Bericht: Die Orbán-Regierung hat innerhalb von 10 Monaten 705.000 Euro ins Ausland überwiesen und damit ein Büro in New York sowie die Restaurierung eines Friedhofs finanziert

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Der Bethlen-Gábor-Fonds (BGA) der Orbán-Regierung vergab zwischen Juli 2025 und Ende April 2026 255,9 Millionen HUF (etwa 705.000 Euro) in Form von frei verfügbaren Zuschüssen an ungarische Diaspora-Organisationen außerhalb Europas, wie aus Dokumenten hervorgeht, die im Rahmen eines Antrags auf Informationsfreiheit beschafft wurden.

Die Dokumente, über die zunächst die ungarische Nachrichtenagentur 444 berichtete, zeigen, dass die Fördermittel der Orbán-Regierung Organisationen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Uruguay, Argentinien, Chile und Japan erreichten und sowohl Kulturprogramme als auch laufende Betriebskosten unterstützten. Im Gegensatz zu üblichen Förderprogrammen wurden die Mittel nicht im Rahmen offener öffentlicher Ausschreibungen, sondern auf der Grundlage individueller Anträge vergeben.

Zwei Organisationen erhielten rund zwei Drittel der Fördermittel der Regierung Orbán

Den Unterlagen zufolge traf die Regierung Orbán in diesem Zeitraum von zehn Monaten 19 einzelne Förderentscheidungen, wobei rund zwei Drittel der Gesamtmittel an lediglich zwei Organisationen gingen. Der „Hungarian Scout Association in Exteris“ mit Sitz in Morris Plains, New Jersey, erhielt 119 Millionen HUF (328.000 EUR) für den Betrieb des „Hungarian House“ und zur Unterstützung seines „Diaspora School Camp“-Programms.

Die „Hungarian Human Rights Foundation“ in New York erhielt ihrerseits 70 Millionen HUF (193.000 EUR) für ihre Initiative „Reconnect Hungary“, die junge Menschen ungarischer Abstammung, die in den Vereinigten Staaten geboren wurden, nach Ungarn bringt, um ihre Verbindungen zu dem Land zu stärken.

Die Fördermittel der Regierung Orbán deckten ein breites Spektrum an Ausgaben ab, darunter Personalgehälter, Projektmanagement, Flüge nach Ungarn, Unterkunft, Verpflegung, Eintrittsgelder sowie die Betriebskosten des New Yorker Büros der Organisation. Dem Bericht zufolge wurden 35 Millionen HUF (96.500 EUR) dieser Mittel am 9. und 10. April bewilligt, nur wenige Tage vor den ungarischen Parlamentswahlen.

Die Mittel flossen zudem in kirchliche, kulturelle und denkmalpflegerische Projekte

Zu den weiteren Zuschüssen gehörten 14 Millionen HUF (38.500 EUR) für die Unabhängige Ungarische Reformierte Kirche von Ontario in Kanada, 13 Millionen HUF (35.800 EUR) für den ungarischen Kunst- und Folkloreverein „Duna“ in Chile sowie sowie 10 Millionen HUF für die ungarische Buchhandlung „Pannonia“ in Ontario.

Eines der ungewöhnlicheren Projekte wurde in Uruguay gefördert, wo der Verband ungarischer Organisationen in Lateinamerika 11,4 Millionen HUF (31.400 Euro) für Betriebskosten und Entwicklungsprojekte erhielt, darunter die Einrichtung eines Museums der ungarischen Diaspora und die Renovierung des Ungarischen Pantheons, eines ungarischen Mausoleums auf dem Friedhof von Tucumán.

Das Verfahren zur Vergabe von Ermessensmitteln hat Kritik hervorgerufen

Den Unterlagen zufolge mussten Organisationen, die eine Förderung beantragten, detaillierte Anträge einreichen, in denen sie ihre Projekte, Budgets und die Art und Weise darlegten, wie die vorgeschlagenen Aktivitäten den Interessen der ungarischen Gemeinschaften im Ausland dienen würden. Nach einer fachlichen Bewertung durch den Bethlen-Gábor-Fonds wurden die endgültigen Entscheidungen vom Amt des Ministerpräsidenten unter der Aufsicht des für nationale Politik zuständigen Staatssekretärs getroffen.

Zwar sind Ermessenszuschüsse in Ungarn eine anerkannte Form der öffentlichen Förderung, doch steht das System in der Kritik von Transparenzbefürwortern, da die Vergabe ohne offenen Wettbewerb erfolgt und erhebliche öffentliche Mittel betreffen kann. Die jüngsten Enthüllungen folgen auf frühere Berichte, wonach der Bethlen-Gábor-Fonds im gleichen Zeitraum mehrere Milliarden HUF an ungarische Fußballakademien und Organisationen außerhalb Ungarns vergeben hatte.

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