Wizz Air eröffnet eine staatlich geförderte slowakische Inlandsverbindung

Die beiden größten Städte der Slowakei sind nach mehr als sechs Jahren wieder auf dem Luftweg miteinander verbunden. Wizz Air hat am Freitagmorgen die neue Verbindung Bratislava-Košice aufgenommen. Die staatlich geförderte Strecke soll die inländische Mobilität verbessern, wirft aber auch ein Schlaglicht auf jahrzehntelange Mängel in der slowakischen Straßen- und Schieneninfrastruktur.
Eine neue tägliche Verbindung mit starker frühzeitiger Nachfrage
Die ungarische Billigfluggesellschaft hat eine staatliche Ausschreibung für den Betrieb der rund 400 Kilometer langen Verbindung mit einem Airbus A321 mit 239 Sitzplätzen gewonnen. Die Verbindung wird täglich angeboten, mit zwei Flügen montags und freitags und einem Flug an allen anderen Tagen. Die Preise für einen Flug beginnen bei etwa 20 EUR pro Strecke, schreibt G7.
Der Eröffnungsflug von Košice nach Bratislava startete mit 233 Passagieren, die nach Angaben des Flughafens Košice 97% der Plätze belegten. Die Buchungen sind nach wie vor gut, rund 80% der Tickets für die kommenden Wochen sind bereits verkauft.
Der slowakische Verkehrsminister Jozef Ráž (Smer-SD) begrüßte die Entwicklung und bezeichnete sie als die Erfüllung seines Versprechens: “Zum ersten Mal seit mehr als sechs Jahren haben die beiden größten Städte der Slowakei wieder eine Flugverbindung. Es ist eine schnelle und sichere Möglichkeit, von einem Ende des Landes zum anderen zu reisen.”
Die Verantwortlichen des Flughafens gehen davon aus, dass die Flüge vor allem Geschäftsreisenden und Menschen, die ihre Familie besuchen, zugute kommen werden, aber sie erwarten auch einen Schub für den Inlandstourismus.

Warum 400 km fliegen? Die Antwort liegt in der Geschichte und den Verzögerungen in der Infrastruktur
Die neue Strecke ist nicht nur ein Mobilitätsprojekt – sie ist ein Symptom für langjährige Herausforderungen im Verkehrsbereich, die weit vor der Unabhängigkeit der Slowakei zurückreichen.
Mehr als 150 Jahre lang haben verschiedene Staatsorgane das Verkehrsnetz der Region nach unterschiedlichen politischen Prioritäten gestaltet. Seit 1993 sind große Verkehrsprojekte mit geländebedingten Schwierigkeiten sowie politischen, rechtlichen und korruptionsbedingten Streitigkeiten konfrontiert, die den Fortschritt verlangsamen.
Die Autobahn D1, die Bratislava mit Košice verbinden soll, ist seit 1972 im Bau, doch ihre vollständige Fertigstellung lässt noch Jahre auf sich warten. Der schwierigste Abschnitt – zwischen Turany und Hubová, der mehrere Tunnel erfordert – wurde erst im letzten Sommer ausgeschrieben. Die Regierung hofft nun, die Autobahn bis 2030 fertigstellen zu können, während die staatliche Unterstützung für die Flugstrecke bis 2028 läuft.
Der Bahn geht es nicht besser. Die slowakische Eisenbahngesellschaft hat den InterCity-Service Bratislava-Košice vor einem Jahr eingestellt; die Fahrt dauerte zuvor 4 Stunden 45 Minuten. Ein früherer Versuch, die Städte auf dem Luftweg zu verbinden – eine von der ČSA betriebene Verbindung Prag-Košice mit Zwischenstopp in Bratislava – scheiterte bis 2019 an der mangelnden Rentabilität.

Umweltfragen und Zweifel an der Zeitersparnis
Obwohl der Flug selbst nur 50 Minuten dauert, bleibt die Reisezeit von Tür zu Tür aufgrund von Flughafentransfers und Sicherheitskontrollen deutlich länger. Dies wirft die Frage auf, ob die Strecke auf lange Sicht realistisch mit verbesserten Bahnverbindungen konkurrieren kann.
Auch ökologische Bedenken sind nicht von der Hand zu weisen: Die Bevorzugung von Inlandsflügen gegenüber Investitionen in den Schienenverkehr steht im Widerspruch zu den umfassenderen europäischen Klimazielen. Ähnliche Kurzstreckenflüge gibt es auch anderswo in Europa – wie z.B. Wien-Graz – aber diese sind oft auf die Unterstützung von Langstreckenverbindungen und nicht auf die Mobilität im Inland ausgerichtet.
Eine strategische Änderung für Wizz Air
Die Strecke passt zu der breiteren strategischen Ausrichtung von Wizz Air. Die Fluggesellschaft wird im nächsten Jahr ihre Basis in Wien schließen und ihre Ressourcen nach Bratislava verlagern und hat bereits ihr Joint Venture in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgelöst. Die Fluggesellschaft konzentriert sich auf Mittel- und Osteuropa sowie auf Flughäfen mit niedrigeren Betriebskosten und bereitet sich gleichzeitig auf die Erweiterung ihrer Flotte auf 250 Flugzeuge vor.
András Szabó, der Netzwerkchef von Wizz Air, bezeichnete die neue Strecke als “wichtigen Schritt zur Verbesserung der inländischen Flugverbindungen” und betonte, dass die Fluggesellschaft “stolz darauf ist, Teil dieser Entwicklung zu sein”.
Auch der Direktor des Flughafens Košice, Thomas Dworschak, begrüßte die Eröffnung: “Dies ist ein großer Sprung für die Mobilität – nicht nur für Geschäftsreisende und Studenten, sondern auch für Familienbesuche und Inlandstourismus.”

Politische Unterstützung und regionale Erwartungen
Führende slowakische Politiker waren bei den ersten Flügen schnell zur Stelle. Parlamentssprecher Richard Raši (Hlas-SD) lobte die Investition und wies darauf hin, dass viele Ostslowaken regelmäßig aus beruflichen oder administrativen Gründen nach Bratislava reisen.
Regionale Entscheidungsträger in Košice äußerten sich ebenfalls optimistisch und argumentierten, dass die Strecke dazu beitragen könnte, die wirtschaftliche Aktivität im Osten des Landes anzukurbeln, der weiterhin hinter der Hauptstadt zurückbleibt.

