Eine ausgetrocknete Donau: Muss sich Budapest Sorgen um seine Wasserversorgung machen? Experte weist auf eine überraschende Tatsache hin

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Im Internet kursieren Bilder der Donau mit außergewöhnlich niedrigem Wasserstand, was die 1,5 Millionen Einwohner der Stadt zu der durchaus berechtigten Frage veranlasst, ob bald Wassereinschränkungen zu erwarten sind. Die Wasserversorgung Budapests – und die einiger Vororte – hängt vollständig von der Donau ab. Der Geschäftsführer von Fővárosi Vízművek hat nun erläutert, wie sich die Wasserversorgung der Hauptstadt auch bei anhaltend niedrigen Wasserständen entwickeln könnte.

Wassereinschränkungen entlang der Donau

Experten sind sich nahezu einig, dass extreme Wasserstände an der Donau in Zukunft häufiger auftreten werden. Das bedeutet mehr Abschnitte mit sehr niedrigem Wasserstand wie den derzeitigen, aber auch häufigere Hochwasserwellen. Nicht nur der Tourismus und der Energiesektor müssen sich darauf vorbereiten, sondern auch die Trinkwasserversorgung. Nördlich von Budapest befinden sich bereits mehrere Ortschaften in einer kritischen Lage.

Im Pilis-Gebiet – darunter Szentendre, Leányfalu, Pilisborosjenő, Üröm, Solymár und Nagykovácsi – reicht die Trinkwasserversorgung bereits nur noch mit Hilfe der Streitkräfte aus, während in Zebegény Wassereinschränkungen der zweiten Stufe gelten. In Dunabogdány hat „Fővárosi Vízművek“ laut „Világgazdaság“ die Einwohner in den letzten Tagen selbst dazu aufgefordert, den nicht unbedingt notwendigen Wasserverbrauch zu vermeiden.

Drought Danube Parliament Budapest
Foto: Anadolu/Robert Nemeti

Auch der Wasserstand in Budapest ist extrem niedrig, obwohl er in den letzten zwei Tagen gestiegen ist. Nach Angaben der Wasserwirtschaft wurde der Tiefststand am Abend des 2. August erreicht, als der Pegelstand nur 9 Zentimeter betrug. Inzwischen ist er auf 20 Zentimeter gestiegen. Doch das ist nicht der Grund, warum die Trinkwasserversorgung in Budapest so gut funktioniert.

Zwei Donaus in Budapest

Géza Csörnyei, Geschäftsführer von Fővárosi Vízművek, erklärte in der Sendung „Aréna“ von InfoRádió, dass die Trinkwasserversorgung auch bei niedrigeren Donau-Pegeln weiterhin gesichert sei. Dies liege daran, dass sie nicht direkt vom aktuellen Oberflächenpegel des Flusses abhänge. Tatsächlich fließen zwei Donaus durch die ungarische Hauptstadt: eine an der Oberfläche und eine darunter sowie daneben.Unterhalb und neben dem Flussbett befindet sich eine mehrere Dutzend Meter dicke Kiesschicht, die sich über Jahrtausende hinweg aus den Sedimenten des Flusses gebildet hat. Durch dieses Kiesbett fließt kontinuierlich Wasser, parallel zum Fluss.

Csörnyei verglich dies mit einem „unsichtbaren Fluss“: Selbst wenn der Oberflächenpegel der Donau extrem niedrig ist, fließt unterirdisch immer noch eine beträchtliche Wassermenge. Fővárosi Vízművek nutzt dieses Wasser – die am Ufer gefilterte Quelle – zur Trinkwassergewinnung.Die Kieslage dient nicht nur als Wasserleiter, sondern auch als riesiges natürliches Reservoir. Sie speichert große Mengen an Wasser, auf die über Brunnen zugegriffen werden kann. In der aktuellen extremen Wetterlage sichern diese Reserven die Wasserversorgung Budapests.

