Die ungarischen Renten liegen weit hinter denen Österreichs zurück, mit einer riesigen Lücke in der Kaufkraft

Die Kluft zwischen den ungarischen und den österreichischen Renten hat sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten erheblich vergrößert, sowohl was die Höhe der ausgezahlten Beträge als auch das betrifft, was sich die Rentner tatsächlich leisten können. Während die österreichischen Rentner von einem System profitieren, das ihnen einen angemessenen Lebensstandard garantieren soll, sind die ungarischen Rentner zunehmend mit sinkenden relativen Einkommen und einer schwächeren Kaufkraft konfrontiert.
Ungarische Renten schrumpfen im Verhältnis zu den Löhnen
Nach Angaben des ungarischen Zentralamts für Statistik wird die Durchschnittsrente in Ungarn im Jahr 2026 260.993 HUF (663 EUR) erreichen. Im Vergleich dazu liegt der durchschnittliche Nettolohn bei etwa 548.900 HUF/EUR 1.395 (789.200 HUF/EUR 2.006 brutto).
Das bedeutet, dass die Durchschnittsrente nur noch etwa 47,5% des Durchschnittsgehalts ausmacht, ein starker Rückgang von etwa 74-75% im Jahr 2010. Analysten zufolge spiegelt diese Veränderung sowohl das schnellere Lohnwachstum als auch die strukturellen Veränderungen im Rentensystem in den letzten 15 Jahren wider.
Dem Bericht von HR Portál zufolge gibt Ungarn auch deutlich weniger für die Renten aus als die meisten EU-Länder. Während in der Europäischen Union durchschnittlich 12,9% des BIP für Rentenzahlungen aufgewendet werden, sind es in Ungarn nur 7,4%, so der Experte für Sozialpolitik András Bán. Im Gegensatz dazu gibt Österreich etwa 14-15% seines BIP für Renten aus.
Mehrere Reformen, die nach 2010 verabschiedet wurden, haben das ungarische Rentensystem umgestaltet. Dazu gehören die Abschaffung der privaten Rentenfonds, Änderungen bei den Invaliditätsrenten und die Abschaffung der so genannten “Schweizer Indexierung”, die die Rentenerhöhungen teilweise an das Lohnwachstum koppelte.
Experten argumentieren, dass die Abschaffung dieses Mechanismus dazu führte, dass die Renten weiter hinter den Löhnen zurückblieben. Wäre die schweizerische Indexierung beibehalten worden, könnte eine durchschnittliche Rente, die ursprünglich im Jahr 2010 gewährt wurde, heute mehr als 50% höher sein und etwa 373.000 HUF (948 EUR) statt etwa 243.000 HUF (618 EUR) erreichen.
Die Kaufkraft ist erodiert
Der Rückgang macht sich auch in der alltäglichen Kaufkraft bemerkbar. Schätzungen zufolge kann ein ungarischer Rentner, der seit 2010 eine Rente bezieht, heute mit seiner monatlichen Rente mehr als 105 Kilogramm weniger Brot kaufen als damals.
In der Zwischenzeit sind die Löhne etwa 60-65% schneller gestiegen als die Renten, wodurch sich die Einkommenskluft zwischen Rentnern und Erwerbstätigen vergrößert hat.
Österreichische Renten deutlich höher
Der Kontrast zu Österreich ist krass. Im Jahr 2026 liegt die durchschnittliche Rente für österreichische Männer zwischen 2.505 und 2.690 EUR brutto pro Monat (etwa 1,04 Millionen Forint), während Frauen im Durchschnitt zwischen 1.610 und 1.755 EUR erhalten.
Darüber hinaus erhalten österreichische Rentner 14 Mal im Jahr Zahlungen, darunter die 13. und 14.
Österreich verfügt außerdem über ein Sicherheitsnetz, die sogenannte Ausgleichszulage, die ein Mindesteinkommen für Rentner garantiert. Im Jahr 2026 beläuft sich dieses auf 1.308,39 EUR pro Monat für einen alleinstehenden Rentner und 2.064,12 EUR für Paare, die ebenfalls 14 Mal pro Jahr ausgezahlt werden.
Die folgende Tabelle zeigt, wie viele Dinge des täglichen Lebens ein österreichischer Mindestrentner und ein ungarischer Mindestrentner kaufen können:
| Artikel (Einheit) | Österreich (EUR 1.308) | Ungarn (HUF 28 500/EUR 72) |
| Brot (1kg) | 870 kg (EUR 1,5/kg) | 35 kg (HUF 800/kg) (EUR 2) |
| Milch (1 l) | 1090 l (EUR 1,20/l) | 67 l (HUF 420/l) (EUR 1,07) |
| Ei (10 db) | 436 Kartons (EUR 3/doboz) | 38 Kartons (HUF 750/Karton) (EUR 1,91) |
| Schweinekeule (1kg) | 145 kg (EUR 9/kg) | 12 kg (2300 HUF/kg) (5,85 EUR) |
Im Gegensatz zu Ungarn gibt es in Österreich keine offizielle “Mindestrente”. Stattdessen stockt das System niedrigere Renten auf das garantierte Einkommensniveau auf, um Altersarmut zu verhindern.
Eine andere Philosophie des Ruhestands
Nach Ansicht von Experten spiegelt dieser Unterschied die grundlegend unterschiedlichen politischen Prioritäten wider. Österreichs staatliches Rentensystem basiert auf dem Grundsatz, dass das Alterseinkommen einen würdigen Lebensstandard sichern soll.
Nach der bekannten 80/45/65-Regel sollte ein Arbeitnehmer, der 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt hat und mit 65 Jahren in Rente geht, eine Rente erhalten, die etwa 80% seines letzten Bruttogehalts entspricht.
Das österreichische System stützt sich außerdem auf individuelle Rentenkonten, auf denen die Beiträge nachverfolgt und jährlich an die Lohnentwicklung angepasst werden, wodurch die künftigen Renten besser vorhersehbar sind.
Debatte über die zukünftige Rentenpolitik Ungarns
Ungarische Analysten warnen, dass der derzeitige Kurs zu weiteren Ungleichheiten und wachsendem finanziellen Druck auf die Rentner führen könnte.
Einige Experten sind der Meinung, dass Ungarn Elemente des österreichischen Modells übernehmen könnte, wie z.B. die Garantie eines realistischen Mindesteinkommens für ältere Menschen, während die Renten an die Beiträge gebunden bleiben.
Andere betonen, dass jede Reform eine breitere fachliche und öffentliche Debatte darüber beinhalten sollte, wie die langfristige Nachhaltigkeit und Fairness des Rentensystems gewährleistet werden kann.
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