Enthüllte Dokumente: Wie der ehemalige Wirtschaftsminister Márton Nagy öffentliche Gelder für Luxus und Privatjets im Ausland verschwendete

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Während offenbar keine einzige Hoffnung, kein Plan und kein Versprechen, das Márton Nagy als Wirtschaftsminister in Bezug auf das Wirtschaftswachstum abgegeben hatte, in Erfüllung gegangen ist, scheint der Minister mehr als bereit gewesen zu sein, öffentliche Gelder – sowohl damals als auch im Nachhinein, aus unerklärlichen Gründen – für luxuriöse Unterkünfte und Privatjets auszugeben. Gleichzeitig erlebte Ungarn eine der schwersten Inflationsphasen seiner Geschichte.

Ministerium veröffentlicht unerklärliche Zahlen

Aus Dokumenten, die auf einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz hin vom Ministerium für Nationale Wirtschaft und dessen Rechtsnachfolger veröffentlicht wurden, geht hervor, dass zwischen 2023 und 2026 mehrere zehn Millionen Forint an öffentlichen Geldern für die Reise- und Unterbringungskosten des Ministers ausgegeben wurden. Die Zahlen lassen vermuten, dass es sich nicht lediglich um teure Reisen handelte: In mehreren Fällen lassen sich sowohl die Wahl des Hotels als auch die Wahl des Verkehrsmittels nur schwer rechtfertigen.

Former Minister Márton Nagy and hi luxury spendings
Márton Nagy als ungarischer Wirtschaftsminister bei der CPAC-2024-Konferenz in Budapest. Foto: Facebook/Alapjogokért Központ

Aus den Unterlagen geht hervor, dass Márton Nagy zwischen 2023 und 2026 in dienstlicher Funktion 51 Städte in 32 Ländern bereiste und dabei insgesamt 115 Nächte im Ausland verbrachte. Die Unterkunftskosten beliefen sich laut 24.hu auf insgesamt 51,9 Millionen Forint, was einem Durchschnitt von 451.000 Forint pro Nacht entspricht.

Diese Zahl ist an sich schon bemerkenswert. Nach Angaben des Ungarischen Zentralamts für Statistik lag das Netto-Mediangehalt des Landes im Juli 2026 bei 438.000 Forint. Mit anderen Worten: Eine durchschnittliche Übernachtung im Ausland kostete Márton Nagy mehr, als ein ungarischer Arbeitnehmer in einem ganzen Monat nach Hause brachte, berichtet hvg.hu.

Die extravagantesten Ausgaben

Die detaillierte Aufstellung der Ausgaben enthält noch weitere auffällige Posten. Im September 2025 kosteten zwei Übernachtungen im „The Stafford“ in London 1,8 Millionen Forint, während drei Übernachtungen im Kopenhagener „Hotel Sanders“ 3,8 Millionen Forint beliefen – das sind etwa 1,2 Millionen Forint pro Nacht. Zwei Übernachtungen im Botanic Hotel in Antwerpen wurden mit 980.000 Forint in Rechnung gestellt.

Hungarian residential developer to build 500 luxury apartments on the Spanish Riviera
Abbildung. Es scheint, als habe Márton Nagy es geliebt, öffentliche Gelder für Luxusunterkünfte auszugeben…

Auch bei der Wahl der Hotels scheint es keine besondere Zurückhaltung gegeben zu haben. Den Zahlen zufolge übernachtete die Delegation regelmäßig in Hotels internationaler Luxuskett wie Four Seasons, Mandarin Oriental, Ritz-Carlton und Waldorf Astoria. In Antwerpen übernachtete Márton Nagy mehrmals im selben Luxushotel, obwohl er ein offizielles Programm in Brüssel hatte. Dasselbe tat er in Zagreb, wo er in einer Unterkunft an der Adria übernachtete, sowie im Fernen Osten.

Öffentliche Gelder für Privatjets

Der Einsatz von Privatflugzeugen trieb die Kosten der Reisen erheblich in die Höhe. Eine Reise von Paris nach Davos im Januar 2024 kostete 39,7 Millionen Forint, wovon allein der Privatjet 30 Millionen ausmachte. Laut HVG wurden Privatflugzeuge auch für Ziele eingesetzt, die problemlos mit Linienflügen hätten erreicht werden können.

