Orbáns Narrativ vom finanziellen Kollaps sorgt für Verwirrung unter den Anlegern

Internationale Finanzexperten sind ebenso verwirrt, warum Viktor Orbán immer wieder von einer drohenden Finanzkatastrophe und der Notwendigkeit eines “Schutzschildes” spricht, obwohl die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren Ungarns genau das Gegenteil nahelegen.

Internationale Investoren verstehen nicht, warum Viktor Orbán von einem drohenden Zusammenbruch des Finanzmarktes spricht, obwohl es laut einer Analyse von Bloomberg keine Anzeichen dafür gibt, dass Ungarn auch nur kurzfristig eine wirtschaftliche Gefahr droht. Wie die Nachrichtenagentur hervorhebt, war 2025 bisher ein besonders starkes Jahr für die ungarischen Finanzmärkte, berichtet Telex.

Ein erstarkender Forint und ein steigender Aktienmarkt

Den Daten von Bloomberg zufolge hat der Forint im Jahr 2025 gegenüber dem Euro um 8 Prozent und gegenüber dem Dollar um 20 Prozent zugelegt, was nach dem russischen Rubel den zweitstärksten Anstieg unter den Schwellenländerwährungen darstellt.

Damit ist das laufende Jahr das vielversprechendste für die ungarische Währung seit dem Zeitraum zwischen 2002 und 2012. Der Hauptindex der Budapester Börse hat sich ebenfalls außergewöhnlich gut entwickelt und ist in Dollar gerechnet um 62 Prozent gestiegen.

Orbáns Erzählung und die Ratlosigkeit der Investoren

In den letzten Wochen hat Viktor Orbán wiederholt erklärt, dass Ungarn im Falle eines möglichen Angriffs auf den Forint einen “finanziellen Schutzschild” benötigen könnte. Er behauptet, in Washington mit US-Präsident Donald Trump eine entsprechende Vereinbarung getroffen zu haben, obwohl die Regierung noch keine konkreten Details genannt hat.

Wie hvg berichtete, stellt sich der Premierminister einen Schutzschild im Wert von etwa 10-20 Milliarden Dollar – also 3,3-6,7 Billionen Forint – vor, der von der ungarischen Nationalbank und der US-Notenbank aktiviert werden könnte.

Von Bloomberg zitierte Analysten sagen jedoch, dass die Situation keine sofortige Rettungsaktion rechtfertigt. Sie weisen darauf hin, dass der Forint nach dem Rücktritt des stellvertretenden Gouverneurs der MNB, Barnabás Virág, zwar um 0,8 Prozent gegenüber dem Euro abrutschte, aber innerhalb weniger Stunden wieder deutlich an Stärke gewann.

Nach Ansicht von Malin Rosengren vom Londoner Vermögensverwalter RBC BlueBay braucht Ungarn keinen sofortigen Schutzschirm, und es bleibt unklar, warum Orbán einen solchen Schritt überhaupt verfolgen würde.

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Foto: Facebook/Orbán Viktor

Investoren wetten auf eine Wende bei den Wahlen

Experten betonen auch, dass keines der möglichen Szenarien aus Orbáns Sicht vielversprechend erscheint.

Dem Bericht zufolge ist eine der Erklärungen für die Stärkung des Forint gerade die Tatsache, dass einige ausländische Investoren erwarten, dass Orbán die Wahlen im nächsten Frühjahr verlieren wird. Die Markterwartungen legen nahe, dass eine von der Tisza-Partei geführte Regierung bestimmte EU-Mittel freisetzen könnte, was die wirtschaftlichen Aussichten Ungarns weiter verbessern und die Position des Forint stärken würde.

Barry van der Laan, Chef-Devisenstratege bei Monex Europe, ist der Ansicht, dass der amerikanische “Schutzschild” eher dazu dienen könnte, Orbáns politische Krisendarstellung zu untermauern, als einen echten finanziellen Schutz zu bieten.

Raffaela Tenconi, leitende Ökonomin bei Wood & Co., äußerte eine ähnliche Ansicht. Sie argumentiert, dass vor der Wahl im nächsten Jahr keine nennenswerte Instabilität der Finanzmärkte zu erwarten ist, was bedeutet, dass der “Schutzschild” höchstwahrscheinlich nur als Wahlkampfbotschaft funktioniert.

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