Zahlreiche Ermittlungen rund um das BYD-Werk in Szeged: Sind Gastarbeiter und ungarische Subunternehmer gefährdet?

Das BYD-Werk in Szeged ist eine der größten chinesischen Investitionen im Automobilbereich in Europa, doch der Bau wurde in den letzten Monaten nicht nur durch sein rasantes Tempo überschattet, sondern auch durch tödliche und schwere Unfälle, polizeiliche Ermittlungen sowie die offensichtliche Missachtung von Arbeitsschutz- und Umweltvorschriften. Während die Bauarbeiten mit Hochdruck vorangetrieben werden, werden immer mehr Fragen laut, ob das Projekt unter angemessenen Sicherheitsbedingungen durchgeführt wird und wie chinesische Gastarbeiter sowie ungarische Subunternehmer auf der Baustelle behandelt werden.
Polizeiliche Ermittlungen in 29 Fällen im Umfeld des BYD-Werks
Laut „Magyar Hang“ ermittelt die Kriminalabteilung der Polizeidirektion des Komitats Csongrád-Csanád in insgesamt 29 Fällen im Zusammenhang mit dem BYD-Werk in Szeged. Die Verfahren wurden wegen des Verdachts auf eine Reihe von Straftaten eingeleitet und beziehen sich in mehreren Fällen auf Arbeitsbedingungen sowie Vorfälle während der Bauarbeiten.
Zwei tödliche Unfälle innerhalb weniger Monate
Die größte Besorgnis gilt den tödlichen Arbeitsunfällen. Innerhalb weniger Monate kamen zwei Arbeiter auf der Baustelle ums Leben. Der erste tödliche Vorfall ereignete sich bei Verladearbeiten und Kranarbeiten. Später kam ein weiterer chinesischer Arbeiter ums Leben, nachdem er auf der Baustelle von einem Lkw erfasst worden war.

Auch Fachverbände haben sich zu den beiden Tragödien geäußert. Ihrer Ansicht nach ist das Baugewerbe zwar von Natur aus eine gefährliche Branche, doch seien zwei tödliche Arbeitsunfälle innerhalb eines so kurzen Zeitraums selbst bei einem Projekt dieser Größenordnung höchst ungewöhnlich.
Sicherheitsbedenken
Abgesehen von den Todesfällen kam es auf der Baustelle zu weiteren Unfällen. Bei einem Vorfall wurden mehrere Personen bei einem Verkehrsunfall verletzt; bei einem anderen Vorfall erlitt ein Arbeiter schwere Verletzungen.

Angesichts der Sicherheitsrisiken fordern Berufsverbände strengere Arbeitsschutzkontrollen. Ihrer Ansicht nach ist es besonders wichtig, zu überprüfen, ob alle Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften während der Bauarbeiten eingehalten werden und ob die Überwachung der Arbeitsbereiche ausreichend ist.
Die Besorgnis wächst
Die Regierung Orbán hatte der BYD-Geschäftsführung zuvor versprochen, 10.000 Gastarbeiter für das Projekt zu vermitteln. Laut „Magyar Hang“ behandelt die BYD-Führung chinesische Gastarbeiter jedoch sehr schlecht. Die in New York ansässige Organisation „China Labor Watch“ gibt an, in Szeged Bedingungen festgestellt zu haben, die auf Zwangsarbeit hindeuten.
Einige Gastarbeiter sollen an allen sieben Tagen der Woche ohne einen einzigen freien Tag in Schichten von 9 bis 12 Stunden pro Tag gearbeitet haben. Dabei sollen sie die jährliche Überstundenobergrenze überschritten haben, doch niemand schien sich darum zu kümmern. Zudem wurde ein Teil ihres Lohns einbehalten. Viele verfügten nicht einmal über eine Arbeitserlaubnis für Ungarn. Es überrascht daher kaum, dass letzte Woche erneut Inspektoren auf dem Werksgelände gesichtet wurden.

Die Behörden haben zudem Ermittlungen wegen Verstößen gegen Umweltvorschriften eingeleitet. Sie stellten beispielsweise fest, dass humusreicher Mutterboden möglicherweise ohne die vorgeschriebenen Messungen und Meldungen vom Gelände abtransportiert und anschließend auf einer Fläche von 20 Hektar ausgebracht wurde. Auf 10 Prozent dieser Fläche wurde anschließend mit Alkylbenzolen kontaminierter Boden aufgeschüttet, was bedeutet, dass der betroffene Landwirt den dort angebauten Weizen vernichten muss. Dennoch wurde gegen BYD lediglich eine Geldstrafe in Höhe von 10 Millionen Forint verhängt.
„Magyar Hang“ hatte zuvor bereits berichtet, dass ungarische Subunternehmer von BYD nicht bezahlt wurden und daraufhin die Baustelle verlassen haben.
Szijjártó ist nun für BYD tätig
Letzte Woche gab Péter Szijjártó, der ehemalige Minister für auswärtige Angelegenheiten und Handel, bekannt, dass er seine Karriere als neuer globaler Leiter für Außenbeziehungen bei BYD fortsetzen werde. Szijjártó spielte eine entscheidende Rolle dabei, dass sich das Unternehmen überhaupt für Ungarn als Investitionsstandort entschied, und das Unternehmen erhielt zudem erhebliche staatliche Unterstützung. Da BYD vor einigen Monaten seinen europäischen Unternehmens- und Entwicklungssitz nach Budapest verlegt hat, wird Szijjártó keinen weiten Weg zur Arbeit zurücklegen müssen.

Magyar Hang weist jedoch darauf hin, dass ein solcher Wechsel nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst in Westeuropa streng reglementiert ist. „Wenn ein ehemaliger Staatsführer die Politik verlässt und unmittelbar danach für ein Unternehmen tätig wird, das großen Wert auf staatliche Verbindungen legt – tatsächlich das BYD-Werk in Szeged erhielt gerade während Szijjártós Amtszeit als Minister staatliche Fördermittel in Milliardenhöhe –, stellt dies ein ernstes Korruptionsrisiko und zugleich ein Problem des Interessenkonflikts dar“, fügte die Zeitung hinzu.

