Entsetzen über überhöhte Preise beim Kernkraftwerk Paks II: Haben mit Orbán verbundene und der Tisza-Partei nahestehende Geschäftsleute und Politiker das Geld in die eigene Tasche gesteckt?

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Es ist kaum überraschend, dass für den Ausbau von Paks der Kauf einer Reihe ehemaliger Felder, Waldflächen und Weiden von deren Eigentümern erforderlich war. Weniger leicht zu erklären ist hingegen, warum das für das Projekt zuständige staatliche Unternehmen Berichten zufolge einen Preis gezahlt hat, der 100-mal höher war als erwartet. Erneut scheinen an dem Geschäft Geschäftsleute und Personen beteiligt zu sein, die dem Orbán-System nahestehen.
Riesiger Korruptionsskandal: Geld verschwand in Paks
Schon ein erster und zweiter Blick auf den Fall reicht aus, um ihn als zutiefst beunruhigend einzustufen. Auf den Fall machte Ákos Hadházy aufmerksam, der ehemalige unabhängige Abgeordnete, der zuvor der Fraktion Momentum angehörte und auf Facebook bekanntgab, dass auch er Strafanzeige erstattet habe. Die zusammen mit seinem Beitrag veröffentlichten Dokumente deuten darauf hin, dass das für den Ausbau zuständige Unternehmen im Jahr 2020 ein 24 Hektar großes Wald- und Weidegrundstück zu einem Preis erworben hat, der 100-mal höher war als üblich.

Herr Hadházy erklärt, dass Grundstücke dieser Qualität in der Region zu jenem Zeitpunkt nicht mehr als 1,5 Millionen Forint wert gewesen wären, der Vertrag mit dem damaligen Eigentümer jedoch zu einem Preis von 150 Millionen Forint pro Hektar unterzeichnet wurde. Der Gesamtkaufpreis belief sich somit auf 3,5 Milliarden Forint.
Mit dem unterschlagenen Geld hätte die derzeitige Krise verhindert werden können
Insgesamt erwarb die staatliche Gesellschaft „Paksi Ipari Park Nkft“, die das seit langem verzögerte Paks-II-Projekt durchführt, ähnliche Grundstücke für insgesamt 32 Milliarden Forint – laut Herrn Hadházy wiederum zu stark überhöhten Preisen. Er argumentiert, dass das unterschlagene Geld ausgereicht hätte, um die aktuellen Kühlprobleme zu beheben, die Pumpen zu verbessern und sicherzustellen, dass das Kraftwerk auch bei niedrigem Wasserstand der Donau weiterbetrieben werden könnte.
Der Stadtrat von Szekszárd weigerte sich, die Kaufverträge offenzulegen, und Transparency International musste ihn zweimal darauf hinweisen, dass er zur Offenlegung der Dokumente verpflichtet sei und nicht einmal die Namen der Eigentümer, die den Kaufpreis erhielten, schwärzen dürfe.

Laut Herrn Hadházy war einer der Begünstigten das Unternehmen von Zsolt Kapitány, einem langjährigen Fidesz-Getreuen. „Er verdiente mehr als eine Milliarde, indem er die baufälligen Gebäude der ehemaligen Fleischfabrik in Szekszárd für einen Spottpreis vom Staat erwarb und sie ein Jahr später zu einem weitaus höheren Preis an Paks 2 weiterverkaufte“, schrieb Herr Hadházy. Er erstattete damals Anzeige gegen den Geschäftsmann, doch nach seinen Angaben wies die Staatsanwaltschaft die Anzeige unter einem seiner Meinung nach lächerlichen Vorwand zurück.
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Haben auch spätere Politiker aus Tisza davon profitiert?
Der ehemalige Abgeordnete sagt, es gebe noch eine weitere Wendung. Zwar sieht er auf der Liste außer Herrn Kapitány keine weiteren bekannten Fidesz-Persönlichkeiten, doch fallen ihm Namen auf, die mit Tisza in Verbindung stehen.
Er erklärt, der Grund dafür, dass solch enorme Summen bei Fidesz-Persönlichkeiten – und später bei Personen, die später Politiker in Tisza wurden – landeten, sei gewesen, dass das Land zunächst umgewidmet werden musste, da das Kernkraftwerk landwirtschaftliche Flächen nicht direkt erwerben konnte. Die saftigen Gewinne flossen in die Taschen derjenigen, die als Vermittler fungierten und den Vorgang organisierten.

„Wer genau diese gewieften Vermittler waren und wie viel sie an dieser Angelegenheit verdient haben, muss im Rahmen einer Untersuchung geklärt werden. Wenn wir tatsächlich auf einen Regimewechsel zusteuern, kann man nur hoffen, dass eine Untersuchung nicht abgelehnt wird, selbst wenn Personen aus dem Umfeld der neuen Regierung zu den Verdächtigen gehören“, schrieb Herr Hadházy.

