Billiges russisches Öl, teurer ungarischer Treibstoff: Autofahrer zahlen trotz Regierungsstrategie mehr als Österreicher

Ungarische Autofahrer profitieren kaum von der langjährigen Abhängigkeit der Regierung von verbilligtem russischem Rohöl, denn neue Daten zeigen, dass der Kraftstoff in Österreich billiger geworden ist.

Trotz wiederholter Behauptungen, dass russische Importe niedrige Preise und Energiesicherheit garantieren, liegen die durchschnittlichen Benzin- und Dieselkosten in Ungarn inzwischen über denen in mehreren EU-Mitgliedstaaten – einschließlich Österreich, wo die Löhne deutlich höher sind und die Raffinerien nicht auf billige russische Lieferungen angewiesen sind, so Mfor.

Russischer Ölvorteil kommt bei den Verbrauchern nicht an

Die Debatte über den Bezug von russischem Öl ist in den letzten Wochen wieder aufgeflammt, wobei Regierungsvertreter und die Führung der MOL Group die Importe weiterhin als unerlässlich bezeichnen. Russisches Rohöl ist derzeit etwa 15 % billiger als die Brent-Benchmark, was sich theoretisch in Einsparungen niederschlagen sollte.

Laut dem Mfor Fuel Price Monitor und dem Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission haben die ungarischen Autofahrer diese Vorteile jedoch nicht gespürt. Stattdessen macht sich der Preisnachlass vor allem in den Gewinnmargen der Unternehmen bemerkbar und nicht an der Zapfsäule.

Die Situation verschlechterte sich, nachdem ein Schaden an der Druschba-Pipeline die Lieferungen nach Ungarn für fast drei Wochen unterbrochen hatte. Daraufhin beantragte MOL den Zugang zu den strategischen Reserven und gab 250.000 Tonnen – etwa 40 % der Notvorräte – frei, die für etwas mehr als anderthalb Monate reichen. Die Verschiffung auf dem Seeweg über die Adria könnte Abhilfe schaffen, aber die Unterbrechung verdeutlicht die starke Abhängigkeit Ungarns von Russland, auf das immer noch etwa 90% der Importe entfallen.

In einem Interview mit Telex deutete der CEO von MOL sogar an, dass die Lieferprobleme die Preise in die Höhe treiben könnten.

Ungarn rutscht in der EU-Rangliste der Kraftstoffpreise ab

Während die Inlandspreise in letzter Zeit nominell stabil geblieben sind, hat sich Ungarns relative Position in Europa verschlechtert.

In dieser Woche verzeichneten 14 EU-Länder niedrigere Durchschnittspreise für 95-Oktan-Benzin als Ungarn – in der Vorwoche waren es noch 13. Auf regionaler Ebene hat Österreich nun Ungarn überholt, was bedeutet, dass Autofahrer dort trotz höherer Löhne und ohne Zugang zu vergünstigtem russischen Rohöl billiger tanken können.

Bei Diesel zeigt sich ein ähnliches Bild: Ungarn rangiert hinter 13 EU-Ländern, wobei die Preise in Österreich erneut niedriger sind. Nur Rumänien ist in Mittel- und Osteuropa noch teurer, vor allem aufgrund von Steuererhöhungen.

Globale Risiken treiben Öl nach oben

Breitere geopolitische Spannungen trüben ebenfalls die Aussichten. Rohöl der Sorte Brent ist auf über 71 USD pro Barrel geklettert, nachdem es in dieser Woche um etwa 5 % gestiegen ist, was einen weiteren Anstieg an den ungarischen Tankstellen wahrscheinlich macht.

Die Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran haben das globale Angebot zusätzlich verunsichert. Donald Trump warnte kürzlich vor “sehr schlimmen Dingen”, wenn Teheran sein Atomprogramm nicht einschränkt, während Militärübungen in der Nähe der Straße von Hormuz – über die etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft – die Märkte alarmiert haben. Gleichzeitig zeigen die US-Bestandsdaten sinkende Lagerbestände, was die Preise weiter stützt.

Weitere Preiserhöhungen erwartet

Analysten warnen, dass die ungarischen Treibstoffkosten bereits nächste Woche steigen könnten. Statt geringer Schwankungen von ein paar Forint werden Erhöhungen von 7-8 Forint pro Liter für möglich gehalten.

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