Danube drought Budapest Parliament
Foto: Anadolu/Robert Nemeti

Wochen, ja sogar Monate

Nach Angaben des Geschäftsführers überwacht Fővárosi Vízművek den Betrieb seiner Brunnen kontinuierlich, und die bisherigen Ergebnisse sind beruhigend. Obwohl die Fördermenge bei einigen älteren Brunnen reduziert werden musste, arbeiten mehr als 97 Prozent normal und ohne Unterbrechungen. Die Wasserqualität wird häufiger und strenger als zuvor überprüft, und es wurden keine nachteiligen Veränderungen festgestellt.Herr Csörnyei erklärte, die derzeitigen Extrembedingungen hätten die Systemkapazität der Hauptstadt bislang noch nicht überschritten. Das Versorgungsunternehmen verfüge über ausreichende Reserven, um den Bedarf bei den derzeitigen Wetterbedingungen über Wochen, ja sogar Monate hinweg sicher zu decken. Er fügte jedoch hinzu, dass dies nicht bedeute, die Wasserversorgung sei unbegrenzt: Jedes System habe eine physikalische Obergrenze.

Budapests Lage wird dadurch begünstigt, dass die Wasserversorgung der Hauptstadt aus mehreren miteinander verbundenen Systemen besteht. Steigt der Bedarf in einem Gebiet stark an, kann die verfügbare Kapazität in manchen Fällen umverteilt werden. Dies ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber Ortschaften mit eigenständigen Wasserversorgungssystemen. Der Geschäftsführer führte Dunabogdány als Beispiel an, wo das Gleichgewicht zwischen lokaler Produktionskapazität und Verbrauch bereits gestört ist, was Einschränkungen erforderlich macht.

Water-use restrictions in Hungary
Die Budapester werden über ausreichend Trinkwasser verfügen. Foto: depositphotos.com

Steigende Nachfrage

Für die Hauptstadt besteht die unmittelbare Herausforderung nicht darin, dass das Wasser plötzlich ausgeht, sondern darin, dass der Bedarf stark ansteigt. Bei Temperaturen von 39 bis 40 Grad steigt der Verbrauch deutlich an, und die anhaltende Dürre hat bereits viele Haus- und Gartenbrunnen austrocknen lassen. Infolgedessen wurden einige Verwendungszwecke wieder auf das Trinkwassernetz umgestellt, die zuvor durch Brunnen, Zisternen oder andere alternative Quellen gedeckt wurden. Zu bestimmten Zeiten kann der Bedarf um das Drei- bis Vierfache ansteigen.

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Zur Sicherheit des Systems tragen auch die Pufferreservoirs des Versorgungsunternehmens bei. Diese Tanks und Speicheranlagen bilden Reserven, sodass die Einsatzkräfte selbst im Falle einer technischen Störung einige Stunden Zeit haben, diese zu beheben. Auch die Stromversorgung ist geplant: Kritische Einrichtungen verfügen über mehrere Einspeisemöglichkeiten, und bei Bedarf können Generatoren zum Einsatz kommen.

Weitere Investitionen erforderlich

Der Geschäftsführer kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Wasserversorgungssicherheit in Budapest nicht allein vom Wasserstand der Donau bestimmt wird. Die durch die Ufer gefilterte Wasserbasis, die als natürliches Reservoir fungierende Kiesschicht, die Kapazität der Reservebrunnen, das miteinander verbundene Netz, die Speichertanks und eine strengere Überwachung ermöglichen es der Hauptstadt gemeinsam, die derzeitigen Wetterextreme zu bewältigen.

Langfristig gesehen ist die aktuelle Dürre jedoch eine ernste Warnung. Herr Csörnyei erklärte, es reiche nicht aus, lediglich alte Rohrleitungen zu ersetzen: Der Klimawandel könnte größere Kapazitäten, mehr Brunnen, mehr Speichermöglichkeiten, mehr Pumpstationen und modernere Systeme erfordern. Die derzeitige Situation deutet daher nicht auf eine unmittelbare Wasserknappheit in Budapest hin, sondern vielmehr auf die Investitionen, die erforderlich sein werden, damit die Hauptstadt ihre Einwohner auch unter extremen Wetterbedingungen weiterhin sicher versorgen kann.

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Sehen Sie sich das vollständige Interview mit Herrn Csörnyei an:

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