Budapests S-Bahn-Projekt bekommt endlich grünes Licht – doch Kritiker sagen, das Upgrade sei in Wahrheit ein Rückschritt

Ein lang erwarteter Ausbau des Budapester Vorortbahnnetzes kommt endlich voran: Die Regierung hat die Renovierung der HÉV-Linie Szentendre (H5) genehmigt und die “Rationalisierung des technischen Inhalts des Projekts” beschlossen.

Fortschritte angekündigt – aber nicht alles läuft nach Plan

Laut einem in der Magyar Közlöny veröffentlichten Regierungsdekret kann das öffentliche Vergabeverfahren für den Bau nun beginnen. In dem Dokument werden jedoch keine genauen Fristen oder Gesamtinvestitionskosten genannt.

János Lázár, Minister für Bau und Verkehr, hatte bereits im Sommer versprochen, dass die Linie H5 die erste sein würde, die einer kompletten Überholung unterzogen wird, einschließlich der Gleise und der Bahnhöfe.

Die MÁV (Ungarische Staatsbahn) plant die Anschaffung von 54 neuen, modernen Niederflurzügen, von denen die ersten 18 bis Ende 2029 eintreffen sollen.

Das Projekt wird auch mit EU-Mitteln gefördert, was die Einhaltung der Fristen besonders wichtig macht. Laut Zsolt Hegyi, dem Vorstandsvorsitzenden der MÁV, könnte dies ein wichtiger Meilenstein sein, da die Szentendre-Linie eine der meistbefahrenen Vorortbahnstrecken Ungarns ist.

Dávid Vitézy zeigt sich besorgt über die Budapester Vorortbahnen

Wie Infostart berichtet, hat die Ankündigung jedoch eine erhebliche Kontroverse ausgelöst. Dávid Vitézy, ehemaliger Staatssekretär für Verkehr und ehemaliger Leiter des Budapester Entwicklungszentrums, kritisierte die Entscheidung und argumentierte, dass die so genannte “Rationalisierung” in Wirklichkeit eine Verschlechterung bedeutet. Die neuen Züge seien kürzer, hätten weniger Sitze und Türen, seien aber teurer.

Vitézy wies darauf hin, dass die vorherige Ausschreibung 120 Meter lange Züge für 700 Fahrgäste vorsah, während der neue Plan nur 110 Meter lange Einheiten mit Platz für 650 Fahrgäste vorsieht – und das zu 17% höheren Kosten.

Weniger Türen, mehr Probleme

Auch die Anzahl der Türen ist zu einem Streitpunkt geworden. MÁV benötigt jetzt nur noch 12 Türen pro Seite statt der bisherigen 18, was laut Vitézy das Ein- und Aussteigen der Passagiere erheblich verlangsamen wird. Dies könnte sich als besonders problematisch erweisen, wenn die Budapester Vorortbahnlinien später durch Tunnel an das Budapester U-Bahn-Netz angeschlossen werden.

Weitere Ungewissheit herrscht über den Umfang des Projekts, da die aktuelle Ausschreibung nur die Linie H5 umfasst, während die Modernisierung der Linien Ráckeve und Csepel auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Experten warnen, dass dies die langfristigen Pläne zur Integration des HÉV-Systems in das nationale Eisenbahnnetz behindern könnte – ein Schritt, der für die Verbesserung der Servicefrequenz auf den Vorortlinien nach Belgrad und Esztergom entscheidend sein könnte.

Vitézy sagt, das sei fahrlässig

Vitézy bezeichnete das Vorgehen der Regierung als “fahrlässig”, kommentierte er: “Sie entscheiden über die Zukunft einer Infrastruktur, die Hunderttausende von Pendlern betrifft, mit ein paar Zeilen in einem nächtlichen Regierungsdekret.” Seiner Ansicht nach verbirgt sich hinter dem Begriff “Rationalisierung” lediglich eine Verkleinerung der Entwicklungspläne.

Während der Start der Ausschreibung unbestreitbar einen Fortschritt darstellt, bleiben viele skeptisch, ob die Linie H5 HÉV bis 2029 wirklich erneuert wird – und ob die anderen Linien jemals folgen werden.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *