Ungarn könnte Milliarden Euro erhalten, wenn die EU ihre Grenzhilfe für Kriegsgebiete ausweitet

Die Europäische Kommission richtet eine neue Finanzierungsplattform mit dem Namen EastInvest Facility ein, um den Zugang zu Finanzmitteln für die an Russland, Weißrussland und die Ukraine angrenzenden EU-Regionen zu erleichtern.
Das Programm ist ein zentraler Pfeiler der neuen Oststrategie der EU, die auf die erhöhten wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken nach dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zurückzuführen ist.
Nach Angaben der EU sind die Grenzregionen besonders stark von Handelsunterbrechungen, dem Rückgang des grenzüberschreitenden Verkehrs und dem demografischen Druck betroffen, so dass eine gezielte Unterstützung notwendig ist.
Mehrere große internationale Finanzinstitutionen unterstützen EastInvest mit vereinten Kräften, darunter
- Die Europäische Investitionsbank (EIB)-Gruppe
- Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
- Nordische Investitionsbank
- Entwicklungsbank des Europarats
Die Teilnehmer schätzen, dass das Instrument mindestens 28 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen in den östlichen Regionen mobilisieren könnte.
Der Zeitpunkt der Initiative spiegelt den wachsenden Druck wider, dem die östlichen Grenzregionen in den letzten zwei Jahren ausgesetzt waren. In mehreren Gebieten ist der grenzüberschreitende Handel zurückgegangen, die Transportkosten sind gestiegen und die Abwanderung hat sich beschleunigt.
Die Kommission warnt davor, dass diese Trends längerfristig die innere Stabilität der Union erheblich schwächen könnten, weshalb ein gezieltes Finanzinstrument für notwendig erachtet wurde.
Grenzsicherheit ebenfalls im Fokus
Neben der wirtschaftlichen Unterstützung umfasst die Strategie auch die Europäische Drohnenmauer-Initiative, die darauf abzielt, die Überwachung und den Schutz entlang der östlichen Grenzen durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien zu verstärken.

Foto: Europäische Union
Das Paket unterstützt auch die Integration des baltischen Stromsystems in das breitere europäische Netz, was Brüssel als entscheidend für die Energiesicherheit ansieht. Besondere Aufmerksamkeit wird auch den sozialen Herausforderungen der Grenzregionen gewidmet, wobei sich die Bemühungen auf die Verbesserung von Bildung und Beschäftigung konzentrieren, um den Bevölkerungsrückgang und den wirtschaftlichen Rückstand abzumildern.
Auch ungarische Projekte könnten an Dynamik gewinnen
Neun Mitgliedstaaten sind an dem Programm beteiligt: Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Eines der wichtigsten Merkmale des Programms ist, dass es den Zugang zu Darlehen und Beratungsleistungen in Grenzgebieten vereinfacht.
In der Praxis könnte dies ungarische Gemeinden, staatliche Investoren und Unternehmen in die Lage versetzen, Infrastruktur-, Wirtschaftsentwicklungs- und sogar sicherheitsrelevante Projekte leichter zu starten.
Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass es sich bei EastInvest grundsätzlich um ein Finanz- und Kreditinstrument und nicht um ein traditionelles, nicht rückzahlbares Zuschussprogramm handelt. Das bedeutet, dass die Projekte finanziell tragfähig sein müssen und ein erheblicher Teil der Mittel in rückzahlbarer Form bereitgestellt wird.
Eine wichtige Frage in der kommenden Zeit wird sein, wie schnell und effektiv die ungarischen Entwicklungsakteure Projekte vorbereiten können, da dies über den Anteil des Landes an dem 28 Milliarden Euro umfassenden Investitionspool entscheiden wird.
In der Zwischenzeit prägen die Spannungen rund um den Krieg in der Ukraine weiterhin die europäische Politik – lesen Sie unseren neuesten Artikel über Viktor Orbáns Kritik an von der Leyen und Selenskyj.

