Bauwirtschaft im Juni rückläufig, Automobilindustrie im Aufschwung: Was geschieht in der ungarischen Wirtschaft?

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Ungarns Bausektor schwächte sich im Juni erneut ab und verzeichnete damit nach einer deutlichen Trendwende im Mai den zweiten Rückgang in Folge. Die neuesten Zahlen zeigen, dass die ungarische Bauindustrie weiterhin sehr volatil ist: Auf ein relativ starkes Frühjahr folgten zwei Monate mit rückläufiger Produktion, während auch das Volumen der Neuaufträge stark zurückging.
Laut Telex, das sich auf aktuelle Daten des Ungarischen Zentralamts für Statistik (KSH) beruft, lag die Bauproduktion im Juni 2026 auf Basis unbereinigter Zahlen um 1,2 % unter dem Vorjahreswert. Nach Bereinigung um die Anzahl der Arbeitstage belief sich der Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf 5 %.
Im Vergleich zum Mai sank die saison- und arbeitstagbereinigte Produktion um weitere 3,9 %.
Ungarische Bauwirtschaft verzeichnet zweiten monatlichen Rückgang
Die Zahlen für Juni zeigten erhebliche Unterschiede zwischen den wichtigsten Teilbereichen der Branche.
Die Produktion im Hochbau ging im Vergleich zum Juni 2025 um 5,5 % zurück, während die Produktion im Tiefbau – zu dem Projekte wie Straßen, Eisenbahnen und Versorgungsanlagen gehören – um 5,6 % stieg.
Betrachtet man die einzelnen Baugewerbezweige, so zeigte sich ein noch uneinheitlicheres Bild. Der Hochbau verzeichnete einen Rückgang um 22,1 %, während der Tiefbau um 28,3 % zulegte. Die Spezialbauaktivitäten, der größte Zweig der Branche, verzeichneten ein geringfügiges Jahreswachstum von 0,6 %.
Der Straßen- und Eisenbahnbau trug maßgeblich zum stärkeren Ergebnis im Tiefbau bei und stieg laut der Juni-Veröffentlichung des KSH im Vergleich zum Vorjahr um 49,6 %.
Der Auftragseingang sendete jedoch ein deutlich schwächeres Signal aus. Das Volumen der im Juni abgeschlossenen neuen Bauaufträge lag um 41,9 % unter dem Vorjahresniveau. Die neuen Aufträge für Hochbau gingen um 16,8 % zurück, während jene für Tiefbauprojekte um 58,6 % einbrachen.
Das KSH stellte fest, dass die gesamte Bauproduktion in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 um 0,7 % unter dem Wert des gleichen Zeitraums im Jahr 2025 lag.
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Was geschah in den vergangenen drei Monaten?
Der Rückgang im Juni lässt sich besser nachvollziehen, wenn man ihn im Zusammenhang mit den drei vorangegangenen Monatsberichten betrachtet.
Im März schien sich die Branche zu erholen. Das KSH berichtete, dass die Bauproduktion nach unbereinigten Daten im Jahresvergleich um 3,9 % höher lag und saison- sowie arbeitstagbereinigt um 0,5 % über dem Wert vom Februar. Dennoch lag die Produktion im ersten Quartal insgesamt immer noch um 4,2 % unter dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2025.
Die Verbesserung setzte sich im April fort. Laut der Veröffentlichung des KSH für April stieg die Produktion gegenüber dem Vorjahr um 2,6 % und legte im Vergleich zum März saison- und arbeitstagbereinigt um 6,9 % zu. Besonders stark entwickelte sich der Tiefbau mit einem Anstieg von 13,9 % im Jahresvergleich, während der Hochbau um 6,2 % zurückging.
Im Mai kam es dann zu einer dramatischen Kehrtwende. Das KSH meldete zunächst einen Rückgang der unbereinigten Bauleistung um 10,7 % im Jahresvergleich und einen Rückgang um 6,5 % im Monatsvergleich nach Saison- und Arbeitstagbereinigung. Die Leistung im Tiefbau soll gegenüber dem Vorjahr um 21,9 % gesunken sein.
Das Statistikamt hat in seinem neuesten Datensatz anschließend Teile der früheren Monatsreihen revidiert. Die Gesamtentwicklung bleibt jedoch klar erkennbar: Die Produktion legte im März und April zu, bevor sie im Mai zurückging und im Juni erneut sank.
Die Produktion der ungarischen Automobilindustrie stieg im Juni um 21 Prozent
Die Produktion der Automobilindustrie, Ungarns größtem verarbeitendem Sektor, stieg im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21 Prozent, wie eine detaillierte Auswertung der am Donnerstag vom Zentralamt für Statistik (KSH) veröffentlichten Daten zeigt.
Laut MTI entfielen in diesem Monat 27 Prozent der Produktion im verarbeitenden Gewerbe auf den Automobilsektor.
Die Produktion im Bereich Computer, Elektronik und optische Geräte, auf den 15 % der Produktion im verarbeitenden Gewerbe entfielen, stieg um 50 %, was vor allem auf die Herstellung von Peripheriegeräten zurückzuführen war.
Die Produktion im Segment Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren, das 12 % der verarbeitenden Industrie ausmachte, ging um 1,5 % zurück.
Die Produktion im Segment „Elektrische Geräte“, auf das 8,3 % der verarbeitenden Industrie entfallen, stieg leicht um 1,8 %.
Das KSH bestätigte, dass die Gesamtindustrieproduktion im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,1 % gestiegen ist.
Arbeitstagbereinigt stieg die Produktion um 4,1 Prozent, wobei der Vergleichszeitraum zwei Arbeitstage mehr umfasste als der Basiszeitraum.
Im Vergleich zum Vormonat ging die Produktion saison- und arbeitstagbereinigt um 1,4 % leicht zurück.
Im Zeitraum Januar bis Juni stieg die Industrieproduktion um 2,4 %.
Warum diese Zahlen für ausländische Leser von Bedeutung sind
Für internationale Leser ist es wichtig, zwischen den beiden großen Kategorien zu unterscheiden, die in der ungarischen Baustatistik verwendet werden. Der Hochbau umfasst Wohn- und Nichtwohngebäude, während der Tiefbau Infrastruktur wie Straßen, Eisenbahnstrecken und Versorgungsnetze umfasst.
Die neuesten Zahlen zeigen daher keinen einheitlichen Einbruch in der gesamten ungarischen Bauwirtschaft. Der Infrastrukturbau blieb im Juni relativ stark, während die Aktivitäten im Hochbau deutlich schwächer ausfielen. Gleichzeitig deuten die Industriedaten auf einen ganz anderen Trend in einem weiteren Schlüsselbereich der Wirtschaft hin: Die Produktion in der ungarischen Automobilindustrie, dem größten Fertigungssegment des Landes, stieg im Jahresvergleich um 21 Prozent und machte im Juni 27 Prozent der gesamten Industrieproduktion aus. Diese starke Leistung war ein wichtiges positives Signal in einem Monat, in dem die Gesamtindustrieproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 10,1 % stieg, auch wenn die Produktion saison- und arbeitstagbereinigt im Vergleich zum Mai um 1,4 % zurückging.
Insgesamt unterstreichen die Zahlen, wie uneinheitlich die wirtschaftliche Entwicklung Ungarns nach wie vor ist. Das Baugewerbe hat weiterhin mit einer schwachen Nachfrage und einem starken Rückgang bei den Neuaufträgen zu kämpfen, während das verarbeitende Gewerbe – insbesondere die Automobil- und Elektronikindustrie – im Juni ein deutlich stärkeres Wachstum im Jahresvergleich verzeichnete. Die nächsten Veröffentlichungen des KSH werden daher von großer Bedeutung sein, um aufzuzeigen, ob sich die Schwäche im Baugewerbe verfestigt und ob die starke Entwicklung in der Automobilbranche über einen einzelnen Monat hinaus anhalten kann.
Wie geht es weiter? Fotos: Erneuerter Platz in Budapest eingeweiht

