Die schockierende Wahrheit über die Finanzen des ungarischen Fußballs: Die Vereine werden nicht von den Fans finanziert, sondern aus dem zentralen Haushalt

Laut einer neuen Analyse der höchsten Spielklasse des Landes sind die Finanzen des ungarischen Fußballs nach wie vor stark von zentral zugewiesenen Mitteln abhängig und weniger von den Einnahmen aus dem Ticketverkauf durch die Fans. Die Vereine der NB I erzielten im Jahr 2024 insgesamt Einnahmen in Höhe von mehr als 63 Milliarden HUF (rund 173 Millionen Euro), doch der Verkauf von Eintrittskarten und Dauerkarten trug nur etwa 4 % zu diesem Gesamtbetrag bei.
Diese Zahlen wurden in einer von Mfor veröffentlichten Analyse hervorgehoben, in der untersucht wurde, wie die aus zwölf Mannschaften bestehende ungarische erste Liga finanziert wird und wie sich diese Struktur auf die geschäftlichen Entscheidungen der Vereine auswirkt.
Für internationale Leser: Die NB I – offiziell OTP Bank Liga – ist die höchste Spielklasse des ungarischen Vereinsfußballs und umfasst Mannschaften wie Ferencváros, Újpest und Paks.
Die Finanzen des ungarischen Fußballs stützen sich weitaus stärker auf zentrale Mittel als auf die Einnahmen aus dem Fanbereich
Von G7 analysierte Unternehmensbilanzen zeigten, dass die NB I-Vereine im Jahr 2024 rund 2,54 Milliarden HUF (7 Millionen Euro) aus Eintrittsgeldern und Dauerkarten einnahmen. Angesichts von Gesamteinnahmen der Liga von über 63 Milliarden HUF (173 Millionen Euro) machten die Einnahmen aus dem Spieltagssatz somit nur etwa 4 % der Gesamteinnahmen aus.
Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn man die zentral verteilten Gelder für die aktuelle Saison 2026/27 zum Vergleich heranzieht.
Der Ungarische Fußballverband (MLSZ) gab im Juli bekannt, dass im Laufe der Saison 10,5 Milliarden HUF (28,9 Millionen Euro) unter den 12 NB-I-Vereinen verteilt werden. Die Gelder werden nicht zu gleichen Teilen aufgeteilt, da die Auszahlungen teilweise von sportlichen Kriterien und der Spielerauswahl abhängen.
Zum Vergleich: Mfor berechnete, dass eine gesamte Saison, bestehend aus Spieltagen mit Ticket-Einnahmen ähnlich denen des Eröffnungswochenendes 2024/25, einen theoretischen Brutto-Ticketwert von etwa 2,8 Milliarden HUF (7,7 Millionen Euro) ergeben würde. Die Publikation betonte, dass es sich hierbei um eine Schätzung und nicht um die tatsächlichen Bareinnahmen der Vereine handelt.
Öffentlich-rechtlicher Sender zahlt Milliarden für Fernsehrechte
Die zentrale Finanzierung basiert auf mehreren Großverträgen.
Nach Angaben des MLSZ zahlt der ungarische öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter MTVA 6 Milliarden HUF (16,5 Millionen Euro) für die Übertragungsrechte der Saison 2026/27. Das staatliche Glücksspielunternehmen Szerencsejáték Zrt. zahlt weitere 6 Milliarden HUF (16,5 Millionen Euro) für Vermarktungsrechte und 3 Milliarden HUF (8,2 Millionen Euro) für Wettrechte. Alle drei Verträge haben eine Laufzeit von nur einer Saison.
Mfor stellt fest, dass die Gebühr für die Fernsehrechte gegenüber den im Rahmen des vorherigen Vertrags gezahlten 10 Milliarden HUF um 40 % gesunken ist. Durch die zusätzlichen Mittel von Szerencsejáték ist der für die Umverteilung an die Vereine verfügbare Betrag jedoch nicht im gleichen Maße gesunken.
Der Sportökonom János Kele argumentierte in der Mfor-Analyse, dass diese Finanzierungsstruktur den unmittelbaren wirtschaftlichen Anreiz für die Vereine schwächt, die Zahl der zahlenden Zuschauer zu maximieren. Er betonte, dass die Fans für die Atmosphäre, die Attraktivität für Sponsoren, die Verbindungen zur lokalen Gemeinschaft und den langfristigen Markenwert nach wie vor von entscheidender Bedeutung seien, ihr direkter Beitrag an den Drehkreuzen sei jedoch relativ gering.
Finanzielle Anreize können sogar die Mannschaftsaufstellung beeinflussen
Das System hat zudem eine direkte sportliche Dimension. Gemäß den Regeln des MLSZ werden die Vereine der NB I finanziell dazu angeregt, ungarische und junge Spieler aufzustellen. Im Durchschnitt sollten fünf ungarische Spieler auf dem Platz stehen, darunter ein Spieler unter 21 Jahren.
Bis zu 45 % der zentralen Ausschüttung der NB I sind an die Einsatzzeiten einheimischer und junger Spieler geknüpft. Bei einem zentralen Ausschüttungsfonds von 10,5 Milliarden HUF entspricht dies einem Betrag von bis zu 4,725 Milliarden HUF (rund 13 Millionen Euro).
