Die ehemalige ungarische Regierung investierte stillschweigend fast 300 Millionen Euro in die Panzerentwicklung von Rheinmetall

Nach Angaben des Unternehmens und aus Finanzunterlagen geht hervor, dass die ehemalige ungarische Regierung stillschweigend mehr als 100 Milliarden HUF (damals rund 288 Millionen Euro) an öffentlichen Mitteln bereitgestellt hat, um die Entwicklung des KF51 Panther, des Kampfpanzers der nächsten Generation von Rheinmetall, zu unterstützen.

Obwohl die Investition als strategische Partnerschaft im Verteidigungssektor dargestellt wurde, bleiben Fragen offen, ob die ungarischen Steuerzahler letztendlich von diesem Geschäft profitieren werden.

Eine bedeutende Investition, die kaum Beachtung fand

Obwohl die Vereinbarung bei ihrer Unterzeichnung Ende 2023 in Ungarn nur wenig Beachtung fand, teilte der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall seinen Investoren mit, dass er vom ungarischen Staat Forschungs- und Entwicklungsmittel in Höhe von 288 Millionen Euro erhalten habe, wie Telex berichtete.

Umgerechnet zum Wechselkurs von Ende 2023 belief sich der Beitrag auf fast 110 Milliarden HUF, während er beim heutigen, stärkeren Forint-Wechselkurs einen Wert von rund 105 Milliarden HUF hat.

Damals kündigte der damalige Verteidigungsminister Kristóf Szalay-Bobrovniczky an, dass Ungarn über die staatliche N7 Holding gemeinsam mit Rheinmetall den Panther-Panzer der nächsten Generation entwickeln werde. Er erklärte, das Fahrzeug solle nach Abschluss der Entwicklung schließlich als deutsch-ungarisches Gemeinschaftsprodukt auf den Markt gebracht werden.

Was erhält Ungarn im Gegenzug?

Von ungarischen Medien zitierte Branchenquellen beschreiben die Vereinbarung als äußerst vorteilhaft für Rheinmetall, für die ungarische Seite jedoch mit erheblich höheren Risiken verbunden. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden in Deutschland durchgeführt, wodurch Ungarn nur relativ begrenzten Einfluss auf das Programm selbst hat.

Anstatt eine Beteiligung an Rheinmetall oder an den geistigen Eigentumsrechten zu erwerben, stellt Ungarn faktisch Entwicklungsmittel zur Verfügung. Im Gegenzug soll die Vereinbarung Ungarn Lizenzgebühren aus künftigen Verkäufen des Panther-Panzers, Vorzugskonditionen beim Kauf, falls die ungarischen Streitkräfte das Fahrzeug erwerben sollten, sowie mögliche Preisnachlässe und Produktionsmöglichkeiten für ungarische Werke einbringen.

Ursprünglich bestand die Erwartung, dass das Rheinmetall-Werk in Zalaegerszeg eine wichtige Rolle bei der Fertigung spielen könnte, sollte der Panther in Serie gehen. Rheinmetall hat jedoch inzwischen ähnliche Kooperationsvereinbarungen mit anderen Ländern, darunter Italien und Rumänien, unterzeichnet, was die einzigartige Position Ungarns innerhalb des Programms potenziell schwächen könnte.

Rheinmetall Lynx combat vehicle-military
Foto: Wikimedia Commons/Wolpat

Finanzunterlagen verdeutlichen das Ausmaß der Zahlungen

Aus den Jahresabschlüssen der N7 Holding für die Jahre 2023 und 2024 geht hervor, dass das Unternehmen rund 105 Milliarden HUF als immateriellen Vermögenswert im Zusammenhang mit einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt ausgewiesen hat. Obwohl Rheinmetall oder das Panther-Programm in den Berichten nicht ausdrücklich erwähnt werden, stimmen Zeitpunkt und Beträge weitgehend mit der angekündigten Kooperationsvereinbarung überein. Den Jahresabschlüssen zufolge:

  • wurden im Jahr 2023 51,3 Milliarden HUF gezahlt;
  • im Jahr 2024 folgten 53,2 Milliarden HUF.

Dies bedeutet, dass fast der gesamte Vertragsbetrag innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums nach Unterzeichnung der Vereinbarung überwiesen wurde. Die Finanzierung erfolgte durch mehrere staatliche Kapitalzuführungen an die N7 Holding, wobei zwischen 2023 und 2024 mehr als 160 Milliarden HUF in das Unternehmen eingebracht wurden. Der Großteil dieser Mittel scheint für Projekte der Rüstungsindustrie verwendet worden zu sein.

Ungewisse Renditen

Ob sich die Investition letztendlich auszahlen wird, bleibt unklar. Anders als bei einer herkömmlichen Kapitalbeteiligung erwarb Ungarn keine Beteiligung an Rheinmetall. Eine etwaige finanzielle Rendite hängt weitgehend vom kommerziellen Erfolg des Panther-Programms ab.

Der Staat könnte nur dann Lizenzgebühren erhalten, wenn der Panzer in die Serienproduktion geht und Exportaufträge erhält. Derzeit ist noch ungewiss, wann die Serienproduktion beginnen wird, wie viele Länder das Fahrzeug erwerben werden und wie hoch die künftigen Lizenzgebühren ausfallen könnten.

Die Vereinbarung blieb zudem von der jüngsten Umstrukturierung der ungarischen Rüstungsindustrie unberührt. Während mehrere Rüstungsaktiva der N7 Holding an die 4iG-Gruppe übertragen wurden, verblieb der Panther-Entwicklungsvertrag bei der N7 Holding, was bedeutet, dass sowohl die verbleibenden Kosten als auch etwaige künftige Einnahmen weiterhin direkt beim ungarischen Staat liegen.

Fragen zu den Marktchancen des Panzers

Die Investition hat zudem eine Debatte ausgelöst, da Ungarn bereits Leopard-2A7-Kampfpanzer und Lynx-Schützenpanzer bestellt hat, wobei die Produktion der Lynx-Fahrzeuge im Rheinmetall-Werk in Zalaegerszeg bereits läuft.

Einige Verteidigungsanalysten stellen daher in Frage, wie groß der Exportmarkt für den Panther letztendlich sein wird und ob Ungarns Investition von mehr als 100 Milliarden HUF langfristig eine nennenswerte Rendite erzielen kann.

Auf die Frage nach dem Fortschritt des Programms bestätigte Rheinmetall lediglich, dass die Entwicklung planmäßig verlaufe, und fügte hinzu, dass vertragliche Verpflichtungen das Unternehmen daran hinderten, weitere Einzelheiten offenzulegen. Das ungarische Verteidigungsministerium hat detaillierte Fragen zu dem Vertrag bislang nicht öffentlich beantwortet.

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