Neue ungarische außenpolitische Prioritäten für die Beziehungen zu Putins Russland, der „MAGA“-Welt, der EU, der V4, der NATO und dem Balkan festgelegt

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Was derzeit am Ungarischen Institut für Internationale Angelegenheiten vor sich geht, könnte sich als mehr als nur ein einfacher Führungswechsel erweisen: Es könnte sich um eine Umstrukturierung handeln, die bis in die Grundfesten der Institution reicht.

Das Institut wurde vom Amt des Ministerpräsidenten zurück an das Außenministerium verlegt. Sein neuer Generaldirektor ist Botond Feledy, während András Rácz zu seinem Stellvertreter ernannt wurde, der für Forschung und akademische Angelegenheiten zuständig ist.

Priorities for the new Hungarian foreign policy set out
Botond Feledy (l) und András Rácz (r) Foto: Screenshot/YouTube

Beide Wissenschaftler haben sich in den letzten Jahren als ausgesprochene Kritiker der Orbán-Regierungen gezeigt und deren konfrontativen Kurs gegenüber der EU sowie die auffallend engen Beziehungen zu Russland verurteilt. In einem Interview haben sie nun die Prioritäten dargelegt, von denen ihrer Ansicht nach die ungarische Außenpolitik geleitet werden sollte – sowie die Rolle, die sie sich für ein neu belebtes Institut für Internationale Angelegenheiten vorstellen.

Ein vollständiger Bruch mit Orbáns Außenpolitik

Feledy erklärte gegenüber InfoRádió, das Institut werde „von Grund auf“ neu aufgebaut. Ziel ist es, eine hintergrundorientierte Einrichtung zu schaffen, die mehr tut, als politische Entscheidungen erst nach deren Beschluss zu kommunizieren. Stattdessen soll sie das Außenministerium bereits vor der Entscheidungsfindung mit Analysen und Fachwissen unterstützen und dabei Perspektiven in den Prozess einbringen, die innerhalb der eigenen Struktur des Ministeriums weniger im Vordergrund stehen.

In einem ebenfalls gestern veröffentlichten Interview mit 444 erklärten die beiden, sie planten einen vollständigen Bruch mit der auf die USA und die MAGA-Bewegung ausgerichteten außenpolitischen Ausrichtung, die mit Balázs Orbán, dem politischen Direktor des Ministerpräsidenten, in Verbindung gebracht wird. Anstatt ideologisch ausgerichtet zu arbeiten, möchte die neue Leitung, dass sich das Institut auf die Vorbereitung von Entscheidungen konzentriert und eine klare Unterscheidung zwischen fachlicher Analyse und politischer Propaganda trifft.

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Orbán und Trump im Weißen Haus. Foto: Facebook/Orbán Viktor

Die Veränderungen könnten auch das Personal betreffen. Feledy erklärte, einige Mitarbeiter würden im Institut verbleiben, während andere gebeten würden, das Institut zu verlassen. Die Organisationsstruktur solle jedoch nicht einfach von oben auferlegt werden: Das neue System werde gemeinsam mit den Mitarbeitern des Instituts entwickelt.

Die Leitung beabsichtigt zudem, den Status des Instituts als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung beizubehalten, da dies ihrer Ansicht nach größere Flexibilität beim Erproben neuer Technologien bieten könnte, einschließlich des Einsatzes künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung.

Die EU könnte erneut in den Mittelpunkt des Interesses rücken

Eine der bedeutendsten Veränderungen in der Außenpolitik dürfte die Beziehung Ungarns zur Europäischen Union betreffen. Feledy erklärte, das Institut habe in den letzten Jahren nur wenig Fachwissen zu EU-Angelegenheiten aufgebaut, und dies müsse sich ändern.

