48 Tage bis zur Wahl: Péter Magyar über Demokratie, Wahlkampfpläne und Drohungen – Interview

Péter Magyar, Vorsitzender der Theiß-Partei, erläutert in einem ausführlichen Interview mit Telex die Wahlstrategie und die Regierungspläne für 2026. Hier sind die wichtigsten Punkte.

Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten oder Listenführer der Partei?

Péter Magyar, Vorsitzender der Theiß-Partei, spricht nun offiziell als Premierministerkandidat der Partei für die Wahlen 2026.

Obwohl das ungarische Verfassungssystem die Position des Premierministerkandidaten nicht formal anerkennt, argumentiert Magyar, dass es für die Wähler wichtig ist, klar zu wissen, wer gegen wen antritt und was jede Seite bietet.

Er betonte, dass es in der Politik heute in erster Linie um die Menschen geht. Seiner Ansicht nach ist die Wahl eine Art Referendum darüber, ob das von der Fidesz aufgebaute System bestehen bleibt oder ob es zu Veränderungen kommt.

Magyar ist der Meinung, dass eine Ministerpräsidentendebatte selbstverständlich wäre, aber Viktor Orbán hat sie zwanzig Jahre lang vermieden, obwohl sie seiner Meinung nach eine notwendige Voraussetzung in einer Demokratie ist. In einem Rechtsstaat sollte der Vorsitzende einer Partei bereit sein, zu debattieren, damit sie kandidieren kann.

Genügsame Kampagne gegen Milliarden

In Bezug auf den Wahlkampf betonte Péter Magyar, dass die Theiß-Partei keine Milliarden für Plakate ausgibt. Auch im Jahr 2024 gab es keine Werbung, stattdessen setzte man auf die intelligente Nutzung sozialer Medien und persönliches Engagement für eine erfolgreiche Kampagne. Es wird keine riesigen Plakate geben, denn:

“Wir wollen keine Hasskampagne, sondern echte Gespräche mit den Menschen”, sagte er.

Er fügte hinzu, dass sie derzeit mit ein paar hundert Millionen Forint operieren, aber in der Vergangenheit haben sie mit ähnlichen Methoden Durchbrüche erzielt.

Seiner Ansicht nach:

“Eine der Grundlagen von Tisza, seine DNA, besteht darin, dass wir die Menschen direkt treffen.”

https://www.youtube.com/watch?v=jeKPNbKDRYI

Zweidrittelmehrheit – bei gleichzeitiger Stärkung der Demokratie

In dem Interview ging es auch um das Ziel der Partei, nicht nur einen Regierungswechsel herbeizuführen, sondern ein Zwei-Drittel-Mandat im Parlament zu erlangen, um das rechtsstaatliche System wiederherzustellen.

“Wir streben kein starkes Mandat an, um die Demokratie abzubauen, sondern um sie zu stärken”.

Ihr Programm, das 240 Seiten umfasst, erklärt genau, wie und mit welchen Mitteln sie dies erreichen wollen.

Persönliche Angriffe und politische Erpressung

Später kam das Gespräch auf die Möglichkeit zu sprechen, dass politische Gegner versuchen könnten, mit persönlichen oder familiären Angelegenheiten einzuschüchtern. Péter Magyar sagte, politische Erpressung sei in der Oppositionspolitik keine Seltenheit.

Obwohl derartige Materialien offiziell verboten sind, werden sie in der Praxis häufig zur Einschüchterung von Oppositionspolitikern eingesetzt.

“Ich gehe davon aus, dass versucht wird, auch mich unter Druck zu setzen, so wie andere bereits mit Aufnahmen erpresst wurden”, sagte er.

Der Politiker betonte, dass solche Situationen ernste ethische und rechtliche Fragen aufwerfen. Bei persönlichen Angriffen geht es nicht nur um die Verletzung der Privatsphäre, sondern sie bedrohen auch die Fairness des politischen Wettbewerbs.

Nach Ansicht von Péter Magyar sind Öffentlichkeit und Transparenz der beste Schutz gegen solche Erpressungen. Er ist daher bereit, sich verschiedenen Tests zu unterziehen, um seine persönliche Integrität zu beweisen, seien es Drogentests oder andere öffentliche Überprüfungen.

Politische Pläne: Umwelt, Bildung, Energie

Péter Magyar skizzierte auch konkrete politische Ziele. Sie würden ein eigenes Umweltministerium einrichten, das für die Wasserwirtschaft, die natürlichen Ressourcen und den Tierschutz zuständig ist.

“Die Klimakrise ist keine ideologische Frage, sie ist eine Frage des Überlebens”, sagte er.

In der Bildung sollen Umweltbewusstsein und Finanzwissen zu Pflichtfächern werden, und die Vergangenheit soll durch die Veröffentlichung der Spionageakten abgeschlossen werden.

Im Energiebereich werde man sich auf die Diversifizierung, die Nutzung erneuerbarer Energien, Isolierungs- und Panelprogramme sowie ein 1.000-Milliarden-Fint-Energiesubventionsprogramm konzentrieren. Zu den wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland sagte er:

“Es geht nicht darum, das russische Öl komplett abzuschaffen, aber wir müssen bereit sein, in einer Krise die Energieversorgung aus mehreren Quellen sicherzustellen.”

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Mit Widerstand rechnen, aber bereit für den Übergang

In dem Interview erklärte Péter Magyar auch, dass die Übergabe der Macht nicht reibungslos verlaufen wird.

“Ich bin nicht naiv, ich weiß, dass es Widerstand geben wird”.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass die meisten Staatsbediensteten danach streben, im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit zu arbeiten. Ihm zufolge ist das System nicht gleichbedeutend mit dem Volk, und viele ehrliche Fachleute arbeiten auch heute noch in Ungarn.

Seiner Meinung nach steht 2026 auf dem Spiel, ob ein Kapitel in der Geschichte Ungarns friedlich und verfassungsgemäß abgeschlossen werden kann.

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