35 Jahre Unabhängigkeit Usbekistans: Ein Land, das stolz auf die Vergangenheit zurückblickt – und zuversichtlich in die Zukunft schaut

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Der Unabhängigkeitstag Usbekistans wird am 1. September in diesem Jahr mit besonderer Bedeutung gefeiert: Das zentralasiatische Land begeht 35 Jahre Unabhängigkeit. Ich hatte die Gelegenheit, einen Teil der Feierlichkeiten in Taschkent hautnah mitzuerleben, wo eine außergewöhnliche staatliche Zeremonie nicht nur eine spektakuläre Show bot, sondern auch einen aufschlussreichen Einblick darin gewährte, wie Usbekistan seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sieht.
Es gibt Nationalfeiertage, die in erster Linie bloße Daten im Kalender sind, und es gibt andere, bei denen die Bedeutung des Anlasses unübersehbar ist, sobald man tatsächlich vor Ort ist. In Usbekistan gehört der Unabhängigkeitstag eindeutig zur letzteren Kategorie.
In der usbekischen Hauptstadt herrschte bereits festliche Stimmung, als ich am 28. August an der zentralen Staatszeremonie teilnahm. Doch abgesehen von den Flaggen, der Musik, den Tänzern und der monumentalen Kulisse blieb mir vor allem das Gefühl im Gedächtnis, dass der 35. Jahrestag Usbekistans nicht einfach nur als Feier eines Ereignisses aus dem Jahr 1991 präsentiert wird. Er wird auch als Gelegenheit genutzt, um zu zeigen, wie sehr sich das Land verändert hat – insbesondere im Laufe des letzten Jahrzehnts.
Was feiert Usbekistan am Unabhängigkeitstag?
Usbekistan erklärte am 31. August 1991, in den letzten Monaten der Sowjetunion, seine staatliche Unabhängigkeit. Der folgende Tag, der 1. September, wurde zum Unabhängigkeitstag erklärt und entwickelte sich in der Folge zum wichtigsten Nationalfeiertag des Landes.
Auf einer außerordentlichen Sitzung des Obersten Sowjets der Usbekischen SSR verabschiedeten die Abgeordneten sowohl den Beschluss zur Ausrufung der Unabhängigkeit der Republik Usbekistan als auch Gesetze, die die Grundlagen des neuen souveränen Staates festlegten. Die Usbekische SSR wurde in Republik Usbekistan umbenannt.
Fünfunddreißig Jahre später ist dieser Jahrestag daher weit mehr als nur ein zeremonieller Anlass. Für die Usbeken steht er für die Wiederherstellung der nationalen Souveränität und die Fähigkeit des Landes, seine politische, wirtschaftliche und kulturelle Ausrichtung selbst zu bestimmen.
Die diesjährigen offiziellen Feierlichkeiten stehen unter dem Motto „Ein Vaterland, ein Volk – gemeinsam gestalten wir ein neues Leben und eine neue Zukunft!“, ein Slogan, der auch viel über den Schwerpunkt der Regierung auf Entwicklung und nationale Erneuerung aussagt.
Mehr als tausend Künstler in Neu-Taschkent
Am 28. August erlebte ich das Ausmaß der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag Usbekistans hautnah, als ich an der großen staatlichen Feier in Neu-Taschkent teilnahm.
Präsident Shavkat Mirziyoyev richtete einige Worte an das Publikum, bevor ein groß angelegtes Kulturprogramm begann, an dem mehr als tausend Tänzer, Darsteller und Statisten beteiligt waren. Das schiere Ausmaß der Inszenierung war beeindruckend: Sorgfältig choreografierte Szenen, traditionelle Elemente und moderne Inszenierung verbanden sich, um die Geschichte des Landes und seiner Bevölkerung zu erzählen.
Die Wahl von New Tashkent als Veranstaltungsort vermittelte zudem eine klare Botschaft. Das riesige neue Stadtentwicklungsprojekt soll zu einem Zentrum für Bildung, Kultur und Wissenschaft werden und, wie Mirziyoyev es formulierte, ein Symbol für die Stärke des „neuen Usbekistans“. Der Präsident hob zudem die kürzlich fertiggestellten Bildungs- und Kultureinrichtungen in der Region hervor.

Mehrere Aussagen aus seiner Rede stachen besonders hervor.
Mirziyoyev betonte, dass die moderne Unabhängigkeit zwar erst 1991 erreicht wurde, die Staatlichkeit und Zivilisation Usbekistans jedoch Tausende von Jahren zurückreichen. Er bezeichnete zudem die Menschenwürde und die Möglichkeit, in Freiheit zu leben, als grundlegende Errungenschaften der Unabhängigkeit und verwies dabei auf die umfassenden Reformen, die in den letzten Jahren eingeleitet wurden.
Kurz vor Beginn der Hauptfeier fasste der Präsident das Ausmaß des Wandels in ungewöhnlich ambitionierten Worten zusammen: „Fünfunddreißig Jahre sind historisch gesehen eine kurze Zeitspanne“, sagte er und argumentierte, dass das Ausmaß der Errungenschaften des Landes diesen Zeitraum jedoch deutlich länger erscheinen lasse.
Die Feier selbst unterstrich diese Botschaft. Es handelte sich um eine Würdigung der Geschichte, aber ganz bewusst auch um eine Darstellung dessen, was Usbekistan nach Ansicht der Behörden in Zukunft werden könnte.





Fünfunddreißig Jahre des Wandels – und ein außergewöhnliches letztes Jahrzehnt
An dieser Stelle wird es schwierig, meine eigenen Eindrücke von Usbekistan vom Jubiläum selbst zu trennen.
Nach dem, was ich gesehen habe, hat das Land in den 35 Jahren seit der Unabhängigkeit sowohl wirtschaftlich als auch politisch eine enorme Entwicklung durchlaufen. Besonders sichtbar ist jedoch der Wandel, der sich in etwa im letzten Jahrzehnt vollzogen hat.
In Taschkent lässt sich dies konkret erkennen: neue Straßen, große Bauprojekte, öffentliche Plätze, Hotels, Geschäftsviertel und ehrgeizige kulturelle Einrichtungen. Man spürt zudem, dass das Land deutlich weltoffener geworden ist und daran interessiert ist, Touristen, Unternehmen, Investoren und internationale Partner anzuziehen.
Wirtschaftsstatistiken stützen zumindest teilweise diesen Eindruck. Zahlen der Weltbank zeigen, dass das reale BIP Usbekistans im Jahr 2025 um 7,7 Prozent gewachsen ist, nachdem es im Jahr zuvor um 6,7 Prozent gewachsen war. Das BIP des Landes in aktuellen Dollar belief sich im Jahr 2025 auf rund 147 Milliarden US-Dollar. Die Weltbank hat zudem das ab 2017 eingeleitete umfassende Reformprogramm als wichtigen Faktor für das wirtschaftliche Wachstum des Landes bezeichnet.
Das bedeutet nicht, dass alle Probleme verschwunden sind oder dass sich ein 35-jähriger Wandel auf neue Gebäude und BIP-Statistiken reduzieren lässt. Doch für einen Besucher sind das Tempo und der Ehrgeiz kaum zu übersehen.
Vielleicht ist dies ein Grund, warum der Begriff „Neues Usbekistan“ in offiziellen Reden so häufig auftaucht. Nach einer Reise durch das Land gewinnt dieser Ausdruck zunehmend an Bedeutung: Usbekistan ist bewusst bestrebt, ein neues internationales Image aufzubauen und gleichzeitig sein außergewöhnliches historisches Erbe zu bewahren – und zunehmend zur Schau zu stellen.
Warum sich eine Reise von Ungarn nach Usbekistan lohnt
Und schon dieses historische Erbe allein ist ein überzeugender Grund für einen Besuch.
Für ungarische Reisende mag Usbekistan noch immer weit entfernt erscheinen. Doch nur wenige Reiseziele bieten eine solche Konzentration an spektakulärer Architektur und Geschichte der Seidenstraße.
Samarkand ist der naheliegende Ausgangspunkt. Der Registan-Platz mit seinen drei monumentalen Madrasas, die einen der bekanntesten öffentlichen Plätze Zentralasiens umgeben, ist in natura noch beeindruckender als auf Fotos. Die UNESCO beschreibt Samarkand als Kreuzung und Schmelztiegel der Weltkulturen mit einer mehr als zweieinhalb Jahrtausende alten Geschichte.