Ungarn sei sowohl Mitglied der EU als auch der NATO, merkte er an, was bedeute, dass die Durchsetzung der Interessen des Landes innerhalb der Union keine ideologische Frage, sondern ein grundlegendes nationales Interesse sei. Rund 80 Prozent des ungarischen Handels würden in diese Richtung erfolgen, sagte er.

Das Institut plant daher den Aufbau neuer Forschungskapazitäten, vor allem im Bereich der EU-Angelegenheiten. Größere Aufmerksamkeit könnte auch Themen gewidmet werden, die in der außenpolitischen Debatte Ungarns bislang weniger im Vordergrund standen, darunter digitale Souveränität, Cyber- und Wirtschaftssicherheit, der Schutz kritischer Infrastrukturen, Migration sowie die geopolitischen Folgen des Klimawandels. Angesichts der Klimakrise und der aktuellen Wassernotlage könnte auch das Wassermanagement zu einer Priorität werden.

Gleichzeitig werde das Institut seine traditionellen Stärken beibehalten, darunter die Forschung zum Balkan und zum postsowjetischen Raum. Zudem plane es, neue Fachkompetenzen zu China und Ostasien aufzubauen.

Der Wiederaufbau der Beziehungen in Mitteleuropa – insbesondere zu Polen, Österreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei – könnte ebenfalls stärker in den Vordergrund rücken.

Auch die außenpolitische Strategie Ungarns könnte überarbeitet werden. Die derzeitige Strategie, die 2011 ausgearbeitet wurde, würde durch ein neues Dokument ersetzt, an dessen Ausarbeitung das Institut mitwirken würde. Die Regierungschefs erklärten, dass auch zivilgesellschaftliche Organisationen und andere Fachgremien einbezogen würden.

Kein Bruch mit Russland, doch die Unterwürfigkeit ist vorbei – und die Ukraine muss wieder aufgebaut werden

Im Falle Russlands würde die vorgeschlagene Neuausrichtung eher eine Veränderung des Charakters der Beziehungen als eine vollständige Kehrtwende in der Außenpolitik bedeuten.

Rácz erklärte, es gebe kurzfristig keine Alternative zur Aufrechterhaltung pragmatischer Beziehungen, vor allem aufgrund der Energieabhängigkeit Ungarns. Er argumentierte jedoch, es bestehe keine Notwendigkeit, ein so enges und „unterwürfiges“ Verhältnis zur russischen Führung aufrechtzuerhalten, wie es die Beziehungen zwischen dem ehemaligen Außenminister Péter Szijjártó und Sergej Lawrow in den letzten Jahren gezeigt hätten.

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Szijjártó und Putin. Foto: Facebook/Szijjártó

Der Wissenschaftler fügte hinzu, dass die Beziehung zwischen Szijjártó und dem russischen Außenminister Lawrow noch enger gewesen sei, als der ungarischen Öffentlichkeit derzeit bewusst sei.

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Die Haltung gegenüber der Ukraine ist zurückhaltender. Die neue Führung rechnet nicht mit einem raschen Durchbruch, doch Rácz sagte, dass „bereits etwas in Gang gekommen ist“.

In Bezug auf Minderheitenrechte sollte die Umsetzung bestehender Vereinbarungen Vorrang vor dem Abschluss neuer Abkommen haben. Sie erklärten zudem, dass die in diesem Bereich erzielten Zugeständnisse nicht von den Orbán-Regierungen, sondern durch Druck seitens der EU erreicht worden seien.

Der Wandel würde daher nicht in Form einer einzigen dramatischen außenpolitischen Kehrtwende erfolgen. Vielmehr deutet er auf eine professionellere und weniger ideologisch geprägte, auf die EU ausgerichtete Entscheidungsfindung, stärkere regionale Bindungen sowie einen pragmatischeren Ansatz in den Beziehungen zu Russland und der Ukraine hin.

Das reformierte Institut für Internationale Angelegenheiten könnte zu einem der wichtigsten Kompetenzzentren hinter dieser neuen außenpolitischen Ausrichtung werden.

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