100.000 Ausländer leben in Ungarn, während 10.000 Ungarn das Land verlassen: Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?

Die ungarische Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verändert: Während immer mehr ausländische Staatsangehörige ins Land kommen, um zu arbeiten oder sich niederzulassen, entscheiden sich viele junge Ungarn dafür, ihre Zukunft im Ausland aufzubauen. Nach neuen Daten des Ungarischen Statistischen Zentralamtes (KSH) lebten Anfang 2025 mehr als 255.000 ausländische Staatsbürger in Ungarn – während 2024 über 41.000 Ungarn das Land dauerhaft verließen. Dies wirft eine immer drängendere Frage auf: Können ausländische Arbeitskräfte die einheimischen Arbeitskräfte, die Ungarn verliert, ersetzen?
Mehr als eine Viertelmillion Ausländer in Ungarn
Am 1. Januar 2025 lebten nach Angaben der KSH 255.443 ausländische Staatsbürger in Ungarn. Die meisten kamen aus Europa (135.000) und Asien (fast 100.000). Zu den größten Gemeinschaften gehören:
| Land | Anzahl der Menschen |
|---|
| Deutschland | 25,381 |
| China | 24,343 |
| Ukraine | 20,458 |
| Vietnam | 17,871 |
| Slowakei | 17,124 |
| Rumänien | 15,566 |
Darüber hinaus ist eine beträchtliche Anzahl von Menschen aus Indien, Südkorea und der Türkei gekommen. Obwohl afrikanische und amerikanische Staatsangehörige kleinere Gemeinschaften bilden, leben laut Pénzcentrum immer noch mehr als 3.000 US-Bürger in Ungarn.

Wachsende Zahl von Ausländern in der Arbeitswelt
Etwa 40% der ausländischen Bürger in Ungarn – insgesamt 100.643 Personen – sind erwerbstätig.
Unter den ausländischen Arbeitnehmern stellen vietnamesische Staatsangehörige die größte Gruppe (13.418), gefolgt von:
- Ukrainern (11.999)
- Rumänen (9.540)
- Chinesische Staatsbürger (5.906)
- Inder (5.092)
Die Rolle der asiatischen Arbeitnehmer nimmt eindeutig zu, was vor allem auf den Arbeitskräftemangel in der Industrie und im Dienstleistungssektor zurückzuführen ist. Viele Produktions-, Logistik- und Verarbeitungsunternehmen sind heute stark auf sie angewiesen, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten.
Im Jahr 2024 haben über 41.000 Ungarn das Land verlassen.
Gleichzeitig bleibt die Auswanderung erheblich. Im Jahr 2024 zogen 41.294 ungarische Staatsbürger ins Ausland, vor allem aus der Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen – also viele junge, aktive und oft gut ausgebildete Arbeitnehmer.
Zu den beliebtesten Zielländern gehören:
| Land | Anzahl der Auswanderer (2024) |
|---|---|
| Österreich | 22,864 |
| Deutschland | 7,887 |
| Großbritannien, die Niederlande, die Schweiz insgesamt | ~4,200 |
Fast 60% der Auswanderer sind zwischen 20 und 39 Jahre alt – genau die Altersgruppe, die die zukünftigen Arbeitskräfte des Landes darstellt.

Was geschieht mit Ungarns Bevölkerung?
Die Trends sind eindeutig:
- Ungarn verliert einen großen Teil seiner jungen Arbeitskräfte, die im Ausland bessere Chancen suchen.
- Ihre Stellen werden zunehmend von Arbeitnehmern aus Asien und Osteuropa besetzt, insbesondere in der Industrie und im Dienstleistungssektor.
- Die soziale und wirtschaftliche Struktur des Landes verändert sich rapide, was langfristig nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern auch das Bildungs- und Gesundheitswesen und das gesellschaftliche Leben umgestalten wird.
Was bedeutet das für das tägliche Leben?
- Die Industrie und die Logistikbranche sind heute stark von ausländischen Arbeitskräften abhängig.
- Die Arbeitsplätze werden immer mehrsprachiger und multikultureller, was sowohl von den Arbeitgebern als auch von den Arbeitnehmern eine Anpassung erfordert.
- Gleichzeitig werden die ungarischen Familien und Gemeinschaften durch die Auswanderung zersplittert.
Experten warnen, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird, wenn Ungarn nicht in der Lage ist, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für junge Menschen zu schaffen – und dass es dem Land schwer fallen wird, die Abwanderer zu ersetzen.