Dann gibt es noch Buchara, eine mehr als 2.000 Jahre alte Stadt an der Seidenstraße, deren historisches Zentrum nach wie vor eines der am besten erhaltenen Beispiele für eine mittelalterliche zentralasiatische Stadt darstellt.
Und Chiwa bietet ein ganz anderes Erlebnis: Wenn man die alte, von Mauern umgebene Stadt betritt, fühlt es sich weniger wie der Besuch eines einzelnen Denkmals an, sondern eher so, als würde man direkt in eine andere historische Epoche eintreten.
Taschkent selbst verfügt nun über eine bedeutende neue Sehenswürdigkeit, die es verdient, in eine Reihe mit diesen berühmten Städten an der Seidenstraße gestellt zu werden.
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Taschkents außergewöhnliches Zentrum für islamische Zivilisation
Das Zentrum für islamische Zivilisation in Usbekistan, das im März 2026 in Taschkent offiziell eröffnet wurde, ist eines der ehrgeizigsten Kulturprojekte des Landes.
Der weitläufige Komplex vereint ein Museum, eine Bibliothek, Forschungseinrichtungen und Ausstellungen, die die intellektuelle und wissenschaftliche Geschichte der islamischen Zivilisation in Zentralasien nachzeichnen. Zu seinen Beständen zählen Manuskripte, historische Objekte und Materialien zu einigen der Gelehrten, deren Werk die Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie weit über die Region hinaus geprägt hat.

Sein Ausmaß ist bemerkenswert. Bis Anfang Juni – weniger als drei Monate nach der Eröffnung – hatte das Zentrum nach Angaben der usbekischen Regierung bereits rund eine halbe Million in- und ausländische Besucher empfangen.
Für alle, die sich für Geschichte, Religion, Wissenschaft oder Architektur interessieren, lohnt es sich, mehrere Stunden einzuplanen, anstatt den Besuch lediglich als kurzen Zwischenstopp auf einer Stadtrundfahrt durch Taschkent zu betrachten.
Die Gastfreundschaft ist vielleicht Usbekistans größte Attraktion
Gebäude, Denkmäler und der wirtschaftliche Wandel erklären nur zum Teil, warum Usbekistan einen so starken Eindruck hinterlässt.
Der andere Teil sind die Menschen.
Was mir immer wieder auffiel, war die aufrichtige Gastfreundschaft der Usbeken. Besucher werden herzlich empfangen, Gespräche kommen leicht in Gang, und das Essen wird oft in solchen Mengen serviert, dass es fast unmöglich ist, einen weiteren Teller abzulehnen.
Und damit kommen wir zur usbekischen Gastronomie.
Das bekannteste Gericht des Landes ist natürlich Plov – Reis, der mit Fleisch, Möhren, Zwiebeln und Gewürzen gekocht wird und in Usbekistan regionale Varianten aufweist. Doch die usbekische Küche auf Plov zu reduzieren, wäre ungerecht. In einem traditionellen Ofen gebackene Samsa, Schaschlik, Lagman-Nudeln, Suppen, frisches Obst, Gemüse und das allgegenwärtige runde usbekische Fladenbrot machen das Essen hier zu einer Attraktion für sich.



Essen spielt auch eine gesellschaftliche Rolle. Die Mahlzeiten sind ausgedehnt, gemeinschaftlich und reichhaltig. Es wird ständig Tee serviert. Der Tisch ist nicht nur ein Ort zum Essen, sondern der Ort, an dem Gäste Teil des Geschehens werden.
Für Reisende mag dies letztendlich ebenso unvergesslich sein wie der Registan-Platz oder die alten Stadtmauern von Chiwa.
Beim Unabhängigkeitstag Usbekistans geht es um mehr als nur die Vergangenheit
Als ich am 28. August in Neu-Taschkent stand und mehr als tausend Darsteller die riesige Bühne füllten, war leicht zu verstehen, warum der 35. Jahrestag hier eine so große Bedeutung hat.
Der Unabhängigkeitstag Usbekistans erinnert an einen entscheidenden Moment im Jahr 1991, doch das heutige Usbekistan nutzt diesen Jahrestag ganz offensichtlich ebenso sehr, um in die Zukunft zu blicken wie in die Vergangenheit.
Es herrscht großer Stolz auf die Städte an der Seidenstraße, die Gelehrten der Antike und die Traditionen, die diesen Teil der Welt geprägt haben. Gleichzeitig ist eine ebenso deutliche Entschlossenheit zu erkennen, neue Universitäten, Unternehmen, Verkehrsverbindungen, Museen, Wohnviertel und eine Wirtschaft aufzubauen, die weitaus stärker mit der Außenwelt vernetzt ist.
Nachdem ich beide Seiten des Landes kennengelernt habe – seine historischen Schätze und das außergewöhnliche Ausmaß an Bau- und Entwicklungsprojekten, die heute stattfinden –, ist mein stärkster Eindruck, dass Usbekistan seine ersten 35 Jahre der Unabhängigkeit nicht als Abschluss einer Geschichte betrachtet.
Es betrachtet sie als den Anfang einer neuen Geschichte.
Wie wir bereits berichteten, brachte das Internationale Medienforum in Taschkent im Jahr 2026 Journalisten aus aller Welt zusammen

