Regierungsnahe Medien stellen Deutschland zunehmend als Ungarns neuen politischen Feind dar

In den letzten Monaten haben mehrere regierungsnahe ungarische Medien und Kommentatoren damit begonnen, Deutschland nicht als einen wichtigen europäischen Partner, sondern als eine feindliche politische Kraft darzustellen, die gegen Ungarns Interessen arbeitet. Durch nachrichtendienstliche Behauptungen, Energiestreitigkeiten und eine zunehmend scharfe Rhetorik wird Berlin als externer Akteur dargestellt, der sich in die Innenpolitik einmischt und sich mit Kiew verbündet, um Budapest unter Druck zu setzen.

Artikel, die von regierungsnahen Plattformen wie Mandiner und Index veröffentlicht wurden, legen nahe, dass deutsche Mittelsmänner eine Rolle dabei spielten, die oppositionelle Theiß-Partei über die angebliche Entscheidung der Ukraine zu informieren, die Öllieferungen durch die Druschba-Pipeline nicht wieder aufzunehmen. Diesen Berichten zufolge hat der Parteivorsitzende Péter Magyar seine Bereitschaft signalisiert, Ungarns Abhängigkeit von billiger russischer Energie zu beenden, falls er gewählt wird.

Beide Medien stützen sich stark auf Geheimdienstberichte, die für die ungarische Regierung erstellt wurden. Diese Berichte implizieren, dass die Entscheidungen der Ukraine politisch motiviert waren und dass Deutschland als Vermittler fungierte. Die zugrundeliegende Botschaft ist, dass Berlin nicht als neutraler EU-Partner dargestellt wird, sondern als Förderer von Maßnahmen, die Ungarns Energiesicherheit schwächen könnten.

Vom Partner zum Widersacher

Der Ton in den Meinungsbeiträgen und Kommentaren ist noch konfrontativer geworden. Mária Schmidt, eine prominente konservative Historikerin und Verbündete der Regierung, erklärte kürzlich in den sozialen Medien, dass “die Deutschen Russland den Krieg erklärt haben” und deutete an, dass Berlin Europa in eine gefährliche Konfrontation hineinzieht. In einem längeren Essay mit dem Titel Deutschland, Deutschland unter Alles, zeichnet sie das moderne Deutschland als arrogant, moralisch heuchlerisch und historisch unzuverlässig.

Sie beschuldigt Deutschland, Ungarn sowohl politisch als auch kulturell zu untergraben, während sie Berlins Unterstützung für die Ukraine als rücksichtslosen Militarismus charakterisiert. Der Text impliziert wiederholt, dass die deutsche Führung die Vorherrschaft über Europa anstrebt und kleinere Mitgliedsstaaten unter Druck setzt, damit sie sich fügen.

Sicherheitskonferenz und politische Symbolik

Die Kritik verschärfte sich nach Äußerungen, die deutschen Politikern auf der Münchner Sicherheitskonferenz zugeschrieben werden, wo deutsche Politiker Berichten zufolge Hoffnungen auf einen politischen Wandel in Ungarn äußerten. Berichte brachten diese Äußerungen mit Friedrich Merz in Verbindung, der in ungarischen regierungsnahen Medien als Befürworter einer Konfrontation mit Russland und eines stärkeren europäischen militärischen Engagements dargestellt wurde.

Auf diese Weise wird Deutschland nicht nur als ideologischer Gegner dargestellt, sondern auch als aktiver Unterstützer der ungarischen Opposition und als Bedrohung der ungarischen Souveränität.

Eine Verschiebung des Narrativs

Die zunehmend feindselige Darstellung markiert einen bemerkenswerten Wandel. Seit Jahren ist Deutschland einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Ungarns, mit engen Handels- und Industriebeziehungen, insbesondere im Automobilsektor. Die jüngste Berichterstattung deutet jedoch auf ein bewusstes politisches Narrativ hin: Berlin wird als Teil eines größeren westlichen Blocks dargestellt, der Ungarn wegen der Energiepolitik, der Ukraine und der EU-Anpassung unter Druck setzt.

Analysten sagen, dass diese Rhetorik zu einer bekannten Kommunikationsstrategie passt. Durch die Identifizierung externer Gegner (ob Brüssel, Washington oder jetzt Berlin) können regierungsfreundliche Medien innenpolitische Auseinandersetzungen als Angelegenheiten der nationalen Souveränität darstellen.

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