalten – Behauptungen, die sowohl von Kövér als auch von Rosenkranz entschieden zurückgewiesen wurden.
Orbáns mögliche Vermittlerrolle und eine sich verändernde Weltordnung
Rosenkranz verwies auch auf die internationale Positionierung Ungarns und stellte fest, dass Ministerpräsident Viktor Orbán sowohl mit Moskau als auch mit Washington, einschließlich des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, in Verbindung steht.
“Unter bestimmten Umständen könnte Viktor Orbán in Zukunft eine sehr wichtige Vermittlerrolle spielen”, sagte Rosenkranz.
Er fügte hinzu, dass die jüngsten globalen Entwicklungen – von der Ukraine bis zu anderen internationalen Krisenherden – zeigen, dass die Weltordnung einen tiefgreifenden Wandel durchläuft, und argumentierte, dass Europa auf der globalen Bühne selbstbewusster und geschlossener auftreten muss.
Minderheitenrechte und kulturelle Zusammenarbeit
Bei den Minderheitenfragen schlug das Treffen einen bemerkenswert kooperativen Ton an. Kövér forderte Österreich auf, ein modernisiertes Minderheitengesetz zu verabschieden, das die sich verändernden Siedlungsmuster widerspiegelt, und sprach sich dafür aus, dass der Unterricht für ungarischsprachige Minderheiten nicht nur im Burgenland, sondern auch in Wien möglich sein sollte.
Rosenkranz zeigte sich dem Thema gegenüber aufgeschlossen und zeigte Kövér zum Abschluss des Treffens eine kürzlich eröffnete Ausstellung über anerkannte Volksgruppen im österreichischen Parlament.
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