Dieser Anreiz hat bereits Entscheidungen auf dem Spielfeld beeinflusst. Mfor verwies auf das Spiel von Nyíregyháza gegen Újpest, bei dem der 19-jährige Torhüter Mátyás Molnár zur Halbzeit eingewechselt wurde. Cheftrainer Tamás Bódog räumte im Anschluss ein, dass die Einhaltung der Jugendspielervorgabe ein Faktor bei dieser Einwechslung gewesen sei.
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Ferencváros agiert in einer anderen Größenordnung
Auch die finanziellen Unterschiede zwischen den einzelnen ungarischen Vereinen sind beträchtlich. Laut den von Mfor zitierten Berechnungen auf Basis des G7-Index verfügte Ferencváros im Jahr 2024 über ein Budget von fast 20 Milliarden HUF (55 Millionen Euro), während kleinere Provinzvereine in der Regel mit 2 bis 3 Milliarden HUF (etwa 5,5 bis 8,2 Millionen Euro) auskamen.
Paks beispielsweise verzeichnete Einnahmen in Höhe von 2,9 Milliarden HUF (8 Millionen Euro), während der Verein den dritten Tabellenplatz belegte und den ungarischen Pokal gewann. Ferencváros hingegen profitiert nicht nur von einem deutlich größeren Budget, sondern auch von der Teilnahme an europäischen Wettbewerben, einem größeren Stadion, einer stärkeren Marke sowie einer höheren Sichtbarkeit auf dem internationalen Transfermarkt.
Spielerverkäufe brachten den NB-I-Vereinen im Jahr 2024 9,3 Milliarden HUF (25,6 Millionen Euro) ein, was fast 15 % der Gesamteinnahmen entspricht. Mfor weist jedoch darauf hin, dass die Strategie des MLSZ selbst feststellt, dass Ungarn unter den untersuchten regionalen Ligen den geringsten Anteil an Einnahmen aus Spielerverkäufen sowie eine negative Netto-Transferbilanz aufweist.
Milliarden wurden investiert, doch es gab nur wenige internationale Erfolge im Nachwuchsbereich
Die Bilanz Ungarns im Jugendfußball der Männer bietet eine weitere Perspektive auf die Summen, die in den heimischen Fußball fließen. Seit 2010 haben sich ungarische Mannschaften nur in wenigen Fällen über die Qualifikationsrunden für die Endrunde einer U-Jugend-Europameisterschaft der Männer qualifiziert. Die herausragende Phase war auf U17-Ebene zu verzeichnen: Ungarn erreichte die U17-Europameisterschaft 2017 – seine erste Teilnahme an diesem Turnier seit 2006 – und qualifizierte sich erneut für die Ausgabe 2019. Die Aufzeichnungen der UEFA bestätigen beide Teilnahmen. Die Mannschaft von 2019 ging noch einen Schritt weiter und sicherte sich durch ihre Leistung bei der Europameisterschaft einen Platz bei der FIFA U17-Weltmeisterschaft in Brasilien, so die UEFA.
Andere Turnierteilnahmen in diesem Zeitraum bedürfen einer näheren Erläuterung. Ungarn nahm 2014 als Gastgeber an der U19-Europameisterschaft teil, und das dort erzielte Ergebnis sicherte die Qualifikation für die FIFA U20-Weltmeisterschaft 2015. Die UEFA führte Ungarn ausdrücklich als Gastgeber auf und nicht als eine der sieben Mannschaften, die sich über die Eliterunde qualifiziert hatten. Ebenso nahm Ungarn an der U21-Europameisterschaft 2021 als Co-Gastgeber gemeinsam mit Slowenien teil, während die U17-Europameisterschaft 2023 ebenfalls in Ungarn ausgetragen wurde, wodurch die Heimmannschaft automatisch einen Startplatz erhielt.
Mit anderen Worten: Trotz der beträchtlichen Mittel, die in den ungarischen Fußball fließen, war 2019 das letzte Mal, dass sich eine ungarische Jugend-Nationalmannschaft der Männer über die Qualifikationsrunde für eine Europameisterschaft qualifizierte – und auch das letzte Mal, dass sich eine Mannschaft auf dem Spielfeld einen Platz bei einer Jugend-Weltmeisterschaft sicherte.
Fazit
Die Zahlen verdeutlichen die zentrale Frage, vor der die Finanzen des ungarischen Fußballs stehen: Ob die Vereine schrittweise ein Modell aufbauen können, das stärker auf Fans, kommerzielle Einnahmen und eine rentable Spielerentwicklung basiert, oder ob ihre finanzielle Stabilität weiterhin in erster Linie von zentral ausgehandelten und verteilten Mitteln abhängen wird. Da die wichtigsten Verträge in den Bereichen Übertragung, Marketing und Wettgeschäft derzeit nur bis zur Saison 2026/27 gesichert sind, dürfte diese Debatte auch über die aktuelle Saison hinaus von großer Relevanz bleiben.
Es ist jedoch sehr entmutigend, dass die Vereine in den letzten Jahren keine Anstrengungen unternommen haben, die Zuschauerzahlen zu steigern oder eigene Fanartikel zu verkaufen, da sie im Wesentlichen Mittel aus dem zentralen Haushalt erhalten haben. Sollten die Einnahmen aus dem Fonds jedoch zurückgehen, müssen sie Modelle übernehmen, die denen der großen europäischen Vereine ähneln, bei denen die Vereine ihre Fans beispielsweise dazu ermutigen, Dauerkarten und Einzelkarten zu erwerben.
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