Ehemaliger polnischer Geheimdienstchef nennt Orbán und Szijjártó “russische Agenten”

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Unmittelbar vor dem Urnengang in Ungarn wurden Premierminister Viktor Orbán und Außenminister Péter Szijjártó von einer der bislang schärfsten Anschuldigungen in der seit langem andauernden Debatte über Budapests Beziehungen zu Russland getroffen.

Ehemaliger Geheimdienstchef: Orbán und Szijjártó “russische Agenten”

In einem Interview mit dem polnischen Magazin Onet sagte der ehemalige Chef des polnischen Geheimdienstes Andrzej Derlatka, dass “die Dinge beim Namen genannt werden müssen” und behauptete, sowohl Orbán als auch Szijjártó hätten als “russische Agenten” gehandelt. Die Äußerungen wurden später von Telex hervorgehoben.

Derlatka, der zuvor auch als polnischer Botschafter in Südkorea und im NATO-Hauptquartier tätig war, sagte, er sei “entsetzt” über das, was er in Ungarn beobachtet habe. Die größte Sorge bereiten ihm die wiederholten Berichte, wonach sensible Informationen der Europäischen Union und der NATO an Moskau weitergegeben worden sein könnten. Er argumentierte, dass solche Anschuldigungen, wenn sie wahr sind, nicht nur eine politische Ausrichtung, sondern eine zutiefst beunruhigende Sicherheitsfrage für Ungarns Verbündete darstellen würden.

Orbán and Putin in Moscow Russia
Viktor Orbán und Wladimir Putin. Foto: Facebook/Orbán Viktor

Die Sicherheitsbedenken der NATO und der EU stehen wieder im Rampenlicht

In den letzten Wochen haben mehrere Indizien und Medienrecherchen darauf hingedeutet, dass Szijjártó regelmäßig telefonische Konsultationen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow führte, auch während der Pausen sensibler EU-Treffen. In einem Bericht wurde behauptet, dass der ungarische Außenminister sogar angeboten hat, interne EU-Dokumente an Moskau weiterzuleiten.

Diese Bedenken beschränken sich nicht mehr nur auf die Presse. Jüngsten Berichten zufolge, die von Telex zitiert werden, haben EU-Beamte zunehmend versucht, Ungarn von den heikelsten Verhandlungen fernzuhalten, aus Sorge, dass vertrauliche Gespräche nach Russland durchsickern könnten.

Derlatka sagte, seine eigenen Erfahrungen innerhalb der NATO machten die Anschuldigungen besonders alarmierend. Er erinnerte an die strengen Sicherheitsprotokolle bei Bündnistreffen, bei denen Mobiltelefone konfisziert und die Räume routinemäßig nach Abhörgeräten durchsucht wurden. Vor diesem Hintergrund sei die Vorstellung, dass sensible Informationen innerhalb der Allianz an Moskau weitergegeben werden könnten, äußerst beunruhigend.

Fragen zu Szijjártós wiederholten Minsk-Besuchen aufgeworfen

Einer der auffälligsten Teile von Derlatkas Kommentaren betraf Szijjártós wiederholte Reisen nach Minsk.

Der polnische Ex-Spionagechef sagte, er könne keinen offensichtlichen wirtschaftlichen, politischen, militärischen oder kulturellen Grund dafür erkennen, dass der ungarische Außenminister Belarus bei fünf verschiedenen Gelegenheiten besucht habe. Er stellte offen in Frage, wen Szijjártó getroffen haben könnte und warum diese Besuche überhaupt notwendig waren.

Seine Bemerkungen erinnern an frühere Untersuchungen über die ungewöhnlich aktiven diplomatischen Kanäle Budapests sowohl mit Weißrussland als auch mit Russland, insbesondere zu einer Zeit, als die meisten EU-Regierungen Minsk wegen seiner Unterstützung für den Kreml und seiner Rolle im Krieg in der Ukraine isolierten.

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Szijjártó in Minsk, Belarus, im Jahr 2024. Foto: Facebook/Szijjártó Péter

Ein weiterer Schlag vor dem Wahltag

Der Zeitpunkt von Derlatkas Erklärung könnte politisch kaum heikler sein.

Heute finden die ungarischen Parlamentswahlen statt und Orbáns Fidesz-Regierung steht bereits unter starkem Druck durch die jüngsten Lecks, in die Moskau verwickelt ist, durch Berichte über das Interesse des russischen Geheimdienstes am Wahlkampf und durch die wachsende Kritik der europäischen Partner.

Während die ungarische Regierung die jüngsten Indiskretionen stets als Einmischung ausländischer Geheimdienste und politisch motivierte Einmischung in den Wahlkampf abgetan hat, werden die neuen Anschuldigungen eines hochrangigen ehemaligen polnischen Geheimdienstmitarbeiters die Angriffe der Opposition in den letzten Stunden des Wahlkampfes wahrscheinlich noch verstärken.

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