Péter Magyar verrät, wie lange er als Ministerpräsident im Amt bleiben will, während Viktor Orbáns Partei auseinanderfällt

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Es scheint, als würden Péter Magyar und die von ihm geführte Tisza-Partei das ungarische öffentliche Leben noch für einige Zeit prägen. Der derzeitige Ministerpräsident des Landes äußert sich in dieser Hinsicht jedoch bemerkenswert bescheiden, während sein beabsichtigtes Engagement in öffentlichen Angelegenheiten auffallend begrenzt erscheint. Viktor Orbán hat stets langfristig geplant; Péter Magyars Ambitionen reichen weit weniger weit in die Zukunft.

Orbán und die „longue durée“

Als Ministerpräsident legte Viktor Orbán für seine Amtszeit stets langfristige Zeithorizonte fest. Obwohl er in den vergangenen vier Jahren regelmäßig davon sprach, den Stab irgendwann an die nächste Generation weitergeben zu müssen, war János Lázár vor der Wahl 2018 wohl der Letzte, der seine Position als Führer ernsthaft in Frage stellte. Diese Herausforderung endete damit, dass Lázár ins Abseits gedrängt wurde. Im April dieses Jahres erlitt Lázár, der als eines der Gesichter des Wahlkampfs fungiert hatte, gemeinsam mit seinem ehemaligen Chef eine schwere Niederlage.

Orbán Lázár water and energy crisis
Quelle: Facebook/János Lázár

Orbán plante stets mindestens bis ins Jahr 2030 voraus. Seiner Darstellung zufolge würde es so lange dauern, das Land nach dem „sozial-liberalen“ Amoklauf wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Diese Fristen wurden jedoch wiederholt nach hinten verschoben. Während des jüngsten Wahlkampfs beispielsweise bezeichnete Lázár Ungarn regelmäßig als ein halbfertiges Land und deutete damit an, dass noch viel zu tun sei, bevor ihre Arbeit – was auch immer diese gewesen sein mag – vollendet werden könne.

Péter Magyar hat als Ministerpräsident eine weitaus bescheidenere Haltung eingenommen, obwohl er sich bereits in den ersten Monaten seiner ersten Amtszeit mit außerordentlicher Energie und einem enormen Arbeitspensum engagierte. Er sagt, er schlafe wenig und schätze die Zeit, die er mit seiner Familie und seinen Kindern verbringe, doch derzeit bleibe keine Zeit für Erholung. „Vielleicht bleibt in sieben Jahren und acht Monaten Zeit für ein wenig Erholung“, schrieb er gestern in einem Facebook-Beitrag. Auf dem dazugehörigen Foto ist zu sehen, wie er mit einer Nationalflagge in der Hand zwei Stufen auf einmal nimmt – was unter anderem darauf hindeutet, dass ein Tempoabbau derzeit keine Option ist.

How Hungary’s former Chief of the General Staff squandered taxpayers’ money
Péter Magyar im Kernkraftwerk Paks während der Energie- und Wasserkrise. Orbán war nicht einmal vor Ort. Foto: Facebook/Ruszin-Szendi Romulusz

Könnte Péter Magyar Ungarns nächster, einflussreicher Präsident werden?

Zu den ersten Maßnahmen der Tisza-Regierung gehörte eine verfassungsrechtliche Beschränkung, wonach ein Ministerpräsident nicht mehr als zwei Amtszeiten – insgesamt acht Jahre – an der Spitze der ungarischen Regierung stehen darf. Die obige Rechnung ist daher leicht nachvollziehbar. Obwohl viele bezweifelten, dass Péter Magyar wirklich beabsichtigte, diese Beschränkung einzuhalten, scheint er nun zu seinem Versprechen zu stehen.

Allerdings könnte die neue Verfassung, die Tisza bis zum kommenden Herbst ausarbeiten will, eine semipräsidentielle Republik schaffen, in der ein direkt gewählter Präsident über ein starkes Mandat und entsprechend umfassendere und mächtigere Befugnisse verfügt. Derzeit hindert nichts jemanden daran, direkt vom Amt des Ministerpräsidenten in das des Präsidenten zu wechseln, obwohl es seit dem Zusammenbruch des Kommunismus kein solches Beispiel – in keiner Richtung – gegeben hat.

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Zumindest vorerst verfügt Tisza über die Macht, die ungarische Verfassungsordnung nach eigenem Ermessen umzugestalten. Die Partei hält 141 Sitze im Parlament – deutlich mehr als die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Noch wichtiger ist: Würden heute Wahlen stattfinden, würde sie mit rund zwei Dritteln der Stimmen ein noch stärkeres Mandat erhalten.

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Tisza verfügt über eine überwältigende Mehrheit im ungarischen Parlament. Foto: Facebook/Ágnes Forsthoffer

Unterdessen zeigt Fidesz, die von Viktor Orbán geführte Partei und Ungarns stärkste Oppositionskraft, Anzeichen des Zerfalls. Tibor Navracsics, ehemaliger EU-Kommissar und Minister, sowie Orsolya Ferencz haben eine unabhängige Plattform namens „Bürgerdemokraten“ gegründet. János Bóka, Fraktionsvorsitzender von Fidesz, begrüßte diesen Schritt. Doch in der ungarischen Politikgeschichte war die Entstehung von Plattformen innerhalb einer Partei stets der Auftakt zu deren Zusammenbruch – wie es bei der Ungarischen Sozialistischen Partei und in jüngerer Zeit bei Jobbik der Fall war.

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Orbán und János Bóka. Foto: MTI

Andrea Virág, strategische Leiterin des Republikon-Instituts, erklärte gegenüber der Zeitung „Népszava“ zudem, dass Viktor Orbán – obwohl er die Unterstützung von fast 100 Prozent seiner Partei genießt – in den letzten Monaten als Parteivorsitzender praktisch geschwiegen habe, während Ungarn mit einer Energiekrise, einer Wasserkrise und, ihrer Ansicht nach, einer Verfassungskrise konfrontiert war.

Laut Andrea Virág deutet dies darauf hin, dass sich Viktor Orbán freiwillig aus der politischen Bühne zurückgezogen hat und nach jemandem sucht, an den er den Staffelstab übergeben kann. Sie argumentiert, er habe seine Partei im Stich gelassen, habe keine Strategie für eine Rückkehr und dass alles um ihn herum nun Anzeichen eines Zusammenbruchs zeige.

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