Putin-verbundene Persönlichkeit soll Ungarns Wahlbeobachtung leiten

Eine umstrittene Ernennung hat im Vorfeld der bevorstehenden Wahlen in Ungarn für Diskussionen gesorgt. Berichten zufolge wird Daria Bojarskaja, eine ehemalige Dolmetscherin von Wladimir Putin, bei der Organisation der internationalen Wahlbeobachtungsmission helfen.
Putins ehemalige Dolmetscherin soll Wahlbeobachtung leiten
Laut dem Enthüllungsjournalisten Szabolcs Panyi hat die Parlamentarische Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE PV) Bojarskaja mit der Koordinierung ihrer Beobachtermission in Ungarn betraut. Sie hatte bereits Anfang des Jahres an einer vorläufigen Bedarfsermittlung teilgenommen, doch nun wurde ihr eine deutlich erweiterte Rolle übertragen.
Bojarskaja ist international dafür bekannt, dass sie als Putins Englischdolmetscherin bei hochrangigen Treffen fungiert, darunter auch 2019 beim G20-Gipfel in Osaka mit Donald Trump, berichtet HVG.
Bürgerinitiativen warnen vor Voreingenommenheit und Einschüchterungsversuchen
Ungarische Organisationen der Zivilgesellschaft haben alarmiert reagiert. Das ungarische Helsinki-Komitee hat Bedenken hinsichtlich ihrer Unparteilichkeit geäußert und auf ihre frühere enge Verbindung zum russischen Präsidenten hingewiesen.
Die Ko-Vorsitzende Márta Pardavi warnte, dass Bojarskajas Anwesenheit Journalisten, Aktivisten und Oppositionelle davon abhalten könnte, frei mit internationalen Beobachtern zu sprechen.
Laut Pardavi spielt die russische Staatsbürgerin eine zentrale organisatorische Rolle: Sie arrangiert die Treffen, lädt die Teilnehmer ein, nimmt an den Diskussionen teil und beaufsichtigt die Dokumentation. Kritiker argumentieren, dass dieser Grad der Beteiligung Einfluss darauf haben könnte, welche Informationen die internationalen Beobachter erreichen.
Sicherheitsbedenken und frühere Sanktionen
Weitere Bedenken ergeben sich aus Bojarskajas Hintergrund und ihrem internationalen Werdegang. Sie hat früher für das russische Außenministerium gearbeitet und verfügt über langjährige Verbindungen zu staatlichen Institutionen.
Im Jahr 2022 erklärte die polnische Behörde für innere Sicherheit sie zur Persona non grata, da sie befürchtete, dass ihre Aktivitäten mit den Interessen des Kremls übereinstimmten und das Risiko von Provokationen oder Beeinflussungsaktionen bergen könnten.
Sicherheitsexperten, die in den Berichten zitiert werden, weisen darauf hin, dass Personen, die als Dolmetscher für Putin tätig sind, in der Regel von den russischen Geheimdiensten umfassend überprüft werden. Infolgedessen argumentieren die Analysten, dass solche Personen entweder das Vertrauen des Föderalen Sicherheitsdienstes genießen oder für diesen von großem Interesse sind.
Einige Experten warnten, dass diejenigen, die während der ungarischen Mission mit Bojarskaja zu tun hatten, selbst die Aufmerksamkeit des russischen Geheimdienstes auf sich ziehen könnten.
OSZE-Führung hält an Entscheidung fest
Trotz wachsender Kritik hat Roberto Montella, Generalsekretär der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, die Ernennung verteidigt. In einem Briefwechsel mit ungarischen Bürgerinitiativen erklärte Montella, dass es seine persönliche Entscheidung war, Bojarskaja mit dieser Aufgabe zu betrauen und dass sie weiterhin sein volles Vertrauen genießt.
Auch die Parlamentarische Versammlung der OSZE hat sie in der Vergangenheit unterstützt, auch nach der Entscheidung Polens, ihr die Einreise zu verbieten. Die Organisation hat argumentiert, dass sich ihre Mitarbeiter an die offiziellen Positionen halten, die den Krieg Russlands gegen die Ukraine verurteilen.
Ermittlungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Bojarskaja auch nach dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 weiterhin nach Russland gereist ist.
Warum diese Wahl wichtig ist: Fidesz gegen Tisza
Die Kontroverse kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für Ungarn. Die bevorstehende Wahl wird weithin als entscheidender Wettstreit zwischen der regierenden Fidesz, angeführt von Premierminister Viktor Orbán, und der aufstrebenden (und derzeit in den Umfragen führenden) Oppositionspartei Tisza angesehen.
Die Fidesz dominiert die ungarische Politik seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten, hat die Institutionen umgestaltet und die Macht konsolidiert. In der Zwischenzeit hat sich die Theiß-Partei als ernsthafter Herausforderer im Jahr 2024 herauskristallisiert. Sie nutzt die Unzufriedenheit der Öffentlichkeit und positioniert sich als reformorientierte Alternative.
In diesem Zusammenhang kommt der Integrität und der internationalen Wahrnehmung des Wahlprozesses eine besondere Bedeutung zu. Jegliche Zweifel an der Neutralität der Wahlbeobachtung könnten die politische Spaltung noch weiter vertiefen und sowohl das Vertrauen im Inland als auch die Stellung Ungarns in der Europäischen Union beeinflussen.

