Österreich als Innovationsstandort: Ungarische Unternehmen rücken stärker in den Fokus

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Österreich positioniert sich zunehmend als Innovationszentrum in Europa, wobei ungarische Unternehmen eine immer wichtigere Rolle spielen. Das und vieles mehr wurde auf der Veranstaltung „Österreich als Innovationsstandort – Möglichkeiten für ungarische Unternehmen“ deutlich.
Die von ADVANTAGE AUSTRIA, der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer Österreich, organisierte Veranstaltung fand am 17. März im Gebäude der Raiffeisen Bank Ungarn statt. Aufgrund der hohen Nachfrage war die Veranstaltung bereits im Vorfeld vollständig ausgebucht.
Eröffnung und Einblicke aus der Praxis
Der Abend wurde durch eine Rede von Philipp Schramel, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Budapest, eröffnet. In seiner Ansprache betonte er die zunehmende Bedeutung ungarischer Investoren für den Wirtschaftsstandort Österreich. Diese Entwicklung wird auch durch aktuelle Zahlen der staatlichen Agentur ABA-Invest unterstrichen: Im Jahr 2025 lag Ungarn, was die Anzahl der realisierten Projekte betrifft, erstmals auf Platz zwei der wichtigsten Herkunftsländer – direkt hinter Deutschland und vor Ländern wie Italien, den USA oder der Schweiz. Innerhalb Mittel- und Osteuropas ist Ungarn damit das führende Herkunftsland für neue Investitionsprojekte in Österreich.

Die Entwicklung zeigt einen klaren Trend: Im Jahr 2022 lag die Zahl der ungarischen Investitionsprojekte in Österreich noch auf 12, 2025 waren es bereits 24. Zu den jüngsten Investitionen zählen unter anderem Hifly Labs, Finta Studio und Softic Solutions.
Präsentationen der Standortagenturen
Im Anschluss präsentierten Vertreter verschiedener nationaler und regionaler Agenturen ihre Unterstützungsangebote für Unternehmen, die in Österreich tätig werden möchten. Vertreter der Austrian Business Agency, der Vienna Business Agency, von ecoplus (Niederösterreich) sowie BABEG (Kärnten) stellten ihre jeweiligen Programme, Fördermöglichkeiten und Standortvorteile vor. Dabei wurde betont, dass die Agenturen Unternehmen nicht nur bei der Neugründung, sondern auch bei der Übernahme bestehender Betriebe unterstützen können, da aufgrund des demografischen Wandels das Interesse an Unternehmensnachfolgen derzeit besonders hoch sei – ein Aspekt, der für Einsteiger aus Ungarn durchaus Potenzial hätte. Auch diesbezüglich können sich Interessenten sowohl von den nationalen als auch den regionalen Agenturen kostenlos beraten lassen.
Ungarische Unternehmen berichten über Expansion
Neben den institutionellen Einblicken kamen auch Unternehmen selbst zu Wort. Vertreter von Finta Studio und Hifly Labs präsentierten ihre Erfahrungen mit der Expansion nach Österreich und gaben Einblicke in ihre Motivation sowie die ersten Schritte am neuen Standort. Dabei hoben sie Österreich als strategisches Tor zur DACH-Region hervor, lobten aber auch die wirtschaftliche Stabilität des Landes und den starken Wettbewerb als positive Herausforderung. Beide Unternehmen wurden von der Austrian Business Agency bei ihrem Start unterstützt, was ihrer Meinung nach insbesondere bei der juristischen und steuerlichen Expertise, aber auch bei dem Knüpfen erster Kontakte hilfreich, teilweise aber sogar unerlässlich gewesen sein soll. Im weiteren Verlauf wurden zudem die AI Factory Austria, die unter anderem kostenlose Beratung zur Nutzung von künstlicher Intelligenz für Unternehmen anbietet, sowie der Pharmapark Orth und seine Standortvorteile vorgestellt.
Anschließend erläuterten Experten steuerliche und rechtliche Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten zwischen Ungarn und Österreich – ein zentraler Aspekt für viele Unternehmen bei der Standortentscheidung, woraufhin als Abschluss die Möglichkeit zum persönlichen Austausch bestand.

Österreich setzt auf Industrie und Innovation
Die Veranstaltung machte auch die wirtschaftspolitischen Ziele Österreichs deutlich. Mit der Industriestrategie 2035 verfolgt das Land das Ziel, seine industrielle Basis zu stärken und langfristig zu den zehn wettbewerbsfähigsten Industrienationen weltweit zu gehören. Die Strategie umfasst unter anderem:
- Investitionen von rund 2,6 Milliarden Euro in Schlüsseltechnologien
- Fokus auf Bereiche wie künstliche Intelligenz, Halbleiter, Robotik und Biotechnologie
- Maßnahmen zur Förderung von Innovation, Fachkräften und nachhaltiger Produktion
- insgesamt 117 Maßnahmen in sieben zentralen Handlungsfeldern.
Parallel dazu zeigt sich eine zunehmende Dynamik bei Unternehmensgründungen. Im Jahr 2025 wurden rund 40.000 neue Unternehmen in Österreich registriert, ein Anstieg von über 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Wachsende Gründungsdynamik
Auch energiepolitisch sind Maßnahmen geplant: Ab 2027 soll ein geförderter Industriestrompreis eingeführt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Verbesserte Rahmenbedingungen wie digitale Gründungsprozesse, klarere Regulierung und bessere Finanzierungsmöglichkeiten tragen dazu bei, wobei auch die neue Rechtsform der „FlexCo“ – eine Alternative zur „klassischen” GmbH – wird zunehmend genutzt.
Enge wirtschaftliche Verflechtung
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn bleiben also eng. Über 1.300 Unternehmen in Österreich haben ungarische Eigentümer, während das Volumen ungarischer Direktinvestitionen in Österreich mehrere Milliarden Euro erreicht. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Österreich für ungarische Unternehmen zunehmend als Standort für Innovation, Expansion und internationale Vernetzung an Bedeutung gewinnt, sodass der österreichische Markt für ungarische Unternehmer viel zu bieten hat.
Mehr Einblicke in die ersten Monate von Hifly Labs und Finta Studio folgen demnächst in einem Interview.
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