KI-Assistent für jeden Ungarn? Die Tisza-Regierung verspricht einen digitalen Staat

Künstliche Intelligenz spielt eine zentrale Rolle im neuen Programm der Tisza-Regierung. Zu den Plänen gehört die Schaffung eines staatlichen Systems, das die Verwaltung schneller und einfacher machen könnte, während KI die Ungarn in mehreren Bereichen des täglichen Lebens unterstützen könnte.
“Ich möchte ein Ministerium aufbauen, das in der Lage ist, Ungarn in die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts zu fliegen”, sagte der künftige Technologieminister Zoltán Tanács am Montag bei einer Anhörung des Parlamentsausschusses für Digitalisierung und Technologie.
Nach Tiszas Vision könnte künstliche Intelligenz nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch im Gesundheits- und Bildungswesen eine wichtige Rolle spielen. Den Plänen zufolge könnte KI Bürokratie abbauen, den Bürgern bei der Navigation durch staatliche Systeme helfen und personalisierte digitale Dienstleistungen ermöglichen.
“Wir werden für jeden ungarischen Bürger einen persönlichen Assistenten mit künstlicher Intelligenz entwickeln, der das Gesundheits- und Bildungswesen sowie die elektronische Verwaltung unterstützt”, heißt es im TISZA-Programm.
Das Programm der Partei mit dem Titel Grundlagen eines funktionalen und humanen Ungarn diskutiert die Rolle der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz im Detail. Dem Dokument zufolge könnten Zehntausende von Mitarbeitern des öffentlichen Sektors in der praktischen Anwendung von KI-Tools geschult werden.
Inzwischen ist die Website des von Zoltán Tanács geleiteten Ministeriums für Wissenschaft und Technologie bereits auf dem Regierungsportal verfügbar.
KI könnte auch das Gesundheitswesen verändern
In dem Programm wird gesondert hervorgehoben, dass die Grundlagen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Ungarn bereits vorhanden sind, dass aber die derzeitigen Systeme die Möglichkeiten der modernen Technologie nicht voll ausschöpfen. Dem Dokument zufolge fungiert der Elektronische Gesundheitsdienst (EESZT) derzeit hauptsächlich als Archiv und unterstützt nicht effektiv die Entscheidungsfindung oder das Management von Patientenpfaden.
Tisza argumentiert, dass die Ärzte derzeit mit einem übermäßigen Verwaltungsaufwand konfrontiert sind, der mit künstlicher Intelligenz deutlich reduziert werden könnte. In dem Programm werden auch Plattformen zur Selbstbedienung der Patienten und personalisierte digitale Gesundheitslösungen erwähnt.
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Wie realistisch ist ein persönlicher KI-Assistent?
Ungarn betreibt bereits mehrere relativ fortschrittliche digitale staatliche Systeme. Das bedeutet, dass die Grundlagen für eine digitalere Verwaltung weitgehend vorhanden sind.
In den letzten Jahren sind mehrere Verwaltungsdienste online gegangen, darunter:
- Ügyfélkapu und das Programm für digitale Staatsbürgerschaft,
- elektronische Rezepte und die Gesundheitsplattform EESZT,
- Online-Terminbuchung für verschiedene staatliche Dienstleistungen,
- die elektronische Steueranmeldung und die digitale Verwaltung des NAV,
- sowie die Online-Verwaltung verschiedener amtlicher Dokumente und Verwaltungsverfahren.
Nach den Indikatoren der Europäischen Kommission zur Messung der digitalen Entwicklung liegt Ungarn jedoch immer noch hinter dem EU-Durchschnitt zurück, vor allem bei der Digitalisierung der Unternehmen und den digitalen Kompetenzen. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass die praktische Nutzung dieser Systeme nach wie vor uneinheitlich ist.
Viele Unternehmen, vor allem kleinere Unternehmen, modernisieren ihre internen digitalen Systeme noch immer nur langsam. Außerdem tut sich ein Teil der Bevölkerung immer noch schwer mit der Online-Verwaltung, so dass das volle Potenzial digitaler Dienste oft ungenutzt bleibt.
Trotz der laufenden Digitalisierungsbemühungen ist die persönliche Verwaltung in Ungarn nach wie vor sehr beliebt: Im Jahr 2025 bearbeiteten die staatlichen Dienstleistungszentren 15,8 Millionen Fälle persönlich.
KI-basierte öffentliche Verwaltungssysteme würden noch komplexere Entwicklungen erfordern, insbesondere in den Bereichen Datenmanagement und Cybersicherheit, da ein persönlicher KI-Assistent potenziell hochsensible Informationen über die Bürger verarbeiten könnte.
Finnland und Dänemark testen ebenfalls mehrere KI-basierte Lösungen für die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen, darunter automatisierte Kundendienstsysteme, intelligente Dokumentationswerkzeuge und digitale Plattformen für das Patientenmanagement. Nach den Plänen von Tisza könnte Ungarn in den kommenden Jahren in eine ähnliche Richtung gehen, obwohl der Aufbau eines solchen Systems eine äußerst komplexe Aufgabe wäre.
Bislang enthält das Programm nur wenige konkrete Angaben dazu, wie der KI-Assistent in der Praxis funktionieren würde oder wie schnell diese Entwicklungen umgesetzt werden könnten. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie viel von dieser Vision des digitalen Staates schließlich in eine echte Verwaltungsreform in Ungarn umgesetzt werden kann.
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