Private jets
… und Privatjets. Foto: depositphotos.com

Besonders bemerkenswert ist die Reise nach Südkorea im Jahr 2024. Márton Nagy und seine siebenköpfige Delegation besuchten auch die Insel Jeju, eines der beliebtesten Urlaubsziele Südkoreas, das oft als das „Hawaii Koreas“ bezeichnet wird. Als offizieller Zweck des Besuchs wurden „Konsultationen mit strategischen Partnern“ angegeben; aus den vorgelegten Unterlagen geht jedoch nicht hervor, wie viele Tage der Minister auf der Insel verbrachte oder wie sein konkretes Programm dort aussah. Die Unterbringung der Delegation kostete jedoch etwas mehr als 1 Million Forint für fünf Tage.

Wie Márton Nagy unter der Regierung Orbán zu Reichtum gelangte

Eine in drei Teilen veröffentlichte Investigativreihe von Válasz Online (HIER, HIER und HIER) legt nahe, dass Márton Nagy in den letzten Jahren durch wirtschaftliche Interessen, die mit seiner Familie und deren Geschäftsnetzwerk verbunden sind, beträchtlichen Reichtum angehäuft hat. Der Veröffentlichung zufolge spielte sein Bruder, Szilárd Nagy, eine besonders wichtige Rolle, ebenso wie der von ihm geführte Anwaltskreis, der im Laufe der Jahre durch Aufträge zahlreicher staatlicher und staatlich geförderter Unternehmen große Summen an öffentlichen Geldern erhalten hat.

Hungarian minister Márton Nagy
Foto: FB/Márton Nagy

Die Analyse von „Válasz Online“ ergab, dass Aufträge von mindestens 80 staatsnahen Einrichtungen mit diesem Netzwerk in Verbindung standen. Bei 34 Unternehmen wurden konkrete Aufträge im Wert von mindestens 8,2 Milliarden Forint identifiziert. Laut Márton Nagys eigener Vermögenserklärung besitzt er seit 2014 eine 89 Quadratmeter große Wohnung im II. Bezirk von Budapest. Er erwarb sie während seiner Tätigkeit als Führungskraft bei der Zentralbank, wobei die Ungarische Nationalbank finanzielle Unterstützung für den Kauf leistete.

Luxusimmobilien und Vermögensverwalter

Der Immobilienbesitz der Familie ist jedoch erheblich umfangreicher. Seine Ehefrau hält einen Anteil an einer 168 Quadratmeter großen Luxuswohnung im II. Bezirk, deren Wert auf etwa eine halbe Milliarde Forint geschätzt wird; der größere Anteil daran gehört Szilárd Nagy. Zudem hält sie einen Anteil an einer Immobilie in Vászoly im Wert von etwa 150 Millionen Forint. Auf die Luxusimmobilie in Buda wurde eine Hypothek in Höhe von 447 Millionen Forint eingetragen, die jedoch laut Válasz Online bereits innerhalb von nur vier oder fünf Monaten getilgt wurde.

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Eine weitere wichtige Persönlichkeit im Geschäftsnetzwerk der Familie ist Péter Fenyvesi, der zuvor an der Verwaltung des Immobilienvermögens von Szilárd Nagy beteiligt war und später Leiter der Trustify Investment Fund Management wurde. Die von Trustify verwalteten Private-Equity-Fonds erhielten laut Válasz Online erhebliche Summen an staatlichem Kapital. So wurden beispielsweise dem „Trustify Impact I“ im Rahmen eines staatlichen Kapitalprogramms 35 Milliarden Forint zugewiesen, während zur Finanzierung des Fondsbeitrags zudem ein durch eine staatliche Garantie abgesicherter Bankkredit genutzt wurde.

Die Fonds haben Beteiligungen an einer Reihe von Projekten erworben, darunter Immobilienentwicklungen rund um den Plattensee, ein Bürogebäude in Buda, Energie- und Technologieunternehmen sowie Solar- und Windparks. Zu ihren Investitionen gehört auch ein Immobilienprojekt in Zánka, das zuvor in staatlichem Besitz war.

Insgesamt deuten die drei Recherchen von „Válasz Online“ auf ein Netzwerk hin, das staatliche Ämter, Verbindungen zu Familienunternehmen, juristische Mandate, Immobilienbesitz und Private-Equity-Fonds miteinander verknüpft, die mit erheblichen öffentlichen Mitteln operieren. Durch dieses Netzwerk scheint Márton Nagy – direkt oder über seine Familie – mit Vermögenswerten und Geschäftsinteressen von beträchtlichem Wert verbunden zu sein.

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